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Der SC Paderborn und die Effenberg-Aura

© Hübner

Knapp eine Woche ist nun her, als Stefan Effenberg als Trainer des SC Paderborn vorgestellt wurde. Nach zwei Pressekonferenzen innerhalb von zwei Tagen wurde es am Freitagabend beim Spiel gegen Eintracht Braunschweig ernst. Doch Effenberg ließ sich davon nichts anmerken und konnte einen überzeugenden 2:0-Heimsieg feiern. Zudem darf sich der 47-Jährige sicher sein: Der dreifache Punktgewinn geht zum Großteil auf sein Konto. Ein Kommentar.

Stoppelkamps Leistung  war symptomatisch

Traten die Spieler unter Ex-Trainer Markus Gellhaus in den Partien zuvor meist lustlos und vor allem ohne jede Leidenschaft auf, waren sie am Freitagabend wie ausgewechselt. Ein Moritz Stoppelkamp, der unter Gellhaus zwischenzeitlich suspendiert war und bei seinen Einsätzen oft mit unnötigen Dribblings auffiel, sprühte nur so vor Spielwitz. Nicht mal in Rückrunde der Bundesliga-Saison, als noch Aufstiegstrainer André Breitenreiter an der Seitenlinie stand, wusste der Rekordtorschütze spielerisch derart zu überzeugen wie am Freitag. Bezeichnend, dass der Mittelfeldspieler  – wenn auch glücklich – erstmals seit über einem Jahr wieder ein Tor erzielte. Woher kommt die plötzliche Leistungsexplosion? Es darf davon ausgegangen werden, dass Stoppelkamp nicht selbst dafür verantwortlich war. Viel mehr dürfte es Stefan Effenberg zuzurechnen sein, den 28-Jährigen vorerst wieder in die Spur gebracht zu haben. Der "Tiger" hatte zwar lediglich drei Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolviert, doch schon diese reichten, um in Stoppelkamp wieder das Feuer zu entfachen.

Effenberg reißt die Spieler mit

Doch nicht nur der Ex-Hannoveraner: auch alle anderen Spieler zeigten am Freitag erstmals in dieser Saison, was in ihnen steckt. Leidenschaft, Kampf und der unbedingte Wille – nur allein die Anwesenheit eines Weltstars wie Stefan Effenberg hat offenbar dafür gesorgt, dass die Akteure endlich wieder Lust auf Paderborn und die 2. Bundesliga haben. Wenn ein Effenberg in der Kabine die Ansprache hält, ist dies eben etwas anderes, als bei Markus Gellhaus. Charakterlich trennen beide Übungsleiter Welten. Doch genau die Emotionen und die Leidenschaft eines Effenbergs haben dem Sportclub zu Saisonbeginn gefehlt. Selbst als Braunschweig dem Ausgleich am Freitag zwischen der 60. und 80. Minute immer näher kam, hatten viele Fans nicht den Eindruck, dass der Sieg gefährdet sein könnte. Schließlich stand mit Effenberg jemand an der Seitenlinie, der jederzeit mit seiner mitreißenden Art hätte eingreifen können.

Effe-Effekt wird nachlassen – Aura bleibt

Wie groß die Effenberg-Aura ist, zeigte sich auch am Samstag beim Spiel der U23 gegen die zweite Mannschaft von Arminia Bielefeld. Effe war vor Ort und stattete der Mannschaft sogar einen Besuch in der Kabine ab. Auf dem Platz drehten die Nachwuchs-Akteure des SCP später einen 1:2-Pausenrückstand zum 3:2-Sieg. Auch hier hat die Anwesenheit von Effenberg wohl die letzten Prozente aus den Spielern herausgekitzelt, wenngleich nichts überwertet werden sollte.

Sicherlich wird dieser Effe-Effekt mit der Zeit ein klein wenig nachlassen. Und natürlich wird es auch in den kommenden Wochen und Monaten wieder Niederlagen und schwächere Spiele geben. Doch die besondere Aura von Stefan Effenberg wird den Paderbornern erhalten bleiben – und damit auch die Leidenschaft.