Analyse & Prognose: Die 2. Liga vor dem Saisonstart #1

Mit dem Duell zwischen dem FC Schalke 04 und Hertha BSC wird am kommenden Freitag die neue Zweitliga-Saison eröffnet. Bevor der Ball rollt, wirft liga2-online.de einen Blick auf die bisherige Vorbereitung aller Mannschaften und wagt eine Prognose, wo die Klubs am Saisonende landen werden. Im ersten Teil schauen wir auf die beiden Aufsteiger und ein Quartett, das im letzten Tabellendrittel landete.

Personal: Akribische Sorgfalt steht vor lautmalerischen Schnellschüssen. Daraus machte SGD-Sportchef Thomas Brendel schon zum Trainingsauftakt kein Geheimnis, weswegen sich die Fans streckenweise in großer Geduld üben mussten. Zusätzliche Euphorie ist durch die schleppend anmutende Kaderplanung nicht entstanden. Besonders die ausbleibenden Festverpflichtungen von den Leihspielern Jonas Sterner und Andi Hoti sorgten für Zähneknirschen. Im Falle von Top-Torjäger Christoph Daferner konnte die SGD dafür aber zuschlagen - genauso wie bei gestandenen Spielern wie Nils Fröling, Alex Rossipal oder Konrad Faber.

Vorbereitung: Nach Schützenfesten gegen Thüringen Weida (7:0) und eine Kamenzer Auswahl (14:0) folgten hinreichende Tests gegen den SV Ried (3:1), Slavia Prag (2:4) und den SC Freiburg (3:3). Dynamo präsentierte sich in der Offensive gefällig, zeigte aber auch zu erwartende Wackler in der Abwehr gegen höherklassige Teams.

Auftaktprogramm: Die SGD startet in Fürth und darf anschließend den 1. FC Magdeburg im ersten Heimspiel begrüßen. Danach geht es in Bielefeld, gegen Schalke und in Elversberg weiter. Allesamt Partien gegen Mannschaften, die vor dem Saisonbeginn auch noch nicht genau wissen werden, wo sie in der neuen Spielzeit stehen werden. Ein guter Start wäre für Dresden möglich und wertvoll.

Prognose: In der 3. Liga war Dresden ein Magnet, in der 2. Bundesliga wird Dynamo ein Underdog sein. Diese Einschätzung kam von Sportchef Brendel, der in seinem Verein den klaren Außenseiter für die Saison sieht - und das auch klar kommuniziert. "Wir brauchen schon ein bisschen Fantasie, wen wir hinter uns lassen können", hieß es zuletzt. Schlaues Understatement oder verfrühtes Warnsignal? Für die SGD kann es mit der Einstellung knackig werden. Platz 14-18.

 


Personal: Die Teilnahme am DFB-Pokalfinale weckte Begehrlichkeiten, sodass Top-Spieler wie Louis Oppie oder Marius Wörl nicht zu halten waren. Darüberhinaus blieb die Arminia jedoch standhaft und hielt das Erfolgsteam beisammen. Mit Tim Handwerker und Marvin Mehlem holte man den Eins-zu-Eins-Ersatz für die Abgänge, dazu noch vielversprechende Talente für die Zukunft. Auch die Vertragsverlängerung mit Leistungsträger Joel Grodowski wurde im Sommer geregelt. Dass die Qualität reichen kann, wissen die Ostwestfalen aus dem Pokal.

Vorbereitung: Abgesehen vom 2:2-Remis gegen den SC Wiedenbrück und der 0:3-Generalprobe gegen AS Monaco verlief die Testphase im Sommer vielversprechend - gegen Verl II (5:1), Havelse (7:1), Imst (3:1) und Nürnberg (2:1) gab es jeweils Siege. Aber nie ohne Gegentor. Daher wird das die Stellschraube sein, die Cheftrainer Mitch Kniat für den Liga-Alltag noch ziehen will.

Auftaktprogramm: Die Ostwestfalen starten auf der Alm gegen Fortuna Düsseldorf und müssen dann an der Kieler Förde gegen den nächsten Top-Kandidaten der Liga ran. Dresden (H), Braunschweig (A), Magdeburg (H) warten nach der ersten Pokalrunde. Gelingen in den ersten Partien schon die ersten Erfolge, dann wird die Bielefelder Alm erst recht zum Hexenkessel.

Prognose: Bielefeld hat bereits Berg- und Talfahrten mit Mitch Kniat erlebt. Daher wird auf der Alm keine Unruhe entstehen, wenn es mal nicht läuft. Aber Grund zur Annahme, dass die Arminia zum Saisonbeginn nicht alles reinwerfen wird, gibt es ohnehin nicht. Und wenn die Ostwestfalen dann den Schwung und die Euphorie aus dem Pokalfinale noch einmal entfachen können, dürfte der Aufsteiger zum unangenehmen Gegner für jeden werden und mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Platz 10-14.

 


Personal: Ron-Thorben Hoffmann und Lino Tempelmann bleiben, dazu kamen Mehmet Aydin, Louis Breunig und Lukas Frenkert sowie Robin Heußer als erfahrener Mann im Mittelfeld. Obwohl der BTSV mit Abgängen von Rayan Philippe, Jannis Nikolaou, Robert Ivanov sowie Kapitän Ermin Bicakcic viel Qualität und Erfahrung einbüßte, scheint die Eintracht für die neue Saison gewappnet zu sein. Neu-Cheftrainer Heiner Backhaus wird viel Einsatz von seiner Mannschaft fordern, was von einer verjüngten Truppe durchaus zu erwarten ist.

Vorbereitung: Nach torreichen Begegnungen mit Amateurteams zeigte sich der BTSV in Spielen gegen Basaksehir (0:0) und Plymouth (1:0) defensiv stabil. Ein Rückschlag war die Partie gegen Holstein Kiel (1:4), woraufhin Braunschweig jedoch mit einer eindrucksvollen Generalprobe gegen Hansa Rostock (4:1) reagierte. Zumal auch erwähnt werden muss, dass die Niederlage gegen Kiel erst in den Schlussminuten einer 120-Minuten-Begegnung deutlich wurde.

Auftaktprogramm: In Magdeburg und gegen Fürth startet die Eintracht in die neue Spielzeit. Anschließend heißen die Gegner für die erste Standortbestimmung noch Karlsruhe, Bielefeld und Darmstadt. Die Erfolgsquote der Braunschweiger wird davon abhängig sein, wie sehr das Team die intensive Spielweise vom neuen Cheftrainer bereits implementiert hat. Der Beinahe-Absteiger der letzten beiden Jahre kann dann zur Abwechslung zum Start überraschen.

Prognose: Der Saisonauftakt war in den letzten Spielzeiten nicht die große Stärke vom BTSV. Aber nun scheint Braunschweig bereit für das neue Zweitliga-Jahr zu sein, wenngleich die Auswahlprozesse beim Cheftrainer und innerhalb der Mannschaft nicht in größter Eile abgelaufen waren. Womöglich ist das aber auch ein gutes Zeichen, um die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben. Kämpfen wird der BTSV trotzdem wieder. Platz 12-18.

 


Personal: Abgesehen von Innenverteidiger Lukas Frenkert haben die Adlerträger keinen echten Stammspieler der letzten Saison verloren. Ein klares Bekenntnis lieferten hingegen Johannes Schenk und Jano ter Horst mit ihren vorzeitigen Verlängerungen ab. Dazu bekam Neu-Cheftrainer Alexander Ende auch Lars Lokotsch und Marcel Benger aus Verl, darüber hinaus noch erfahrene Spieler wie Marvin Schulz, Marco Meyerhöfer und Paul Jaeckel. Vielversprechende Offensivkräfte wie Oliver Batista Meier oder Oscar Vilhelmsson runden das Bild ab.

Vorbereitung: Gegen Drittligisten wie Verl (1:0), Duisburg (4:1) oder Viktoria Köln (1:1) lief es in der Vorbereitung ganz gut, wenngleich die große Offensive mit einer Ausnahme ausblieb. In den internationalen Tests gegen Gent (2:3) und Almelo (1:4) zog Münster dafür den Kürzeren. Wo die Preußen nach dem Trainerwechsel spielerisch wirklich stehen, ist noch nicht absehbar.

Auftaktprogramm: Beim Karlsruher SC kann Cheftrainer Ende den Anfang für eine erfolgreiche Saison machen. Danach geht es gegen Paderborn (H), Nürnberg (H), Bochum (A) und Düsseldorf (H) - allesamt Teams mit höheren Ambitionen in der Liga. Ein guter Start kann die Adlerträger beflügeln.

Prognose: Es brauchte einen enormen Kraftakt am Ende der letzten Saison, um die Preußen in der Liga zu halten. Viele hatten vorher geglaubt, dass es Münster leichter fallen würde. Daher ist man im Münsterland wohl gewarnt, dass gerade das zweite Zweitliga-Jahr nach dem Aufstieg nicht einfacher werden wird. Durch die Spielweise des neuen Cheftrainers können die Adlerträger für Furore sorgen, aber der Blick in den Rückspiegel wird man nicht vergessen. Platz 12-17.

 


Personal: Was wurde über den Trainerposten der Königsblauen gerätselt - und am Ende kam Miron Muslic, der im deutschen Profifußball ein völlig unbeschriebenes Blatt ist. Nach Karel Geraerts und Kees van Wonderen mutete die Verpflichtung des Österreichers als weiteres Experiment an, zumal auch Muslic die bodenständige Art seiner Vorgänger fortsetzt. Mit Nikola Katic erhielt Muslic einen Vertrauten, dazu holte Schalke noch Drittliga-Überflieger Soufiane El-Faouzi und Identifikationsfigur Timo Becker. Viel mehr ist nicht passiert.

Vorbereitung: Auf Schalke läuft noch nicht alles rund. Selbst der 3:0-Test gegen Rot Weiss Ahlen kurz vor Ende der Vorbereitung sorgte eher für Enttäuschung als Euphorie. Die Art und Weise stimmt noch nicht. Siege gegen Bocholt (3:2) und St. Gallen (1:0) sowie Remis gegen Panathinaikos (0:0) oder Enschede (1:1) stehen Niederlagen gegen Wiesbaden (2:3) und Sevilla (2:4) gegenüber.

Auftaktprogramm: Zum Start gibt es das prestigeträchtige Duell mit Hertha BSC, danach direkt das Auswärtsspiel am Lautrer Betzenberg. Nach den Pokalspielen warten Bochum, Dresden und Kiel - also Gegner, die sich im letzten Jahr zwischen Bundesliga und 3. Liga bewegten. Ob Schalke dem letzten Tabellendrittel mal entkommen kann, wird sich schon zu Saisonbeginn zeigen.

Prognose: Zwei Jahre im Abstiegskampf haben die Königsblauen geprägt. Ob der Verein die richtigen Schlüsse daraus gezogen hat, ist derzeit noch offen. Der Kader wurde ein Stück weit ausgesiebt, aber abgesehen von wenigen Zugängen nur mit Talenten aus der Knappenschmiede gefüllt. Das kann bekanntlich gut funktionieren. Ob der neue Coach das S04-Chaos kontrollieren kann, wird sich zeigen. Trotz Ambitionen wirkt Gelsenkirchen noch nicht wesentlich verbessert. Platz 13-16.

 


Personal: Ganz so stark wie in den letzten Jahren setzte das Kleeblatt nicht auf "Jugend forscht", denn mit Philipp Ziereis, Jannik Dehm oder Felix Higl wurde auch auf erfahrene Kräfte gesetzt. 7 von 14 Zugängen fallen dennoch unter den Status von U21-Spielern. In Aaron Keller oder Lukas Reich investierte Fürth auch ordentliche Ablösesummen im sechsstelligen Bereich. Im Gegenzug verschafften die Verantwortlichen auch viel Platz im Kader, denn inklusive den Leihspielern und Leihrückkehrern verließen 16 Akteure das Kleeblatt. Auf den Abstiegskampf in der letzten Saison folgte ein kleinerer Umbruch.

Vorbereitung: Der Hallesche FC (1:2) und Huddersfield Town (0:1) zeigten Fürth in der Vorbereitung die Grenzen auf. Spiele gegen Ansbach (6:2), Ingolstadt (4:2), Mannheim (4:1) und nicht zuletzt auch gegen Union Berlin (1:0) hinterließen jedoch den Eindruck, dass sich die Fürther bereits früh gefunden haben. Ur-Fürther Thomas Kleine scheint zu wissen, wie es am Ronhof laufen muss.

Auftaktprogramm: Nach den Spielen gegen Dresden und Braunschweig wird das Kleeblatt bereits wissen, wo es steht. Um zu zeigen, dass sich das Team verbessert hat, wären Siege notwendig. Gegen Kiel, Magdeburg und Kaiserslautern könnten die Mittelfranken nämlich unmittelbar danach zeigen, ob es in dieser Saison auch wieder in andere Tabellenregionen gehen kann.

Prognose: Aus der Not heraus wurde in Fürth im letzten Jahr viel ausprobiert, doch mit der Entscheidung für Thomas Kleine und Milorad Pekovic kehrte Sportchef Stephan Fürstner zu den mittelfränkischen Wurzeln zurück. Ein Schachzug, der das Kleeblatt wieder aufblühen lassen kann. Je mehr positive Ergebnisse die Fürther daher am Anfang einfahren, umso besser kann es in der Saison laufen. Der Abstiegskampf sollte normalerweise kein wiederholtes Thema werden. Platz 9-13.

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