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Boldt zum Thioune-Aus: "Distanz zwischen ihm und den Spielern viel zu groß"

© IMAGO / Jan Huebner

Inhaltlich blieb Daniel Thioune beim Hamburger SV über jeden Zweifel erhaben, doch am Montag trennte sich HSV-Sportvorstand Jonas Boldt dennoch vom Cheftrainer. In einer außerordentlichen Pressekonferenz erklärte der 39-Jährige die Entscheidung, die den Klub wieder zurück auf den Weg der Entwicklung bringen soll. Denn diesen drohte der HSV laut Boldt ligaunabhängig zu verlassen.

Boldt stärkt Thioune den Rücken

Drei Spieltage vor Schluss ist der Trainer weg, das klingt beim Hamburger SV zunächst nach Aktionismus. Doch HSV-Sportvorstand Jonas Bold widersprach der Auffassung eines "panischen und hektischen" Handelns. Daniel Thioune stand für den Hamburger Weg der Entwicklung, entsprechend schwierig fiel dem Sportvorstand die Entlassung. "Wir laufen Gefahr, dass wir von unserem Weg abkommen", erklärte Boldt, dass die Dynamik beim HSV in den letzten Tagen "deutlich schneller und dramatischer" geworden war. Bis "zur letzten Stunde" habe er mit Thioune jedoch "sehr, sehr vertrauensvoll" zusammengearbeitet.

Von der inhaltlichen Arbeit des Coaches war Boldt auch weiterhin überzeugt, weswegen er wohl auch gerne mit Thioune weitergemacht hätte. "Aber es geht nicht darum, was man sich wünscht, sondern die Dinge vor Ort zu beurteilen", löste sich der Sportvorstand von dem Gedanken. Immer wieder kam Boldt darauf zu sprechen, dass die Ergebnisse der letzten Woche "etwas mit den Menschen macht" und dass Thioune ganz bewusst zuletzt "All in" gegangen war. Zweifel, dass man Durststrecken auch gemeinsam durchstehen könne, habe es vorher nicht gegeben. Spätestens nach dem 3:3-Remis gegen Hannover kamen jedoch "einige Dinge wieder zusammen in einer Phase, die immer heißer wird zum Saisonfinale." Warum er dann nicht früher reagiert habe, beispielsweise nach Sandhausen? "Die Frage ist berechtigt. Aber ich war vier Tage vor Ort bei der Mannschaft dabei. Sie hatte den unbedingten Willen, das selbst zu regeln."

"Distanz viel zu groß"

Auf dem Platz habe man das zwar nicht immer gesehen, doch innerhalb der Mannschaft wollten "sich alle dagegen wehren". Aber das nötige Momentum habe dem HSV in dieser Phase gefehlt. "Die Beziehung zwischen Trainer und Spieler hat immer mehr gewackelt, weil sich viele Dinge verselbstständigt haben", verdeutlichte Boldt, dass die Ergebnisse – zuletzt fünf Spiele ohne Sieg – eine eigene Dynamik entwickelte. Thioune setzte schließlich bewusst alles auf eine Karte. Für den Sportvorstand war jedoch klar: "Es gab nicht diesen einen Moment, der alles kaputt gemacht hat."

Vor dem Training um 15 Uhr am heutigen Montag durfte sich Thioune von seiner Mannschaft letztlich verabscheiden, das Vertrauen der HSV-Verantwortlichen war nicht mehr groß genug. Nicht, weil ihm Kraft und Energie gefehlt haben, sondern, weil kleinere Stellschrauben nicht mehr zusammenpassten. An einigen Punkten versuchte Thioune vielleicht zu viel, an anderen zu wenig. "Man hat ihm angesehen, wie angeknockt er nach Karlsruhe war. Auch, wenn ich inhaltlich von ihm überzeugt bin, kam die Feststellung, dass die Distanz zwischen ihm und den Spielern viel zu groß ist", fasste Boldt schlussendlich zusammen. Nun soll Horst Hrubesch den HSV wieder auf den richtigen Weg zurückführen, denn abschenken will der Klub im Saisonfinale nichts.