St. Pauli zwischen Aufwind und Stillstand
Die gute Nachricht zuerst: Nach dem 1:1-Unentschieden gegen den FSV Frankfurt ist der FC St. Pauli seit immerhin drei Ligaspielen ungeschlagen. Auch am Einsatz und Willen der Elf von Trainer Ewald Lienen ist wenig auszusetzen. Dennoch ist der Abstand aufs rettende Ufer, durch den Sieg der Münchner Löwen bei Greuther Fürth (0:3), auf drei Punkte herangewachsen. Das direkte Aufeinandertreffen der ebenfalls abstiegsgefährdeten Aalen und Aue (3:0) bedeutete zudem, dass die Kiezkicker trotz des Punktgewinns am Ende des Spieltags von Relegationsrang 16 auf Platz 17 abrutschen würden. Am kommenden Freitag genügt nun nicht einmal ein Kantersieg bei Union Berlin, um die Abstiegsränge zu verlassen.
Auftrieb aus dem Braunschweig-Spiel
„Insgesamt hätten wir den Sieg verdient gehabt", bilanzierte Übungsleiter Lienen die Leistung seiner Mannschaft am vergangenen Samstag. In der Tat fanden die Braun-Weißen schnell in die Partie und beschränkten die Gäste in der ersten Hälfte größtenteils auf Konter. Der 2:0-Erfolg gegen Braunschweig aus der Vorwoche hatte den Kiezkickern sichtlich Auftrieb gegeben. Beinahe hätte sogar dasselbe Erfolgsrezept erneut gefruchtet, als Lasse Sobiech nach einer Ecke freistehend zum Kopfball kam (15.). Der Innenverteidiger brachte jedoch nicht genug Druck hinter den Ball und die Chance verpuffte. Am Ende sprang trotz einiger Chancen in Hälfte eins nichts Zählbares heraus.
Unmittelbar nach der Pause brach Lennart Thy schließlich den Bann (46.) und erzielte nach einem sehenswerten Dreher das 1:0 für die Heimmannschaft.
In der Folge erhöhte der FSV die Taktzahl seiner Angriffe. Den daraus entstehenden Raum zum Kontern wusste die Lienen-Elf jedoch nicht auszunutzen. Zu unpräzise war das Passspiel. Immer wieder wurde der Ball auf halber Strecke unnötig an den Gegner hergeschenkt.
Himmelmann sichert Punkt
Außerstande nachzulegen leitete St. Pauli stattdessen in der 58. Minute den Ausgleichstreffer der Gäste ein. Nach einer Frankfurter Flanke köpfte Sebastian Maier den Ball unbedrängt an den eigenen Fünfer zurück, wo gleich zwei FSV-Akteure lauerten: Mario Engels legte noch einmal auf Joni Kauko ab, der nur noch einschieben musste – 1:1.
Nach dem Spiel nahm Lienen den Unglücksraben, der nach dem Abpfiff Tränen in den Augen hatte, in Schutz: „Sebastian Maier hat trotz des Fehlers eine ordentliche Partie abgeliefert. In der Defensive hat er gearbeitet wie ein Pferd und wenn er den Platz hatte, auch nach vorne gute Aktionen gesetzt.”
In den verbleibenden 30 Minuten wurde die unterschiedliche Spielanlage der zwei Mannschaften immer deutlicher: St. Pauli spielte mit Herz, der FSV mit System. Beide Teams hätten gewinnen können. Chancen gab es hüben wie drüben. Dass die Gäste das Spiel am Ende nicht komplett drehen konnten, verdankt St. Pauli der großartigen Reaktion von Schlussmann Robin Himmelmann. In der Nachspielzeit vereitelte er eine Riesenchance des freistehenden Edmond Kapllani (90.+1) und sicherte so zumindest einen Punkt für die Hausherren.
Das 1:1 ist aus St.-Pauli-Sicht letztlich weder Fisch noch Fleisch. Vor allem die Defizite im Aufbauspiel und die Anzahl individueller Fehler bereiten weiterhin Kopfzerbrechen. Einsatz und Wille fangen viel auf, aber eben nicht alles. Die Angriffe müssen schlicht konsequenter zu Ende gespielt werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist der FSV, der es über wenige Stationen immer wieder schaffte, gefährlich vor Himmelmann aufzutauchen.
Hamburg gegen Berlin – erneute Punktlandung für die Hansestadt?
Freitag lautet das Duell nun: Berlin gegen Hamburg. Zumindest in Sachen Olympiavergabe konnte die Hanse- bereits einen Punktsieg gegen die Hauptstadt landen. Im Stadion an der Alten Försterei soll nun der nächste her. Union ließ zuletzt beim 0:5 in Darmstadt Federn, war zum Teil völlig von der Rolle. Dieses Ergebnis ist für die Kiezkicker Fluch und Segen zugleich. Zum einen offenbarten die Köpenicker erkennbare Schwächen in der defensiven Zuordnung. Zum anderen sind die ohnehin heimstarken Berliner nun umso mehr auf Wiedergutmachung aus.
Aufgrund des parallel stattfindenden Kellerduells zwischen 1860 (25 Pkt.) und Aalen (23 Pkt.) wird St. Pauli (22 Pkt.) der Sprung von den Abstiegsrängen allerdings auch mit einem Sieg nicht gelingen. Mit einem Dreier im Gepäck würde die anstehende Länderspielpause (25.3./29.3.) jedoch deutlich angenehmer.