Spätes K.o. bringt Kiezkicker um verdienten Lohn

Einmal mehr verpasste St. Pauli die Chance, sich für die eigene Leistung zu belohnen. Die 0:1-Pleite in Berlin war nämlich ebenso ernüchternd wie unnötig. Vor allem der Anfang und das Ende der Partie waren für die Hamburger zum vergessen, als je ein krasser Aussetzer die Mannschaft in die Bredouille brachte. Der zweite wurde von Union eiskalt bestraft (89.) und das Spiel ging verloren. Dabei hatten die Braun-Weißen in der Zeit dazwischen durchaus ansehnlichen Fußball gespielt. Obwohl das Team inzwischen auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht ist, bleibt am Millerntor deshalb auch die Zuversicht.

Schrecksekunde zu Beginn

Trainer Ewald Lienen vertraute gegen Union zum vierten Mal in Folge derselben Startaufstellung. Zuletzt hatte vor allem die Defensivleistung von dieser Konstanz profitiert. Dennoch hätte ein Abstimmungsfehler in der Abwehr beinahe für eine frühe Führung der Hausherren gesorgt. Weder Keeper Robin Himmelmann noch Kapitän Sören Gonther schienen sich einig, wer den Ball klären sollte und so stibitze Unions Steven Skrzybski nur wenige Meter vor dem Tor die Kugel. Der Winkel war für ihn jedoch zu spitz und das Spielgerät kullerte am langen Pfosten vorbei. Der Schreck über diese misslungene Aktion verflog jedoch schnell und St. Pauli fand rasch ins Spiel.

Spielanlage macht Mut

Besonders auffällig im Vergleich zum Frankfurt-Spiel war die bessere Ballbehauptung der Braun-Weißen im letzten Drittel des Spielfelds. Einige Male gelang es ihnen, das Spielgerät um den gegnerischen Strafraum entlang laufen zu lassen. Optisch erweckte dies den Eindruck, St. Pauli hätte das Spiel besser im Griff als die Berliner. Wirklich nennenswerte Chancen spielten sie sich jedoch nicht heraus. Sebastian Maier verzog einen Distanzschussaus aus halbrechter Position. Julian Kochs Versuch (19.) aus 25 Metern zeugte zwar von der Durchsetzungskraft der Mainzer Leihgabe in der Entstehung, gefährdete das Berliner Tor jedoch ebenfalls nicht ernsthaft.

Viele Balleroberungen im Mittelfeld sorgten dafür, dass St. Pauli sich auch in der Folge mehrfach gefährlich in Stellung brachte, aber dabei blieb es dann auch. Bis hier hin und nicht weiter. Auf der anderen Seite klärte Marcel Halstenberg (43.) kurz vor der Pause den Ball noch einmal aus höchster Not.

Insgesamt machte der Auftritt der Kiezkicker durchaus Mut, am Ende alle drei Punkte mit ans Millerntor nehmen zu können.

Himmelmann-Lapsus entscheidet Spiel

Unmittelbar nach dem Seitenwechsel musste Braun-Weiß zunächst eine Angriffswelle von Union überstehen, ließ hinten aber nichts anbrennen. Dass sich die zwei schwächsten Defensiven der Liga gegenüberstanden, ließ sich angesichts des Spielverlaufs nur erahnen. Von der Heimstärke der Berliner (13 Punkte aus den letzten fünf Spielen) war wenig zu spüren. Doch auch die Gäste blieben offensiv harmlos und die Partie verflachte zusehends.

Erst die Hereinnahme von John Verhoek und Armando Cooper (67.) brachte neue Impulse ins Spiel. Chancen von innerhalb des Strafraums gab es dennoch nach wie vor nicht. Dennis Daube kam mit seinem Volleyschuss (71.) von der Strafraumgrenze einer Gästeführung am nächsten. Zuvor hatte Maier (69.) per Freistoß nur das Außennetz getroffen.

Es war erneut ein individueller Faux-Pas, der St. Pauli schließlich um den verdienten Lohn brachte. In der 89. Minute versprang Himmelmann nach einer Rückgabe der Ball und das Leder landete direkt vor den Füßen des heraneilenden Sebastian Polter. Der Stürmer nahm das Geschenk dankend an und entschied so die Partie mit 1:0 zu Gunsten von Union.

Hinten mit Pech, vorne zu chancenarm

Eigentlich schien alles so, als hätten sich die Eisernen bereits mit einem Unentschieden begnügt. Der Siegeswille war eher bei den Hamburgern zu verspüren – für einen Dreier fehlten ihnen letztlich aber die Mittel. Immer wieder zerbrachen die Offensiv-Dreiecke der Gäste an unpräzisen Pässen oder versackten direkt. Viele Aktionen wirkten zu durchsichtig. Die individuelle Klasse eines einzelnen Spielers, um gewisse Mankos im entscheidenden Moment auch mal aufzufangen – wie Marco Reus in seiner Zeit bei Mönchengladbach oder Max Kruse und Fin Bartels früher bei St. Pauli - ist zur Zeit nicht auszumachen. Braun-Weiß attackierte zwar weiter vorn als in den Spielen zuvor, konnte daraus aber kein Kapital schlagen. „Wir müssen aus der Dominanz Torchancen produzieren,“ bilanziert auch Lienen.

Um das Spiel gegen Union für sich zu entscheiden, muss die zweifelsohne gute Spielanlage in Torerfolge umgemünzt werden, nicht zuletzt um damit erneut einen individuellen Lapsus auszugleichen. Die Cleverness, den Gegner auch mal auszugucken, fehlt momentan. Das ist mit Sicherheit auch dem Druck im Abstiegskampf geschuldet. So steht St. Pauli nach zuletzt drei Spielen ohne Niederlage wieder mit leeren Händen da und das Kaliber der Gegner in den nächsten Wochen steigt. Als nächstes ist Fortuna Düsseldorf zu Gast am Millerntor. Lienen bleibt trotz der angespannten Situation zuversichtlich: „Ich glaube fest daran, dass wir das Recht haben, in der Liga zu bleiben. Wir sind weiterhin in Schlagdistanz. Und wenn es bis zur 95. Minute des letzten Spieltags dauert, bis wir die letzten Punkte holen, dann werden wir das tun.“

 

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