Der VfL Bochum und das späte Glück
Schwaches Spiel mit phänomenalem Ende: Freitagabend in Bochum, gegen 20:20 Uhr an der Castroper Straße. In der Nachspielzeit liegt der VfL Bochum scheinbar auswegslos gegen Darmstadt 98 zurück, jegliches Anrennen im zweiten Durchgang blieb ohne Torerfolg. Die vierte Minute der Nachspielzeit läuft, als der VfL im Mittelfeld einen Freistoß zugesprochen bekommt. Peter Neururer beordert Keeper Andreas Luthe in den Sechzehner – Tobias Weis schlägt den Ball in die Mitte. Die Lilien bekommen den Ball nicht weg, Der Keeper köpft in die Mitte auf den Fuß von Mikael Forssell. Der Rest: Ekstase pur. Trotz einer eigentlich schwachen Vorstellung verwandelte sich das rewirpowerSTADION in ein Tollhaus und feierte die Truppe noch viele Minuten nach Abpfiff.
Lilien stehen gut
Das Spiel begann mit einer Abtastphase ohne großen Torraumszenen auf beiden Seiten. Der VfL wirkte zwar feldüberlegen, hatte aber mit vielen Ungenauigkeiten im Spielaufbau zu kämpfen. Insbesondere Malcolm Cacutalua wirkte verunsichert und spielte kaum einen gelungenen Pass. Dann die erste Standardsituation für die Gäste – und die Führung: Der Freistoß von Marcel Heller landet bei Romain Bregerie, der Michael Gregoritsch anköpft, von dessen Brust der Ball ins Tor geht. Der VfL war geschockt, brachte nichts außer Ballverluste in der Vorwärtsbewegung zu Stande. Die Offensive hing völlig in der Luft, Michael Gregoritsch verstolperte jeden zweiten Ball – druckvolles Spiel war nicht sichtbar. Yusuke Tasaka vergab die beste Chance nach etwa einer halben Stunde, mehr kam vom VfL nicht. Im Gegenteil: Der Aufsteiger übernahm die Initiative und erspielte sich viele Standardsituationen, auch einige kleinere Gelegenheiten waren dabei. Eine höhere Pausenführung wäre durchaus verdient gewesen. In der zweiten Hälfte dominierte der VfL mit klugem Passspiel das Geschehen, ohne dabei wirklich gefährlich zu werden. In den entscheidenden Zweikämpfen war Darmstadt immer einen Tick schneller, einfach aggressiver als die Bochumer. Der VfL kam nicht in die gefährliche Zone – die Darmstädter spielten ihre Konter nicht entscheidend aus. Auch das Publikum versuchte noch einmal alles – aber es war wie verhext: Dem VfL Bochum wollte einfach nichts gelingen. Bis zur Nachspielzeit. Bis das Stadion in einen Freudentaumel verfiel.
In Leipzig muss der Umschwung her
Dennoch muss man deutlich sagen, dass die Entwicklung beim VfL insgesamt rückläufig ist. Dem schwachen Spiel in Heidenheim folgte ein ordentlicher Auftritt gegen den 1.FC Nürnberg, das Heimspiel gegen Darmstadt war wieder ein Rückschritt. Durch den guten Saisonstart ist der kleine Negativtrend nicht tragisch – könnte bei Verlängerung aber durchaus gefährlich werden. Mit einem Sieg beim finanzstarken Aufsteiger aus Leipzig könnte jegliche Skepsis aber wieder gebrochen werden. Verzichten muss der VfL dabei auf Anhänger der Ultras und der Faninitative Bochum, die aufgrund den großen Investitionen von Red Bull das Spiel in Leipzig boykottieren. Personell dürfte Peter Neururer aber aus den Vollen schöpfen können – lediglich Jan Simunek ist noch fraglich. Der Rest steht gesund zur Verfügung und sollte die Sieglos-Serie von 4 Spielen in Serie endlich beenden. Ansonsten ist das Glas in Bochum schnell wieder halbleer – statt halbvoll.