Spätes Gegentor: Auch Freiburg streicht in Heidenheim drei Punkte ein
Sechs Tage, zwei Spiele und am Ende ein und dasselbe Gefühl. In dieser Woche zeigt der Fußball wieder einmal, wie bitter und hart er doch sein kann. Besonders als Anhänger des 1. FC Heidenheim braucht man an diesen Tagen besonders starke Nerven. Am Sonntag noch unterlag man der SpVgg aus Fürth, nach einer Leistungssteigerung zum Seitenwechsel, mit der letzten Aktion mit 1:2. Am Freitag gab dann auch schon der Tabellenführer aus Freiburg seine Visitenkarte auf der Ostalb ab. Die Heidenheimer präsentierten sich äußert stark und waren dem Favoriten über weite Strecken der Partie überlegen. Marc Schnatterer brachte das Team früh in Führung, aber noch vor der Halbzeit traf Nils Petersen vom Punkt aus. Dann erlebten die 14.500 Zuschauer ein Déjà-vu. In der Nachspielzeit war der eingewechselte Karim Guédé für die Freiburger erfolgreich und versetzte somit den Heidenheimern den nächsten Nackenschlag innerhalb kürzester Zeit.
Heidenheim spielt von Beginn an mit
Man konnte seinen Augen kaum trauen, wenn man auf das Spielfeld sah. Das Team von Frank Schmidt spielte aber der ersten Minute ein sehr aggressives Pressing und setzte so die Freiburger gehörig unter Druck. Vorbei die Zeit, in der man die erste Halbzeit quasi dem Gegner überlassen hatte. Nun war man selbst am Drücker und agierte statt nur zu reagieren. Folge waren viele Fehlpässe der Gäste im Aufbauspiel und Ideenlosigkeit im Offensivspiel. Von der Freiburger Torgefahr, in Form wie zum Beispiel Vincenzo Grifo und Petersen, war bis dato überhaupt nichts zu sehen. Ausgangspunkt des ersten Treffers war dann ein zu leichter Ballverlust von Freiburg. Ballgewinn im Mittelfeld, schnelles umschalten und dann ein selbstbewusster Kapitän, waren die Mittel für das Tor. Bei Schnatterers Schuss, halblinks von der Strafraumkante, machte aber SC-Keeper Alexander Schwolow eine sehr unglückliche Figur. Der Ball kam als Aufsetzer auf das Gehäuse, worauf er dann durch die Hände von Schwolow glitt und somit etwas überraschend zum 1:0 in die Maschen einschlug. Eine Reaktion des Tabellenführers blieb aus. Die Heidenheimer investierten aber auch sehr viel, um möglichst keinerlei gefährliche Aktion zu zulassen. „Es war Wahnsinn, wie wir in den ersten 30 Minuten gegen den Ball gearbeitet haben“, so Schmidt. Dann jedoch musste man dem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Freiburg verlagerte das Spiel deutlich in die Hälfte des FCH und übte zunehmend mehr Druck aus. Nach einer Grifo-Ecke köpfte Immanuel Höhn auf das Tor. Schnatterer stand am Pfosten jedoch goldrichtig und köpfte den Ball von der Linie. Die Freude über die geklärte Situation war nur von kurzer Dauer. Umgehend danach brachte Timo Beermann Nicolas Höfler im Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Peter Sippel zeigte auf den Punkt, hätte zuvor aber das Handspiel Höflers ahnden müssen. Petersen verlud Jan Zimmermann und schob die Kugel abgeklärt ins linke untere Toreck. „Dass wir die Freiburger nicht über 90 Minuten vom Tor weghalten können, habe ich bereits vor dem Spiel prophezeit“, zeigte sich Schmidt wenig verwundert über die starke Phase der Gäste.
Alles im Griff…scheinbar
Konnten die Heidenheimer auch nach dem Seitenwechsel an die starke erste Halbzeit anknüpfen? Ja, das konnten sie. „In der zweiten Halbzeit sind wir schon sehr gut gestanden“, sah auch Schmidt sein Team auf dem richtigen Weg. Auch Schmidts Gegenüber, Christian Streich, pflichtete ihm bei. „Zweite Halbzeit haben wir es nicht gut gemacht. Heidenheim war besser. Wir hatten keine gute Ordnung im Spielaufbau, das war einfach zu wenig.“ Es war ein Stück weit bemerkenswert, dass die Heidenheimer auch nach dem späten und unglücklichen Ausgleich zum Ende des ersten Spielabschnitts, auch in der zweiten Hälfte den Tabellenführer sehr gut im Griff hatte. Da die Gäste aus Baden erst in der 88. Minute durch einen Kopfball von Petersen wieder für einen Hauch von Gefahr sorgen konnten, deutet dies auf einen sehr stabilen Auftritt des Heidenheimer Defensivverbundes hin. Die Hausherren provozierten weiter Fehlpässe im Aufbauspiel und bauten auf ihr Umschaltspiel. Dieses griff im zweiten Spielabschnitt aber auch nicht immer und so waren gute Chancen rar gesät. Die Beste davon ergab sich für Beermann, dessen Schuss jedoch knapp am Pfosten vorbei ging (68.). Mit der Schlussphase hatte Streich einen Einfall und brachte Guédé für Maximilian Philipp. Guédé leitete einen letzten Angriff aus dem Mittelfeld ein. Petersen wich auf den linken Flügel aus und brachte eine flache Hereingabe in die Mitte. Kevin Kraus wollte retten und grätschte dazwischen. Er traf den Ball nicht richtig und so kam er gefährlich auf das Tor. Zimmermann reagierte blitzschnell und konnte den Ball noch abwehren. Währenddessen hat sich Guédé von hinten angeschlichen und lief nach seinem Pass den ganzen Weg nach vorne durch. So hatte er sich in die Position gebracht und konnte so den abprallenden Ball von Zimmermann gedankenschneller als seine Gegenspieler in das leere Tor schieben. Der nächste Knockout in der Schlussminute der Nachspielzeit war damit perfekt. „Wir kriegen in der 90. halt wieder auf die Fresse und das ist einfach schade“, beschrieb Beermann seine Gefühlslage direkt nach dem Spiel. Sein Trainer gab sich kämpferisch und sprach seinem Team Mut zu. „Nun heißt es Kopf hoch und weitermachen. Das ist unser Weg und den werden wir weitergehen.“ Auch wenn er mit dem Ergebnis natürlich nicht zufrieden sein konnte, war Schmidt von der Leistung seiner Schützlinge sichtlich angetan. Wenn sie in den kommenden Partien daran anknüpfen können, wird sich auch schon sehr bald wieder das Punktekonto des 1. FCH füllen.