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Aues Moralpegel sinkt: "Die Tabelle lügt nicht“

© imago-images / Eibner

Bei Erzgebirge Aue schwindet die Hoffnung auf ein Happy End im Abstiegskampf. Die 0:3-Niederlage gegen den Karlsruher SC läutete bei den Sachsen die Zeit der Durchhalteparolen ein.

"Kann nicht sagen, wofür Punkte noch gut sind“

Wie gering die Zuversicht beim Tabellenvorletzten auf den angestrebten Klassenerhalt nur noch ist, ließ ausgerechnet der als "Retter“ zurückgekehrte Trainer Pavel Dotchev erkennen. "Ich kann versprechen“, sagte der Deutsch-Bulgare auf der Pressekonferenz, „dass wir bis zum Schluss kämpfen werden. Ich bin auch sicher, dass wir noch Punkte holen werden, ich kann aber nicht sagen, wofür die noch gut sein können.“

Optimus klingt zweifellos anders. Doch Dotchevs Spieler boten trotz einer durchaus ansprechenden Vorstellung im ersten Durchgang nach Karlsruhes schneller Führung neun Minuten nach Wiederanpfiff auch kaum noch Anlass zum Glauben an die Verhinderung des dritten Zweitliga-Abstiegs.

Dass eine wichtige Gelegenheit zur Verkürzung des ohnehin schon großen Rückstands wenigstens auf den Relegationsrang ungenutzt gelassen wurde, war auch Kapitän Sören Gonther bewusst: "Nur weil wir vorher zwei gute Spiele gemacht haben, müssen wir uns nichts vormachen“, meinte der 23 Jahre alte Abwehrspieler auf der Vereins-Homepage zerknirscht: "Die Tabelle lügt nicht.“

"Mannschaft ist zusammengebrochen"

Auch Dotchev sah offenbar selbst in einem Mindestmaß von Schönfärberei nur wenig Sinn: "Mich ärgert, dass wir das Spiel nicht bis zum Schluss offen gehalten haben. Ich hatte gedacht, dass wir es geschafft hätten, unsere Power bis zum Ende hochzuhalten. Aber nach dem 0:1 ist die Mannschaft zusammengebrochen. Es hat sich wie eine Kettenreaktion von Spieler zu Spieler übertragen, dass man nicht mehr daran geglaubt hat.“

Dabei hatte der erfahrene Fußball-Lehrer das Unheil schon vor der Pause kommen sehen. „Die Mannschaft wurde da von Minute zu Minute unzufriedener. Die Spieler haben sich nicht mehr gepusht, die Unzufriedenheit lag in der Luft.“

Unter diesen Vorzeichen fühlte sich Aues neunte Heimpleite – so viele wie keine andere Mannschaft im Unterhaus – für Dotchev geradezu zwangsläufig an: „Der KSC macht mit drei Schüssen drei Tore, das ist Qualität und brutal effizient“, erkannte der 56-Jährige das letztlich entscheidende Plus der Gäste an.

Durch den abermaligen Rückschlag ist für die "Veilchen“ nach der Länderspielpause im Kellerduell am 1. April (Freitag) bei Schlusslicht FC Ingolstadt ein Sieg zum Erhalt der zunehmend theoretischen Chancen auf den Klassenerhalt Pflicht. Dotchev kündigte für die zusätzlichen Trainingstage an, mit "meinen vielen jungen Spielern, die vielleicht auch noch nicht die Nerven für solch eine Situation haben, einige Defizite aufarbeiten“ zu wollen.