Vorschau: Der 1. FC Köln kann sich nur selbst schlagen
Die bisherige Hinrunde in der 2. Fußball-Bundesliga ist für den 1. FC Köln zu einer echten Erfolgsgeschichte geworden. 39 Punkte nach 19 absolvierten Partien sind wahrlich eine starke Bilanz. Damit haben die Schützlinge von Trainer Peter Stöger einen stattlichen acht-Punkte-Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz. Auch Relegationsplatzinhaber 1. FC Kaiserslautern ist acht Zähler entfernt. Nun steuert das Team aus der Karnevalshochburg mit guter Perspektive in die Erstklassigkeit. Auch dort scheint mittelfristig nicht nur der Klassenerhalt möglich zu sein.
Aus "Minikrise" gestärkt hervorgegangen
Trotzdem sollte man nicht den Mantel des Schweigens darüber hüllen, dass die komplette Spielzeit nicht unbedingt eine einzige Erfolgsgeschichte gewesen ist. So war der Saisonstart mit drei Unentschieden gegen Dynamo Dresden, Fortuna Düsseldorf und SC Paderborn eher mäßig. Dies hat dazu geführt, dass der neue FC-Sportdirektor Jörg Schmadtke sich zu der Aussage hat hinreißen lassen, dass seine Mannschaft zurzeit nicht mehr als einen „biederen Zweitligisten“ darstellen würde. Den ersten Saisonsieg gab es am vierten Spieltag mit einem 2:0 über den SV Sandhausen. In den folgenden elf Partien marschierte das Team und es konnten acht Siege und drei Unentschieden eingefahren werden, wodurch man sich die Tabellenführung sichern konnte. Erst am 14. Spieltag gab es beim 0:1 beim VfL Bochum die erste Saisonpleite für die Geißböcke. Einen Spieltag später entwickelte sich dies zu einer Art Minikrise, da man auch sein Heimspiel gegen den FC Ingolstadt überraschend mit 0:1 verloren hat. Durch einen 3:0-Auswärtssieg beim Aufstiegskonkurrenten FC St. Pauli konnte jedoch die richtige Antwort gegeben werden. In den letzten drei weiteren Spielen bis zur Winterpause gab es im deutschen Fußball-Unterhaus ausschließlich Siege gegen den FSV Frankfurt, Dynamo Dresden und Fortuna Düsseldorf. Besonders der 3:2-Auswärtssieg beim rheinischen Rivalen aus Düsseldorf war moralisch und emotional enorm wichtig. Auch im DFB-Pokal spielte der erste Bundesliga-Meister eine hervorragende Saison, denn nach dem Pflichtsieg beim Regionalligisten Eintracht Trier stand in der 2. Runde das Duell beim Bundesligisten FSV Mainz 05 auf dem Programm. Dort gelang ein überzeugender 1:0-Auswärtssieg, ehe im Achtelfinale abermals ein Auswärtsspiel bei einem Erstligisten auf dem Programm stand. Beim Hamburger SV unterlag man jedoch kurz vor Schluss trotz einer couragierten Vorstellung und Pech mit Aluminiumtreffern im Abschluss mit 1:2. In beiden Partien konnte bewiesen, werden, dass dieser FC mit Bundesligateams absolut mithalten kann. Bemerkenswert ist sicherlich auch die Gegentrefferbilanz von gerade einmal zehn Stück bei 32 erzielten Treffern gewesen. Einige junge Eigengewächse wie Keeper Timo Horn, Außenverteidiger Jonas Hector und Mittelfeldmann Yannick Gerhardt haben sich zu Stützen des Teams entwickeln können.
Durchwachsene Testspielergebnisse
Der Kader des 1. FC Köln genügt definitiv auch Bundesliga-Ansprüchen. Besonders die Offensivabteilung ist von enormer Qualität, denn Spieler wie Patrick Helmes, Anthony Ujah, Marcel Risse und Daniel Halfar verkörpern allerhöchste Qualität. Im Trainingslager in der Türkei herrschten perfekte Bedingungen. Die Testspiele verliefen hingegen eher enttäuschend, denn das erste Testspiel gegen Legia Warschau endete 2:2-Unentschieden. Danach gab es ein torloses Remis gegen Wiener Neustadt, ehe das geplante Testspiel gegen Grödig ausgefallen ist. Defensiv stand man stabil. In der Offensive wäre in beiden Spielen gegen schlagbare Gegner jedoch etwas mehr Kreativität vonnöten gewesen. Einen überzeugenden 2:1-Heimsieg konnten die Geißböcke im Heimspiel gegen den Bundesligisten FC Schalke 04 landen. Sinnvoll hat man sich auch in der Winterpause nun also verstärken können, denn im Angriff gelang die Verpflichtung des norwegischen Top-Talents Bard Finne, der über einen ausgezeichneten Schuss verfügt. Er ist auf den verschiedenen Offensivpositionen einsetzbar. Durch einen Treffer des Neuzugangs von Brann Bergen konnte der amtierende österreichische Meister und ehemalige Verein von Peter Stöger Austria Wien mit 1:0 geschlagen werden. Einen technisch starken Spieler hat man mit dem 22-jährigen Japaner Kazuki Nagasawa dazubekommen können. Er wird noch mehr Kreativität in das Kölner-Spiel bringen können und hat seine enorme Spielstärke schon eindrucksvoll unter Beweis stellen können. Auf der Abgabeseite wird höchstwahrscheinlich Mato Jajalo auftauchen, der in der laufenden Spielzeit keinen sportlichen Wert unter Coach Stöger mehr haben konnte. Der Wechsel des FC-Urgesteins Adil Chihi (seit 2004 im Verein) zum englischen Zweitligisten FC Blackpool hat sich derweil zerschlagen. Ganz wichtig ist sicherlich auch die Tatsache, dass der Vertrag mit dem Senkrechtstarter Yannick Gerhardt bis zum 30. Juni 2018 verlängert werden konnte. Schmadtke begrüßt dies, wenn er gegenüber dem „Express“ verraten hat: „Die Verlängerung mit Yannick ist ein Signal, dass wir hier langfristig auf junge Spieler setzen.“
„Die Stabilisierung wird drei, vier Jahre dauern“
Köln zeigt sich absolut optimistisch und kann selbstbewusst in die kommenden 15 Meisterschaftsspiele gehen. Dem Team ist absolut bewusst, dass man sich nur selbst schlagen kann. Nicht nur der komfortable Vorsprung, sondern auch die große Klasse im Kader machen schnell deutlich, dass dieses Team das mit Abstand beste Team dieser Spielklasse stellt. Die herausragende, individuelle Qualität verbunden mit einer hohen taktischen Disziplin und einem cleveren Trainerfuchs wie Peter Stöger sind eine überragende Mischung für ein Team, das auch in der Bundesliga seine Qualitäten unter Beweis stellen wird. Gewohnt meinungsstark präsentiert sich Schmadtke gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Wir haben einen Grundstock, der gut genug ist, sich in der Ersten Liga zu halten. Dem werden wir punktuell noch etwas zuführen. Die drei Duelle mit Bundesligisten waren ein Hinweis, allerdings kann man das nicht auf eine Saison umlegen. Jede Woche ist die Intensität schon eine andere, als in einem Pokalspiel, wo es um alles geht. Ich glaube, wenn wir aufsteigen, werden wir anders wahrgenommen als Fürth oder Braunschweig. Das einzig seriöse Ziel kann dennoch nur sein, die Klasse zu halten. Danach muss man sich Stück für Stück etablieren und nach vorn arbeiten und dabei die Wirtschaftlichkeit verbessern. Die Dinge müssen nach und nach erfolgen. Die Stabilisierung wird auch drei, vier Jahre dauern.“
Stöger mahnt zur Vorsicht
Mittelfristig ist diesem neuen 1. FC Köln auch in der Bundesliga einiges zuzutrauen. Nun wir es jedoch darum gehen, dass man die kommenden Spiele auch mit der notwendigen Ernsthaftigkeit angehen wird, denn die Kölner sind die Gejagten. Köln verfügt über eine glänzende Perspektive, da das Kölner-Führungstrio bestehend aus Spinner, Schumacher und Ritterbach ebenso hervorragende Arbeit verrichtet, wie die sportliche Führung Jakobs und Schmadtke und dem Finanzfachmann Wehrle. Trainer Stöger mahnt jedoch auch weiterhin zur Vorsicht: „Vor allem dann muss die Truppe intakt sein.“ Die konstante Aufmerksamkeit fordert er, denn: „Nichts ist vergänglicher als Erfolg und Lob. Dessen müssen wir uns bewusst sein und sofort da weiter machen, wo wir aufgehört haben. Dann erreichen wir am Ende das große Ziel und schaffen den Aufstieg,“ so der Österreicher gegenüber der „Bild-Zeitung“.
Vor zwei Jahren glich der 1. FC Köln einer Offenbarung, da mit dieser enormen Schuldenlast die Zukunftsfähigkeit des gesamten Vereins auf dem Spiel stand. Mittlerweile hat sich dies jedoch geändert, da aus den begangenen Fehlern gelernt wurde. Der Bundesliga-Aufstieg könnte sogar schon im April realisiert werden.