Heidenheim zitterte sich gegen Bielefeld zum wichtigen Heimsieg

Seit dem 18. Oktober wartete Heidenheim auf diesen Moment. Nach 90 Minuten Spielzeit durfte endlich wieder ein Heimsieg bejubelt werden. Während die 12.000 Zuschauer in den ersten 45 Minuten nur wenig Highlights zu Gesicht bekommen haben, nahm die Partie im zweiten Spielabschnitt deutlich an Fahrt auf und war zum Ende hin an Dramatik kaum noch zu überbieten. Marc Schnatterer eröffnete den Torreigen. Christoph Hemlein glich aber postwendend aus. Doch Schnatterer hatte die passende Antwort parat und erzielte vom Punkt aus die erneute Führung. Robert Leipertz besorgte das 3:1 und nach dem Platzverweis von Tom Schütz schien das Spiel schon entschieden. Julian Börner erzielte zehn Minuten vor Schluss noch den Anschlusstreffer und am Ende war es Jan Zimmermann zu verdanken, dass es beim 3:2 (0:0) für den 1. FCH blieb.

Bielefeld kontrolliert das Geschehen, FCH völlig von der Rolle

Zu Spielbeginn machten beide Mannschaften einen sehr frischen und guten Eindruck. Während der DSC mit viel Ballbesitz zu überzeugen wusste, konnte der FCH die gefährlicheren Chancen für sich verbuchen. Die größte ergab sich für Bard Finne nach zehn Minuten. Er setzte sich geschickt im Strafraum durch und tauchte frei vor Wolfgang Hesl auf. Aus spitzem Winkel hatte Hesl die besseren Karten und parierte gegen Finne. Unerklärlicher Wiese folgte dann ein Bruch in das Heidenheimer Spiel. „Ab der zehnten Minute spielte nur noch ein Team und das war Arminia Bielefeld“, so FCH-Coach Frank Schmidt. Es war ein befremdliches Gefühl, da die Bielefelder wie eine Heimmannschaft auftraten und der FCH gar kein Bein mehr auf den Boden fand. Unzählige Fehlpässe, schwaches Zweikampfverhalten, einfach immer einen Schritt langsamer als die Bielefelder, sowohl auf dem Feld, als auch im Kopf. Der DSC verpasste es in dieser Phase mehr Kapital aus der deutlichen Überlegenheit zu schlagen. Einige vielversprechende Angriffe wurden nicht konsequent genug ausgespielt und so kam das Tor des FCH nur selten in Bedrängnis. Beim Freistoß von Hemlein bewies gerade dieses Tor Standfestigkeit, als der präzise Schuss von Hemlein nur gegen die Querlatte donnerte. Kurz darauf folgte ein Eckball für den DSC, worauf Börner frei zu Kopfball kam, aber diesen zu hoch ansetzte. Beide Akteure sollten im Verlaufe des Spiels aber doch noch erfolgreich sein. Die Zeit bis zum Pausenpfiff verlief ereignislos. Der FCH konnte froh sein mit dem 0:0 in die Kabinen zu gehen, um dann mit neuem Schwung die zweite Halbzeit angehen zu können.

Fehlerfestival sorgt für Torfestival

„Ich hab meiner Mannschaft klargemacht, so können wir nicht weiterspielen“, so Schmidts Halbzeitansprache, die auch sofort Wirkung zeigen sollte. Denis Thomalla setzte die DSC-Defensive stark unter Druck. So konnte sich Robert Leipertz den Ball im Angriffsdrittel holen und legte Schnatterer in den Lauf, der dann frei vor Hesl zur Führung einschob (48.). Mitten in den Jubel folgte die Antwort der Bielefelder. Ein zu einfacher Ballverlust des eingewechselten Ben Halloran kurz vor der Mittellinie eröffnete dem DSC die Ausgleichschance. Hemlein nahm den Ball 18 Meter vor dem Tor in aller Ruhe an und legte den Ball überlegt und unerreichbar für Zimmermann in die untere linke Ecke (49.). Nach dieser erschreckend schwachen ersten Halbzeit, hat wohl niemand mehr mit solch einem unterhaltsamen Spiel gerechnet, denn nach dem schnellen Ausgleich ging es ebenso flott weiter. Der FCH bekam einen Freistoß zugesprochen, ähnliche Position wie die von Hemlein im ersten Spielabschnitt. Schnatterer nahm Maß und traf ähnlich wie Hemlein nur das Aluminium. Vor Pfosten sprang der Ball aber zurück in das Feld, Leipertz schaltete am schnellsten und sicherte gekonnt den Ball. Hemlein ging zu forsch zu Werke und brachte Leipertz, der den Ball klug abschirmte, zu Fall. Beim fälligen Strafstoß standen sich wieder Schnatterer und Hesl im eins gegen eins gegenüber. Mit einem präzisen und strammen Schuss flach ins Eck behielt wieder Schnatterer die Überhand und stellte die alte Führung wieder her (54.). Der Ex-Heidenheimer Andreas Voglsammer hatte den erneuten Ausgleich auf dem Fuß, zum Glück für die Schwaben setzte er seinen Versuch zu hoch an (59.). Stattdessen fiel das Tor auf der anderen Seite. Wieder war Leipertz, der in der ersten Halbzeit weit unter seinen Möglichkeiten gespielt hat und meist nur durch Ballverluste auf sich aufmerksam gemacht hat, der Ausgangspunkt. Er ahnte einen Rückpass von Florian Dick, der dann letztendlich auch zu kurz geriet. Leipertz blockte den Klärungsversuch von Hesl, sprintete dem Ball hinterher und drückte ihn letztendlich über die Linie (61.). Als dann auch noch der bereits verwarnte Tom Schütz in Marcel Titsch-Rivero rein grätschte, musste dieser vorzeitig vom Platz und der Erfolg für die Heidenheimer schien sicher zu sein (64.). „Wir machen das 3:1 und dann noch ein Mann mehr, da denkt sich jeder, du bringst das Spiel nach Hause“, so Schmidt.

Bielefeld trifft und drückt, Zimmermann pariert sensationell

Für Thomalla ergab sich noch die Riesenchance zum 4:1, aber scheiterte freistehend vor Hesl (76.). Somit stärkten die Gäste noch einmal ihre Offensivbemühungen und drangen die Hausherren regelrecht in die eigene Hälfte. Wer hier in Unterzahl agierte war nicht auszumachen. Bereits in der 80. Spielminute wurden diese Bemühungen belohnt. Börner köpfte am zweiten Pfosten den Ball in die Maschen. Nur eine Minute später verpasste der eingewechselte David Ulm den Ausgleich haarscharf. „Am Ende haben wir gezittert und haben richtig Probleme bekommen. Es war völlig überflüssig, dass uns Jan Zimmermann den Sieg festhalten muss. Das darf uns nicht passieren“, so Schmidt zur nervenaufreibenden Schlussphase. Denn in der Nachspielzeit zeigte Zimmermann sein ganzes Können auf der Linie. Denn beim Versuch von Koen van der Biezen in das lange Eck, schien der Ball kaum mehr erreichbar zu sein, aber Zimmermann bewies mit einer herrlichen Flugeinlage das Gegenteil und fischte den Ball aus dem Eck. Einige Spieler der Gäste sanken zu Boden und ließen die Köpfe hängen. Diese hatten den Ball wohl bereits einschlagen gesehen, aber mit dieser Glanzparade sicherte Zimmermann dem FCH den ersten Heimsieg nach über vier Monaten.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"