Der 1. FC Köln macht seine Fans wieder stolz
Den 1. FC Köln umweht stets die Aura etwas ganz Besonderes zu sein. Als erster Bundesliga-Meister war der rheinische Traditionsverein zu Beginn der Bundesliga Anfang der Sechziger Jahre der professionellste Fußball-Verein in Deutschland. Die weißen Trikots in Anlehnung an Real Madrid sind noch bestens bekannt. Seitdem ist jedoch viel passiert und der stolze Klub findet sich mittlerweile in der 2. Bundesliga wieder. Aber nicht mehr lange, wenn es nach dem Selbstverständnis der zahlreichen FC-Fans und der talentierten Kicker geht. Die Perspektive ist mit dem ersten Tabellenplatz nach 19 absolvierten Partien zumindest schon einmal glänzend.
Große Qualität im Kader
Im Sommer kam der österreichische Meistertrainer mit Austria Wien in die Domstadt. Peter Stöger sein Name. Viele FC-Anhänger zeigten sich mehr oder weniger kritisch gegenüber dem 47-Jährigen, der nach einem schwachen Saisonstart aber alle Kritiker eines Besseren belehrt hat. Zehn Gegentore hat man erst kassiert. 32 Treffer. Der Vorsprung auf einen Relegationsplatz liegt bei acht Zählern. Ebenso groß ist er auf einen Nichtaufstiegsplatz. Es müsste wahrlich einiges schief laufen, dass Köln den Aufstieg in dieser Spielzeit verpassen sollte. Von einem Einbruch ist jedoch ganz gewiss nicht auszugehen, denn die Qualität ist im Kader einfach zu groß. Wenn Köln sein großes Potential tatsächlich abrufen kann, sind sie vielen Zweitligakonkurrenten weit überlegen.
Gezielte Qualitätstransfers
In der abgelaufenen Spielzeit lief man letztlich auf dem fünften Tabellenplatz ein. Allerdings waren die spielerischen Vorstellungen unter Vorgänger Holger Stanislawski trotz einer famosen Rückrunde meist steigerungsfähig. Unter Stöger hat sich einiges ändern können. Die mannschaftliche Geschlossenheit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Mit der Verpflichtung des letztjährigen Leihstürmers Anthony Ujah für 2, 3 Millionen Euro vom FSV Mainz 05, ebenso des schussgewaltigen Offensivspielers Marcel Risse, der ebenfalls aus Mainz kam und Rückkehrer Patrick Helmes, der vom VfL Wolfsburg durch den neuen Manager Jörg Schmadtke gelockt werden konnte, wurde besonders die Offensive maßgeblich verstärkt. Kreative Momente können durch den anderen Rückkehrer Slawomir Peszko und Techniker Daniel Halfar vom TSV 1860 München gesteigert werden. Ein ganz wichtiger Schachzug der neuen sportlichen Führung um Stöger, Schmadtke und Chefscout Jörg Jakobs, der im Hintergrund arbeitet und maßgeblich für die Wintertransfers von Angreifer Bard Finne und Außenbahnspieler Kazuki Nagasawa verantwortlich gewesen ist. Dieser Kader genügt zumindest in der Offensive absoluten Bundesliga-Ansprüchen. Im Tor steht einer der hoffnungsvollsten Keeper Deutschlands mit dem erst 20-jährigen Timo Horn, der über glänzende Paraden und eine tolle Ausstrahlung verfügt.
Die Mischung machts beim FC
Auch die Unterstützung der FC-Fans ist wahrlich beeindruckend, denn mit einem Zuschauerschnitt von 45.400 Fans pro Partie belegt man fast uneinholbar die Spitzenposition im deutschen Fußball-Unterhaus. Auch auswärts fahren häufige mehrere Tausend Geißbock-Anhänger ihren Idolen hinterher. Beeindruckend sicherlich die Gastspiele in Bielefeld und Bochum, wo annähernd 10.000 FC-Fans für eine echte Heimspielatmosphäre gesorgt haben. Früher ist der 1. FC Köln häufig als „Karnevalsverein“ verspottet worden. In der Vereinsführung herrscht mit dem Trio bestehend aus Präsident Werner Spinner und den beiden Vizepräsidenten Markus Ritterbach und FC-Idol Harald „Toni“ Schumacher echte Kontinuität, wo die Basis für ein erfolgreiches Arbeiten gelegt werden kann. Dieser Verein hat Perspektive, weil er den Abstieg 2012 auch als Chance erkannt und die richtigen Lehren gezogen hat. Mit den richtigen Verstärkungen kann der FC auch in der Bundesliga eine vernünftige Rolle spielen. Die Mischung zwischen erfahrenen Akteuren, wie Matthias Lehmann und Patrick Helmes sowie Talenten wie Jonas Hector und Yannick Gerhardt stimmt. Auch die treuen, wie jedoch auch kritischen FC-Fans haben die Spieler wieder zurückgewinnen können. In den letzten 15 Jahren hat sich der einstige deutsche Spitzenverein zu einer echten Fahrstuhlmannschaft entwickelt. So ist man fünfmal abgestiegen und packte viermal den Aufstieg. Sicherlich nichts für herzschwache FC-Anhänger. Mittlerweile wird auf allen Ebenen jedoch seriös gearbeitet. Die Spieler machen ihre Fans wieder stolz. Das ist sicherlich die wichtigste Botschaft in diesen Tagen aus der Karnevalshochburg am Rhein.