• Facebook
  • Twitter

5:3! Furioser SC Paderborn beeindruckt beim Aufstiegsfavoriten

© imago/Hübner

Was für ein Auftritt des SC Paderborn! Mit 5:3 fegten die Ostwestfalen den 1. FC Köln am Sonntagnachmittag aus deren Stadion und feierten dabei einen beeindruckenden Sieg.

Gegensätze hätten kaum größer sein können

Auf dem Papier waren die Vorzeichen klar: Die mit einem Marktwert von über 76 Millionen Euro wertvollste Zweitliga-Mannschaft trifft auf das Team, das bei "transfermarkt.de" am wenigsten wert ist (rund neun Millionen Euro). Allein Nationalspieler Jonas Hector ist mit einem Marktwert von 15 Millionen Euro fast doppelt so teuer wie der komplette Kader des SCP. Deutlicher hätten die Gegensätze kaum sein können, doch auf dem Platz begegneten sich beide Teams auf Augenhöhe.

Vor der Partie hatte SC-Trainer Steffen Baumgart einen offensiven Auftritt seiner Mannschaft angekündigt – und die Spieler hörten auf ihren Coach. Schon in der Anfangsphase konnten die Ostwestfalen Nadelstiche setzen, mussten nach zwei Kölner Abseitstoren dann aber den Rückstand hinnehmen (37.). Wer nun damit rechnete, Paderborn würde seine Taktik umstellen, sah sich getäuscht. Nur eine Minute später staubte Last-Minute-Neuzugang Babacar Gueye zum 1:1 ab. Mit diesem Resultat hätte der Aufsteiger am Ende sicher leben können – doch es sollte ganz anders kommen.

Irre Energie-Leistung

Als der FC kurz nach der Pause durch Terodde wieder mit 2:1 in Führung ging, rechneten wohl die meisten der 50.000 Zuschauer im Rhein-Energie-Stadion mit einem klaren Sieg des Bundesliga-Absteigers. Und auch Baumgart musste nach dem Spiel zugeben: "Wenn sie nach dem 2:1 gleich das 3:1 machen, dann glaube ich nicht, dass wir da wiederkommen." Wenig später dürfte sich der SCP-Coach dann aber verwundert die Augen gerieben haben: Nach einem Doppelpack von Philipp Klement (66. / 71.) stand es plötzlich 3:2 für Paderborn – Spiel gedreht!

Damit aber nicht genug: Selbst vom 3:3-Ausgleich in der 84. Minute ließen sich die Blau-Schwarzen nicht beirren und schlugen durch Tekpetey (89.) und Michel (90. +4) – wie schon gegen Fürth – auf beeindruckende Art und Weise ganz spät nochmal zurück und gingen tatsächlich als Sieger vom Platz – der Jubel bei den 2.500 mitgereisten Fans kannte keine Grenzen. Es war ein großer Sieg, den Paderborn an diesem Tag einfuhr.

Spieler feiern mit Kölner Karnevalsliedern

"Wir freuen uns, hier gewonnen zu haben", analysierte Baumgart nüchtern, sprach von einem "hochklassigen Spiel" und einer "sehr guten" Leistung seiner Mannschaft über 90 Minuten.  Mit Kölner Karnevalsliedern feierten die Spieler anschließenden den furiosen Sieg in der Kabine. Baumgart blieb jedoch wie gewohnt auf dem Boden: "Jetzt freuen sich die Jungs. Ich glaube nicht, dass wir hier irgendwelche großen Ausartungen haben. Sie freuen sich einfach." Der SCP-Coach weiter: "Ich glaube, du fährst nicht einfach mal so nach Köln und gewinnst. Ich will jetzt nicht sagen, dass es eine Premiere ist, aber so oft ist mir das als Spieler nicht passiert. Und als Trainer schon gar nicht."

Bei den Fans wurden unterdessen Erinnerungen an den Sieg im Februar 2014 wach. Ohnehin ist die Gesamtbilanz überraschend ausgeglichen: Der letzte Sieg des auf dem Papier großen FC gegen das vermeintlich kleine Paderborn liegt bereits fünf Jahre zurück.

Von Glück kann keine Rede sein

Und auch am Sonntag setzten die Ostwestfalen ein dickes Ausrufezeichen. Natürlich hatte der SCP in der ersten Halbzeit Glück, dass Schiedsrichter Markus Schmidt ein Handspiel von Mohamed Dräger im Strafraum übersah. Doch mit Glück hatte der überzeugende 5:3-Sieg am Ende nichts zu tun. Denn wenn die vermeintlich günstigste Mannschaft dem Liga-Primus um Spieler wie Jonas Hector und Timo Horn fünf Tore einschenkt, kann man wohl kaum von Glück sprechen. So oder so: Angesichts eines solchen Auftritts muss sich der Aufsteiger keine Sorgen um den Klassenerhalt machen. Denn der bleibt trotz des Gala weiterhin das Ziel.