Aue gegen Union: Zwischen Tradition und Ambition

Am kommenden Samstag steigt das erste Ostduell der neuen Saison. Die Veilchen aus dem Lößnitztal empfangen die Eisernen aus Berlin Köpenick. Es ist bereits das 67. Spiel der beiden ehemaligen DDR-Oberligisten, das 15. in der 2. Bundesliga. liga2-online wirft einen kleinen Blick zurück und schaut auf die aktuelle Saison der beiden Traditionsclubs aus dem Osten der Republik.
06.06.1987: BSG Wismut Aue 5:0 1.FC Union Berlin
In der DDR-Oberliga waren die Kräfteverhältnisse klar, als ewiger Oberligist entschieden die Veilchen die meisten Duelle gegen die Eisernen für sich. 20 Siege fuhren die Auer in 36 Spielen gegen die Hauptstädter ein, im Erzgebirge holten die Köpenicker lediglich einen Sieg, damals in den Fünfzigern noch als BSG Motor Oberschöneweide. Auch im Sommer 1987 sollten die Eisernen mit leeren Händen nach Hause fahren, die Lila-Weißen um Jörg Weißflog, Volker Schmidt und Harald Mothes krönten eine starke Auer Saison am letzten Spieltag. Fünfmal schepperte es und Union hatte im Abstiegskampf Glück, dass die Konkurrenten aus Riesa und Bischofswerda nicht an ihnen vorbeizogen. Es war aber auch für die Veilchen die letzte große Saison in der DDR-Oberliga, das letzte Mal qualifizierte man sich für den Europapokal, den UEFA-Cup. Aue schlug Valur Reykjavik, flog dann aber in der 2. Runde gegen den FC Flamurtari aus Albanien aus dem Turnier.
12.05.2009: FC Erzgebirge Aue 0:1 1.FC Union Berlin
Nach dem Fall der Mauer wendete sich das Blatt zwischen Aue und Union, die 2000er Jahre brachten für beide Vereine einen großen Umbruch, beide schafften den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Berlin hielt sich drei Jahre im Unterhaus, Aue ganze fünf. In der neugegründeten 3. Liga fanden sich die alten Ostrivalen in der Saison 08/09 wieder. Die Eisernen triumphierten in dieser Spielzeit und sollten als erster Meister in die Geschichte der 3. Liga eingehen. Am 35. Spieltag ging es für den designierten Aufsteiger noch in Lößnitztal. Der ehemalige Bundesligaprofi Marco Gebhardt wurde zum Mann des Spiels, sein direkter Freistoß brachte Union auf die Siegerstraße. In der Schlussphase hatte noch Michael Parensen die Chance für die Berliner zu erhöhen, doch er scheiterte am Auer Schlussmann Martin Männel. Parensen und Männel damals wie heute für ihre Vereine am Ball.
Union will zu Tabellenspitze, Aue will weg vom Keller
Auch in diesem Jahr treffen sich beide Vereine wieder, auch in diesem Jahr geht es um mehr als Tradition, beide Mannschaften verfolgen ihre Ziele in der Liga. Gewinnen wollen sie alle, wenn auch mit unterschiedlichen Motiven. Im Lößnitztal hat man unter Hannes Drews seit Jahren endlich mal ein kleines Polster auf den Tabellenkeller. Der kleine Lauf des FCE mit vier Siegen aus fünf Spielen könnte sogar noch getoppt werden, ein Dreier gegen die favorisierten Berliner und Aue hätte einen komfortablen Vorsprung von neun Zählern auf die Abstiegsränge. Die Eisernen hingegen wollen höher hinaus. Nachdem man in der letzten Saison als Vierter nur knapp den Aufstieg verpasste, will man in diesem Jahr endlich ins Oberhaus. Dafür wurde der ohnehin schon stark besetzte Kader der Köpenicker noch weiter verstärkt. Neben einigen vielversprechenden Talenten kamen mit Atsuto Uchida und Marc Torrejón zwei Bundesligaspieler an die Alte Försterei. Trainer Jens Keller kann sich eine Niederlage im Erzgebirge kaum leisten, will er den Anschluss zur Spitze nicht verlieren. Dabei kann der 46-Jährige Union-Trainer nicht nur auf seinen wiedererstarkten Top-Stürmer Sebastian Polter bauen, sondern auch auf die neue gute Bilanz der Eisernen im Auer Schacht. Seit der Wende gewannen die Köpenicker siebenmal in Aue, so oft wie keine andere Mannschaft im deutschen Profifußball. Aue kommt hingegen ebenfalls mit breiter Brust, erst im letzten Heimspiel stoppten die Veilchen den Höhenflug des SV Sandhausen, blieben zuletzt zweimal ohne Gegentor. Schaffen es die Lila-Weißen erneut solide in der Abwehr zu stehen und die Fehler der Gäste zu nutzen, winkt der erste Heimsieg gegen Union seit 2014.