Aufstiegskampf: Was für und gegen die Teams spricht
Schalke, Paderborn, Hannover, Elversberg und Darmstadt: Fünf Spieltage vor Saisonende dürfen noch fünf Teams vom Aufstieg in die Bundesliga träumen. liga2-online.de nimmt das Quintett unter die Lupe und analysiert, was für und was gegen die Teams spricht.
Was für den Aufstieg spricht: Die Königsblauen haben sich mittlerweile einen kleinen Vorsprung von fünf Zählern vor dem Relegationsrang aufgebaut. Das spricht für die Konstanz, die das Team von Miron Muslic im bisherigen Saisonverlauf gezeigt hat - auch von der Schwächephase im Winter ließ sich Schalke nicht beirren, als fünf Spiele am Stück mal ohne Sieg endeten. Bodenständigkeit und Demut gehören nach wie vor zu den Kernfähigkeiten des Cheftrainers, die er auf sein Team übertragen konnte. So wahrt Schalke weiter die beste Abwehr der Liga und kann auch schwerwiegende Ausfälle im Kader kompensieren.
Was gegen den Aufstieg spricht: Mit der Verpflichtung von Edin Dzeko war Schalke im Winter ein Königstransfer gelungen. Als sich der routinierte Stürmer in der WM-Qualifikation schwer an der Schulter verletzte, war die Sorge bei den Königsblauen groß - und ist sie immer noch. Denn eine Rückkehr von Dzeko steht weiter aus, wohingegen das Saison-Aus von Abwehrchef Nikola Katic schon feststeht. Zwei wichtige Eckpfeiler fehlen - und im Endspurt könnte die naturgemäße Erwartungshaltung im Umfeld wachsen. Wackelt Schalke spät, dann könnten alte Muster greifen und Unruhe entsteht.
Was für den Aufstieg spricht: Die Ostwestfalen sind bislang das stärkste Team der Rückrunde, nur Magdeburg schoss in diesem Kalenderjahr mehr Tore als die Kettemann-Elf. Sowohl in der Heimtabelle als auch in der Auswärtsbilanz stehen die Paderborner jeweils auf Platz 3, was in Summe sogar zum zweiten Platz verhilft - ähnlich wie Schalke mit einem kleinen Puffer von vier Zählern zum Relegationsrang. Der Cheftrainer vermittelt eine erfrischende Leichtigkeit, mit der er den richtigen Nerv bei seiner Mannschaft trifft. Paderborn agiert als geschlossene Einheit.
Was gegen den Aufstieg spricht: Das Restprogramm trifft die Ostwestfalen hart. Hannover, Schalke, Elversberg und Darmstadt zählen allesamt noch zu den ausstehenden Gegnern, also wird Paderborn im Endspurt fast ausschließlich mit direkten Konkurrenten konfrontiert. Eine Chance, um frühzeitig alles klar zu machen - aber auch ein hohes Risiko. Denn in der Hinrunde holte der SCP07 nur einen Punkt aus diesen vier Duellen. Kettemanns Elf sollte zeigen, dass sie sich weiterentwickelt hat, um den großen Wurf zu schaffen.
Was für den Aufstieg spricht: Im Stil einer Spitzenmannschaft haben sich die Niedersachsen auf den Aufstiegs-Relegationsplatz vorgeschoben. Hannover wirkt dabei - wie schon über weite Teile der Hinrunde - wie ein stiller Verfolger, der jetzt das Momentum nutzt. Zusammen mit Paderborn zählen die Roten zu den besten Teams der Rückrunde, was sich besonders durch eine starke Abwehrarbeit auszeichnet. Außerdem hat Hannover es geschafft, Ruhe ins Umfeld zu bringen. Das krachende Aus von Sportchef Jörg Schmadtke? Gefühlt nur eine Randnotiz. Das stärkste Auswärtsteam der Liga greift oben an.
Was gegen den Aufstieg spricht: Wie viel Unruhe wirklich im Verein steckt, ist offen. Das Schmadtke-Aus ging damit einher, dass die Verantwortlichen voll auf eine Karte setzen - und diese heißt Christian Titz. Bislang zahlte sich der Einsatz aus, denn der Fußball der Niedersachsen ist erfolgreich. Aber Hannover agiert dabei auch häufig am Limit, denn gerade einmal zwei Spiele in der Rückrunde gewann 96 mit einem Unterschied von zwei Toren. Dementsprechend dürfen die Niedersachsen keinen Schritt weniger machen.
Was für den Aufstieg spricht: In Elversberg erwartet niemand den großen Wurf. Nachdem die Saarländer schon letztes Jahr in der Bundesliga-Relegation standen und danach Leistungsträger sowie Erfolgsmacher im Trainerteam verloren, rechneten alle neutralen Beobachter mit einem schwierigen Jahr. Doch die SVE trotzte wieder einmal allen Prognosen und kann daher auch weiterhin befreit aufspielen. An der Kaiserlinde stellt sich die berechtigte Frage, welche Widerstände den Klubs noch grundsätzlich aufhalten sollen. Elversberg wird einfach weitermachen.
Was gegen den Aufstieg spricht: Jetzt ist auch Sportvorstand Nils-Ole Book weg, weil er sich seinem Herzensklub in Dortmund anschließen wollte. Kann die SVE auch diesen Abgang kompensieren? Das Umfeld der Saarländer wird nicht unruhig werden, aber die Souveränität aus der Hinrunde ist verloren gegangen. Aus zwölf Spielen holte Elversberg nur noch 18 Punkte - und auch in der Heim- und Auswärtstabelle steht die SVE jeweils nur auf Platz 5, was bedeutet, dass das letzte Bisschen noch zu fehlen scheint. Möglicherweise spielt in den Köpfen der Spieler jetzt auch eine Rolle, das man etwas zu verlieren hat. Alles entscheidet sich mit der Frage, wie stabil der Verein mit den Jahren inzwischen geworden ist.
Was für den Aufstieg spricht: Die Lilien haben die zweitbeste Offensive und die drittbeste Defensive der Liga. Mit dieser Bilanz ist weiterhin alles offen, um schnell wieder nach oben vorzustoßen. Über große Teile der Saison zeigten sich die Hessen als eine der gefestigsten Mannschaften der Spielklasse, die bis zum 27. Spieltag (!) nur drei Niederlagen einstecken mussten - und jetzt droht wenige Wochen später die dritte Pleite in Folge. Aber wie heißt es in der Fußballbranche so oft? Jede Mannschaft muss auf dem Weg zum großen Wurf einmal eine schlechte Phase durchmachen - und übersteht Darmstadt diese, dann ist alles drin.
Was gegen den Aufstieg spricht: Die Formkurve der letzten fünf Spiele entspricht Platz 14 - und auch in der Rückrunde steht Darmstadt nur auf Rang 9. Derzeit befinden sich die Darmstädter wirklich in einem Tief, das natürlich zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt seinen Höhepunkt erreicht. Auch das Sturm-Duo aus Isac Lidberg und Fraser Hornby kam in den letzten Wochen nicht mehr so sehr zur Geltung, wie es über weite Teile der Spielzeit der Fall war. Alles in allem kommen derzeit viele Kleinigkeiten zusammen, die den Eindruck erwecken, dass gerade unabsichtlich etwas schleifen gelassen wird.




