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Das große Halbjahres-Zeugnis für die Zweitligisten

IMAGO

18 Spiele in der Saison 2021/22 sind vorbei, Zeit für die Winterpause – und das Halbjahres-Zeugnis.

FC St. Pauli

Vor einem Jahr stand der Kiezklub auf einem direkten Abstiegsplatz. Trotzdem hielten die Verantwortlichen an Cheftrainer Timo Schultz fest, der die Mannschaft sensationell aus der Gefahrenzone führte – und seine Arbeit in dieser Saison fortsetzte. Nicht nur in der Jahrestabelle steht St. Pauli mit insgesamt 75 Punkten aus 40 Spielen oben, sondern auch in der aktuellen Zweitliga-Tabelle. Punktuelle Verstärkungen wie Torhüter Nikola Vasilj, Marcel Hartel, Jakov Medic oder Jackson Irvine schlugen voll ein. Dazu sind die Offensivspieler um Daniel-Kofi Kyereh oder die Defensive um Kapitän Philipp Ziereis aktuell in Topform. Guido Burgstaller (14 Tore) führt außerdem die Torschützenliste an. Mit einer unglaublichen Serie von acht Siegen in acht Heimspielen der Saison gilt St. Pauli nicht umsonst als Aufstiegsfavorit.

Note: 1

SV Darmstadt 98

41 Tore – das ist die Bilanz der Lilien, die zu Saisonbeginn nahezu sang- und klanglos starteten, weil aufgrund des Infektionsgeschehens am Böllenfalltor kaum Spieler zur Verfügung standen. Mit der Rückkehr vieler Spieler fand sich dann eine Mannschaft, die sich Demut und Teamgeist auf die Fahne geschrieben hat. Phillip Tietz und Luca Pfeiffer sammelten dabei gemeinsam 24 Treffer und gelten als das beste Offensiv-Duo der Liga. Cheftrainer Torsten Lieberknecht, der in der Vorbereitung relativ kurzfristig das Amt in Darmstadt übernahm, formte eine Mannschaft, die nicht auf die Ausrutscher der Konkurrenz hoffen muss, um oben mitzuspielen.

Note: 1

Hamburger SV

Alle Jahre wieder rüsten sich die Elbstädter mit neuem Personal an der Seitenlinie, und mit Tim Walter versucht sich Nummer vier am Aufstieg. Mit dem dritten Platz hat der HSV vermeintlich die "schlechteste" Platzierung seiner bisherigen Zweitliga-Geschichte, aber ein genauerer Blick in die Bilanz lohnt sich. Gerade einmal zwei Niederlagen – so wenige wie sonst kein Team der Liga – musste Hamburg bislang einstecken. Außerdem entwickelt sich ein lange vermisster Einsatzwille. Lediglich der drohende Abgang von Shootingstar Faride Alidou trübt die Ruhe, mit der aktuell beim HSV gearbeitet wird.

Note: 2

FC Schalke 04

Die Königsblauen machten augenscheinlich sehr früh ihre Hausaufgaben und stellten den Kader zum Großteil schon vor dem ersten Einmarsch auf den Zweitliga-Rasen zusammen. Mit Rekordtorjäger Simon Terodde haben die Schalker einen Stürmer in ihren Reihen, auf den zweifelsfrei Verlass war. Doch wenn der 31-Jährige mal nicht traf – oder gar, wie zuletzt, verletzt war -, wirkte die Elf von Dimitrios Grammozis schnell limitiert – das war auch den Verantwortlichen nicht entgangen. Der Wunsch nach Alternativen im Sturm und einer Flexibilität in der Spielweise sind groß. Trotzdem haben neu-aufgestellte Schalker viel erreicht.

Note: 2-

1. FC Nürnberg

Zu Beginn des Jahres merkte der Club eine leichte Talfahrt, die an längst vergangene Horror-Szenarien in der Zweitliga-Relegation erinnerten. Aber Cheftrainer Robert Klauß riss das Ruder am Valznerweiher herum, indem er auf viele junge Spieler – vorzugsweise auch aus dem eigenen Nachwuchs – setzte. Bis zum 12. Spieltag hielten sich die Nürnberger schadlos, ehe vier Niederlagen folgten – gegen Darmstadt, St. Pauli, Bremen und Schalke. Damit zählt der FCN zweifelsohne selbst zu den Top-Teams, obwohl das nach zwei durchwachsenen Jahren nicht zu erwarten war.

Note: 2+

1. FC Heidenheim

Sprechen gegnerische Trainer in den Pressekonferenzen über die Brenzstädter, dann fällt oft das Wörtchen "Konstanz". Nicht nur, weil Frank Schmidt dort schon seit 14 (!) Jahren als Trainer arbeitet, sondern auch aufgrund der konstanten Ergebnisse, die Heidenheim immer und immer wieder einfährt. Vier Niederlagen zwischen dem 9. und dem 13. Spieltag? Kein Problem für die Elf von der Brenz, die mit vier Siegen aus fünf Spielen darauf antwortete. Für den großen Wurf fehlt jetzt allerdings noch das Extra-Quäntchen.

Note: 2

SV Werder Bremen

Der Neuaufbau nach dem Bundesliga-Abstieg wurde für viele Fans in der Kaderplanung eher zur Quälerei, als dass Euphorie ausgelöst wurde. Immer wieder geriet vor allem Sportchef Frank Baumann in die Kritik – und abgesehen von Marvin Ducksch und vielleicht noch Anthony Jung hat auch kein Sommer-Neuzugang wirklich eingeschlagen. Dann kam auch noch die Impfpass-Affäre von Markus Anfang. Und plötzlich war Ole Werner da, der den neuen "SV Werner Bremen" auf Anhieb prägte. Die Grün-Weißen blieben dran, was sich ein bisschen überraschend anfühlt.

Note: 3

SSV Jahn Regensburg

Christian Keller, der Macher des Erfolgs bei den Oberpfälzern, hat seine Tätigkeit bei der Jahnelf beendet. Er wechselt im neuen Jahr zum 1. FC Köln, um selbst den nächsten Schritt in der Karriere zu machen. Die Erfolge in Regensburg sprechen für sich – denn statt des vermeintlichen Abstiegskandidaten Nummer eins, wie es so oft heißt, sahen die Zuschauer in dieser Saison ein Spitzenteam. Tabellenführer nach dem 8. Spieltag, direkter Aufstiegsplatz nach 13 Spielen – erst zum Ende der Hinrunde knickten die Regensburger ein wenig ein. Mit dem Abstieg werden die Oberpfälzer wohl nichts zu tun haben.

Note: 2+

SC Paderborn 07

Steffen Baumgarts erfolgreiche Jahre mit Paderborn-Kappe endeten zugunsten einer Schiebermütze in Köln. Die Fußstapfen des authentischen Fußballlehrers in Ostwestfalen waren groß – und wurden wortgewandt durch Lukas Kwasniok gefüllt. Der einzige Trainer im deutschen Profifußball, der die Konsequenzen einer Nicht-Impfung öffentlich trägt, findet offenbar auch gegenüber seinem Team die richtigen Worte. Auswärts präsentierten sich die Paderborner, angeführt von Torjäger Sven Michel, bärenstark und blieben ungeschlagen (18 von 27 Punkten). Die Bilanz zuhause ist dagegen ausbaufähig (nur zwei Siege in zehn Spielen).

Note: 2-

Karlsruher SC

Die Badener knüpfen nahtlos an die vergangenen Leistungen unter Cheftrainer Christian Eichner an, der aufgrund seiner bisherigen Verdienste das Ruder bis 2025 übernehmen soll. Mit Philipp Hofmann (neun Tore) und Philip Heise (sieben Vorlagen) hat der KSC auch in beiden Statistiken wieder herausragende Spieler an Bord, das Korsett drumherum nahm keine großen Veränderungen an. Nun warten die Fans aber auf den nächsten Entwicklungsschritt, denn der KSC war gut, aber nicht besser. Konstanz ist das Stichwort für die Badener Elf.

Note: 3

Dynamo Dresden

"Der Anfang war gut, die Mitte war ernüchternd und das Ende war auch gut. War eine solide Hinrunde", fasste SGD-Stürmer Ransford Königsdörffer jüngst nach dem Derbysieg gegen Aue zusammen. Damit ist praktisch alles zur Rückkehr der Dresdner, die in dieser Saison bereits auf einem direkten Aufstiegsplatz standen, aber noch nicht auf einem Abstiegsrang, gesagt. Zwei Siege in elf Spielen machten dem Aufsteiger das Leben zwischenzeitlich ziemlich schwer, doch zusammen mit Trainer Alexander Schmidt konnte sich die SGD wieder aus der Negativspirale herauskämpfen. Weitere Gefahren sollen durch eine Kaderoptimierung im Winter vermieden werden.

Note: 3+

Holstein Kiel

Dreimal 0:3 hieß es zu Saisonbeginn für den Vorjahres-Dritten, der im Rahmen des verpassten Aufstiegs viele Leistungsträger verlor. Auf dem Transfermarkt erwischte Sport-Geschäftsführer Uwe Stöver kein goldenes Händchen, sodass es in dieser Saison wohl einzig um einen Platz im gesicherten Mittelfeld gehen kann – zumal Erfolgstrainer Ole Werner im September das Handtuch geworfen hatte. Neu-Cheftrainer Marcel Rapp scheint sich immer noch in der Findungsphase zu befinden, doch insgesamt geht es wieder bergauf.

Note: 3-

Fortuna Düsseldorf

Die Fortuna befand sich im Vorjahr lange im Aufstiegsrennen, hatte jedoch keine richtige Chance. Im Sommer übernahm daher Christian Preußer, der bis dato erfolgreich die Nachwuchsspieler des SC Freiburg entwickelte. Vom Trainertalent erhofften sich die F95-Verantwortlichen eine gewisse Konstanz, die bislang allerdings auf sich warten lässt. Zwei Siege in Folge gab es für die Fortunen in dieser Saison noch nicht, stattdessen mehrten sich die Rückschläge. Das Umfeld ist überzeugt, dass mehr aus dem Kader herauszuholen ist – und Preußer steht entsprechend in der Kritik, sodass das Vertrauen von Vorstand Klaus Allofs zum Spiel mit dem Feuer wird.

Note: 4-

F.C. Hansa Rostock

Was wäre die Hansa-Kogge ohne die Tore von John Verhoek? Eine Frage, die sich die Fans nicht gerne stellen. Obwohl zuletzt auch Pascal Breier mit einem Doppelpack in Abwesenheit des Niederländers glänzte, ist das Offensivspiel des Aufsteigers noch ausbaufähig (erst 21 Treffer). Dabei hat sich Rostock im Rahmen seiner Möglichkeiten sehr gut verstärkt – Sportvorstand Martin Pieckenhagen setzte im Sommer zum größten Teil auf Erfahrung, um das erste Jahr zu meistern. Angesichts der Erwartungen ist das Ergebnis stark, aber eine Verschnaufpause darf es zu keinem Zeitpunkt geben.

Note: 3+

Hannover 96

Harmlos, harmloser, Hannover. Nur 14 Tore stehen auf der Habenseite. Nach dem Millionen-Abgang von Marvin Ducksch konnte noch kein Spieler die Lücke schließen, die der Stürmer bei den Niedersachsen hinterlassen hat. Mit Jan Zimmermann sollte ein junger, unverbrauchter Trainer aus der Region das Ruder in Hannover herumreißen, doch die höchste Platzierung – abgesehen vom 1. Spieltag – war der zwölfte Rang in der Tabelle. Bislang lebt das Team von seinen Individualisten und die Hoffnung ist groß, dass U23-Coach Christoph Dabrowski nach seiner Beförderung eine Mannschaft formen kann. Die Spieler hat er auf seiner Seite – aber das galt anfangs auch für Zimmermann.

Note: 5+

SV Sandhausen

Namhafte Neuzugänge schützen den Klub vom Hardtwald immer noch nicht vor dem Abstiegskampf. Marcel Ritzmaier, Pascal Testroet, Cebio Soukou oder Immanuel Höhn gehören zu den Spielern, die viele Teams gerne in ihrem Kader hätten. Auch Cheftrainer Alois Schwartz, der bei seinem zweiten Amtsantritt in Sandhausen gerne an die Erfolge seiner vorherigen Zeit dort anknüpfen würde, konnte den SVS bislang nicht wieder in die Spur bringen. Das Gesamtgefüge funktioniert noch nicht. Immerhin die Tendenz ist aufsteigend, wenn auch nur in langsamen Schritten. Von vermeintlichen Ambitionen ist der Klub derzeit jedoch weit entfernt.

Note: 4-

FC Erzgebirge Aue

Aliaksei Shpileuski scheiterte bei den Veilchen krachend, dann durfte Co-Trainer Marc Hensel den Posten als Chef aufgrund der fehlenden Trainerlizenz nicht übernehmen. Letztlich kam Publikumsliebling Pavel Dotchev als Interimstrainer und Sportlicher Leiter zurück – er stieg direkt aus dem Abstiegskampf der 3. Liga in den Abstiegskampf der 2. Bundesliga auf. Allein die Trainersituation in Aue beschreibt vieles, was im Erzgebirge diese Saison nicht rund gelaufen ist. Eine der wenigen positiven Überraschungen ist Antonio Jonjic, der schon vor einem Jahr zum Nulltarif kam und lange Anlaufzeit brauchte. Ohne seine fünf Treffer wären die Veilchen aber wohl schon abgeschlagen – und das, obwohl der Abstand zum rettenden Ufer jetzt schon sechs Zähler beträgt. Im Winter muss der FCE endlich Ersatz für die Abgänge von Florian Krüger und Pascal Testroet finden.

Note: 5

FC Ingolstadt

Mit Tomas Oral ging der Aufstiegstrainer schon vor der Saison, ehe Robert Pätzold als Nachfolger mit großem Verletzungspech zu kämpfen hatte. Insgesamt sammelten die Schanzer nur einen Sieg in der kompletten Hinrunde, in der kurzen Amtszeit von André Schubert gab es kaum Besserung. Erst zum Ende des Jahres holte der FCI, der mit Dietmar Beiersdorfer einen großen Namen als Sport-Geschäftsführer einstellte, dann Rüdiger Rehm – und feierte unverhofft einen deutlichen Sieg gegen Dresden (3:0) zum offiziellen Auftakt der Rückrunde. Der neue Mann spricht davon, dass die Mannschaft mehr Potential hat, als sie bisher gezeigt habe, doch das gilt es bisher noch zu beweisen. Angesichts von zehn Punkten aus 18 Spielen blieb der FCI bislang jegliche Zweitliga-Tauglichkeit schuldig.

Note: 6