Saisonvorschau Aue: Ziel bleibt der Klassenerhalt
Ruhiges, beschauliches Erzgebirge? Von wegen, wieder einmal erlebte der FC Erzgebirge Aue einen heißen Sommer. Der FC Schalke 04 war auf den Trainer der Veilchen aufmerksam geworden und lotste Domenico Tedesco nach nur elf Spielen für Aue in den Ruhrpott. Eine Woche vor dem Trainingsstart standen die Lila-Weißen ohne Cheftrainer und Kaderplaner da. liga2-online schaut auf die Vorbereitung der Veilchen, die neuen Spieler und vor allem auf den neuen Trainer Thomas Letsch.
Wie lief die Vorbereitung?
Acht Testspiele bestritt die Mannschaft von Neu-Trainer Thomas Letsch, doch nur drei konnten die Veilchen gewinnen. Gegen zwei unterklassige Amateurmannschaften schossen sich die Veilchen warm und konnten auch gegen die 2. Mannschaft der Hertha mit 5:0 gewinnen, doch danach hatten die Auer ihr Pulver verschossen. Gegen Liberec, Magdeburg und Linz setzte es drei Schlappen in Folge und auch die Generalprobe gegen Antalyaspor konnte Aue nicht gewinnen, das Spiel endete 1:1. Große Defizite herrschen wieder in der Offensive, insbesondere an der Effizienz muss Thomas Letsch und seine Mannschaft gehörig arbeiten. Seine Spielphilosophie konnten seine Männer nur teilweise auf dem Platz bringen, er will Fußball wie in Salzburg spielen, Pressing bis zur gegnerischen Grundlinie. Noch nicht mit von der Partie ist derzeit Michael Maria, der Neuzugang aus Großaspach spielte für die Nationalmannschaft von Curacao im Caribbean und Gold Cup. Nicky Adler verpasste ebenso einen Großteil der Vorbereitung, der Stürmer zog sich einen Adduktorenabriss zu und fällt mehrere Monate aus.
Wer kam, wer ging?
Zugänge:
- John-Patrick Strauß (RB Leipzig II)
- Moise Ngwisani (VfL Bochum U19)
- Michael Maria (Sonnenhof Großaspach)
- Malcolm Cacutalua (Arminia Bielefeld)
- Nicolai Rapp (TSG Hoffenheim)
- Dominik Wydra (VfL Bochum)
- Dennis Kempe (Karlsruher SC)
- Arianit Ferati (ausgeliehen vom Hamburger SV)
- Vincent Michl (eigene Jugend)
- Sascha Härtel (eigene Jugend)
Abgänge:
- Steve Breitkreuz (Eintracht Braunschweig)
- Louis Samson (Eintracht Braunschweig)
- Julian Riedel (Hansa Rostock)
- Adam Susac (unbekannt)
- Max Wegner (unbekannt)
- Simon Skarlatidis (Würzburger Kickers)
- Martin Toshev (Septemvri Sofia)
- Marcin Sieber (VfB Auerbach)
- Mario Seidel (1. FC Magdeburg)
Auf diesen Spieler sollte man achten: Mario Kvesic
Mario Kvesic könnte auch tschechischer Meister sein, vor zwei Jahren hatte der Bosnier die Wahl, Slavia Prag oder Erzgebirge Aue. Den Veilchen hatte er bereits zugesagt und er hielt auch nach dem Angebot aus Prag sein Wort. Abseits des Rasens fällt der 25-Jährige kaum auf, dafür brennt er umso mehr wenn er auf den Platz steht. Große Einsatzbereitschaft, eine klasse Technik, ein starker rechter Fuß und vor allem jede Menge schlummerndes Potenzial machen Kvesic zu einen der interessantesten Kicker im Erzgebirge. Sein größtes Manko ist die Chancenverwertung, in der vergangenen Saison verballerte Mario 71 seiner 75 Torchancen, Kvesic hatte das Pech förmlich am Schuh kleben. Vielleicht wird aus dem Chancentod in diesem Jahr ein Vollstrecker.
Stärken
Auch in diesem Jahr liegt die größte Stärke der Veilchen in ihrem Kollektiv, kein Spieler steht über der Mannschaft, die Moral und die Einstellung im Team stimmen. Mit Pascal Köpke, Dimitrij Nazarov und Mario Kvesic konnte man zumindest im Offensivbereich alle Leistungsträger halten. Bringen die Drei ihr spielerisches Vermögen auf dem Platz, muss sich jeder Gegner warm anziehen. Thomas Letsch ist der neue Übungsleiter, ein junger und hungriger Trainer, der nicht nur weiß, wie man mit jungen und talentierten Spielern umgeht, sondern auch viel taktisches Know-how mit ins Erzgebirge bringt. Im Tor können die Veilchen weiterhin auf Martin Männel zählen, er wird auch in diesem Jahr die Mannschaft als Kapitän auf den Platz führen. Der größte Gewinner der Vorbereitung war Fabian Kalig, Letsch machte ihn zum stellvertretenden Kapitän und das obwohl „Foxi“ erst seit diesem Jahr Stammspieler ist. Er wird der neue Abwehrchef der Veilchen.
Schwächen
Die Abgänge von Steve Breitkreuz und Louis Samson haben eine tiefe Lücke in die ohnehin schon löchrige Abwehrreihe der Erzgebirger gerissen. Adäquat waren beide nicht zu ersetzen, Nicolai Rapp und Malcolm Cacutalua waren in der 2. Liga bisher nur Ergänzungsspieler. Unter den vielen talentierten Spielern, die im Sommer kamen, war mit Dennis Kempe nur ein Routinier. Noch sind viele Neuzugänge grün hinter den Ohren und müssen sich in Liga 2 erst beweisen. Als neuen Libero plant Letsch zurzeit Christian Tiffert ein, er soll das Spiel aus der Abwehr heraus aufbauen. Doch das bedeutet auch, dass im Mittelfeld ein Führungsspieler und Spielgestalter fehlt. In der Vorbereitung fehlte es dem Sturm an der nötigen Durchschlagskraft, die Veilchen suchen nach wie vor ein großgewachsener Stürmer als Ergänzung zu Pascal Köpke.
Erwartungen der Fans
Der dienstälteste Spieler nach Kult-Torhüter Martin Männel ist in Aue das Abstiegsgespenst, seit 2011 spielen die Veilchen in der 2. Bundesliga im Tabellenkeller. Eine ruhige, entspannte Spielzeit im Mittelfeld der Tabelle, mehr wünschen sich die Auer-Fans nicht. Doch sollte man wieder in die rote Zone rutschen, können sich die Spieler auf den bedingungslosen Rückhalt ihrer Fans verlassen. In Aue hat der Klassenerhalt die höchste Priorität und den gibt es auch schon auf Tabellenplatz 15. Hohe Erwartungen dürfte man in Aue aber vor allem im Sachsenderby haben. In der vergangenen Saison setzte es für die Veilchen eine bittere 1:4-Heimklatsche, Revanche können die Lila-Weißen erst im Dezember nehmen, dann gastiert Aue in Dresden.
Fazit
Neuer Trainer, neues Team, neues Stadion, es wird ein Umbruchsjahr für den FC Erzgebirge, nach der turbulenten Vorsaison hoffen viele auf eine ruhigere Saison. Thomas Letsch tritt ein schweres Erbe an, denn auch wenn sein Vorgänger nur elf Spiele im Erzgebirge war, nie war ein Trainer in Aue erfolgreicher. Im Sommer verließen mit Breitkreuz und Samson zwei tragende Säulen den Verein, statt große Namen kamen Talente, die in Aue eine ähnliche Entwicklung wie die Abgänge vollbringen sollen. Letsch muss ein Team voller Perspektivspieler formen und auf Kurs Klassenerhalt bringen, wie praktisch jedes Jahr liegen die größten Sorgen dabei in der Offensive. Auch das Spielsystem und die Philosophie hat die Mannschaft noch nicht ganz übernommen. Viel Zeit bleibt dem ehemaligen Mathematiklehrer nicht, die Veilchen haben ein schweres Anfangsprogramm und beginnen gleich bei ihrem Angstgegner in Heidenheim. Doch wie jedes Jahr können sich die Kicker auf die Unterstützung ihrer Fans verlassen, das Erzgebirge sehnt die neue Saison herbei, im Dezember soll der Stadionumbau abgeschlossen sein.