1860 München: Neue Saison, neues Chaos
Mit großen Ambitionen startete 1860 München in die Saison. Große Transfers wie der von Kapitän Stefan Aigner wurden getätigt, Trainer Kosta Runjaic sollte den „Löwen“ nach sportlich schwierigen Jahren zu neuem Glanz verhelfen. Im Verein sollte endlich Ruhe einkehren. Geblieben ist davon wenig. Auf das 1:1 im Heimspiel am Montag gegen Kaiserslautern folgte die Beurlaubung von Runjaic. Der sportliche Fortschritt war nicht erkennbar. Platz 14 nach 13 Spielen zu wenig. Und auch ansonsten herrscht im Klub Chaos. Wie in den Vorjahren.
Ismaik: "Der Verein steht nicht zum Verkauf“
Zunächst übernimmt Daniel Bierofka als Interimstrainer die Profis der Sechziger. Diese Lösung funktionierte bereits im April dieses Jahres, als der langjährige Löwen-Spieler den Klub vier Spieltage vor Schluss übernahm und zum Klassenerhalt führte. Als eine der ersten Amtshandlungen sorgte Bierofka dafür, dass ab dem morgigen Mittwoch sämtliche Einheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Eine Dauerlösung ist der zwar nicht, er soll dem zukünftigen Trainer aber in jedem Fall als Co-Trainer zur Seite stehen. "Wir haben eine Liste von Trainer-Kandidaten. Über diese werden wir beraten und vor der Rückrunde verkünden“, erklärte Hasan Ismaik, der Investor und zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Vereins ist. Zudem stellte er klar, dass er den Verein nicht verkaufen werde: "Für mich steht der Verein nicht zum Verkauf! Ich lehne jedes Angebot ab“. Er sei als Investor eingestiegen, jetzt sei er Fan, offenbarte der Jordanier.
Runjaic-Aus war längst beschlossen
Löwen-Präsident Peter Cassalette ließ durchblicken, dass das Remis gegen den FCK nicht mehr maßgebend für die Freistellung von Runjaic war. "Die Entscheidung Runjaic zu entlassen stand vor dem Spiel bereits fest. Wir sind mit anderen Erwartungen in die Saison gegangen.“ Cassalette und Co. müssen sich aber die Frage gefallen lassen, warum sie die Umsetzung ihres Entschlusses derart lange hinauszögerten. Einem potenziellen Nachfolger wurde somit die Möglichkeit genommen, in der Länderspielpause die Mannschaft in Ruhe kennenzulernen und mit ihr zu arbeiten. Cassalette: "Entscheidend für unsere Entscheidung war das Spiel gegen Sandhausen (2:3).“ Die Partie fand vor mehr als zwei Wochen statt.
Eichin degradiert – Steht auch er vor dem Aus?
Auch eine weitere personelle Änderung sorgt für Wirbel. Der bisherige Geschäftsführer Thomas Eichin wurde auf den Posten des Sportdirektors versetzt. "Die Leistung von Thomas Eichin ist noch nicht auf dem Niveau, das wir uns von ihm erwarten“, kritisierte ihn Ismaik öffentlich. Dass in Anthony Power ein Interims-Geschäftsführer installiert wurde, dokumentiert einmal mehr, dass in München viel Stückwerk zulasten von Kontinuität betrieben wird. "Wir unterstützen Thomas Eichin weiterhin, halten an ihm fest“, sagte Ismaik zwar auf der Pressekonferenz, doch werden Zweifel an dieser Beteuerung laut. Laut Informationen des "kicker" soll auch Eichin vor dem Aus bei den Löwen stehen. Dem Bericht zufolge soll er noch vor dem Spiel gegen Kaiserslautern informiert worden sein, dass er ab sofort kein Geschäftsführer mehr ist. Auch die Entscheidung Runjaic zu beurlauben traf die Klubspitze ohne Eichin.
Das sportliche Geschehen verkommt angesichts der Turbulenzen im Klub beinahe zur Nebensache. Und als sei die Aufgabe zurzeit nicht schon schwer genug, muss 1860 am Sonntag (13.30 Uhr) ausgerechnet beim Tabellenführer Eintracht Braunschweig antreten. Es droht eine wenig besinnliche Weihnachtszeit an der Grünwalder Straße.