Ex-Zweitliga-Profis: Was macht eigentlich Gabor Kiraly?

Sie kickten lange in der 2. Bundesliga, waren mehrere Jahre Teil unseres wöchentlichen Unterhaltungsprogramms. Jetzt sind sie von der Bildfläche verschwunden und in anderen Ligen am Ball. liga2-online.de wirft einen Blick auf den Werdegang ehemaliger Zweitliga-Profis. Heute: Gabor Kiraly.

Hertha zahlte 100.000 Euro

Das Fußballspielen wurde so manchem späteren Profi schlichtweg in die Wiege gelegt - so wohl auch Gabor Kiraly. Der zuverlässige Schlussmann wurde als Sohn von Abwehrspieler Ferenc Kiraly im ungarischen Szombathely geboren und begann seine Karriere beim Heimatklub, für den auch der Vater ein Leben lang auflief: Szombathelyi Haladás. Ob der Keeper schon bei der Unterschrift seines ersten Profi-Vertrags in Ungarn seine berüchtigte Jogginghose trug ist nicht überliefert - das war nämlich schon 1993 und damit lange vor der Zeit der digitalisierten Archivierung in Form der sozialen Netzwerke.

Ob mit oder ohne Jogginghose, das Talent des jungen Ungaren wurde schon früh erkannt. Nach einem Abstieg im ersten Profi-Jahr wurde Kiraly zum Stammkeeper befördert und packte den direkten Wiederaufstieg im ersten Jahr. Das machte ihn auch im Ausland interessant, sodass die Hertha 1997 für eine Ablösesumme von 100.000 Euro zuschlug. Nicht ahnend, dass man sich in der Hauptstadt einen echten Publikumsliebling geangelt hatte.

Jogginghose als Glücksbringer

Dabei wackelte und patzte Kiraly zu Anfang, erhielt aber auch weiterhin das Vertrauen - und entwickelte sich zu einem der herausragendsten Schlussmännern der Bundesliga. In dieser Zeit entwickelte sich auch der "Schlabberhosen-Look", der darauf zurückzuführen war, dass Berlins Zeugwart einst die richtige Kleidung von Kiraly nicht parat hatte. Weil er zunächst als Nummer drei eingeplant war und durch Zufall zum Einsatz kam, war außer der "Schlabberhose" nichts anderes da. Der Ungare spielte in Jogginghose, gewann neunmal in Folge und machte die Hose zu seinem Glücksbringer und Markenzeichen.

Nach 252 Spielen für die Alte Dame - darunter 32 Spiele auf internationaler Bühne - folgte eine dunkle Zeit in Kiralys privatem Leben. Zum Jahreswechsel 2004 wurde eine schwere Depression bei dem Keeper diagnostiziert und Kiraly zog es aus Berlin fort. Beim englischen Erstligisten Crystal Palace fasste der Ungare wieder Fuß und überwand die Depression mit der Unterstützung von Gyula Grosics - dem ungarischen Nationaltorwart vom WM-Finale 1954.

Kiraly eröffnet Sportzentrum

Crystal Palace, Aston Villa und der FC Burnley waren daraufhin Kiralys Stationen in England und der Ungare sammelte fleißig Erst- und Zweitligaspiele, ehe er nach Deutschland zurückkehrte. Bayer Leverkusen lieh den erfahrenen Mann für eine Bundesliga-Saison als Ersatzmann aus, bevor er sich anschließend ablösefrei dem TSV 1860 München in der 2. Bundesliga anschloss. 178 Pflichtspiele für die Münchener Löwen folgten, ehe er aufgrund von Handgreiflichkeiten gegen Abwehrspieler Gary Kagelmacher suspendiert wurde - und mit dem Abstieg in die 3. Liga verabschiedete sich Kiraly erneut nach England. Über den FC Fulham landete er 2015 erneut bei seinem Heimatverein in Ungarn.

Im zarten Alter von 43 Jahren spielte Kiraly dort noch bis zum letzten Sommer, ehe er die Fußballschuhe - und die graue Schlabberhose - an den Nagel hing. Seitdem baut sich der Ungare in seiner Heimatstadt eine Torwartschule auf, die sich mittlerweile zu einem ganzen Sportzentrum weiterentwickelt hat. Auf fünf Spielplätzen und einem Kleinfeld-Platz soll in Zukunft eine Möglichkeit für Mannschaften aus ganz Europa entstehen, ein komplettes Trainingslager in Ungarn unter besten Bedingungen zu absolvieren.

Ganz aufgegeben hat Kiraly die Jogginghose dann auch nicht: In einem Online-Shop, den der Ungare nebenberuflich führt, bietet er das Kult-Kleidungsstück zum Preis von 9.000 Forint (25 Euro) an. Und in der Coronakrise zeigt sich der inzwischen 44-Jährige ganz solidarisch und verkauft die Schlabberhose sogar mit 25 Prozent Rabatt.

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