Eintracht Braunschweig: Realistische Erwartungen
Die Eintracht startete am 27. Juni in die Vorbereitung auf die Spielzeit 2016/17. Der lockere Aufgalopp erfolgte gegen eine Stadtauswahl der Braunschweiger Zeitung, die 9:1 geschlagen wurde. Im zweiten Vorbereitungsspiel gab es ein 3:0 bei Oberligist Eintracht Northeim, gefolgt von einem 3:3 gegen Odense BK aus der ersten dänischen Liga. Das folgende Testspiel bei Regionalligist Hessen Kassel endete 0:0. Im Rahmen des Trainingslagers im pfälzischen Herxheim gab es bei Waldhof Mannheim ein 7:2. Den tschechischen Erstligisten Bohemians Prag schlugen die Lieberknecht-Schützlinge mit 2:1. Im letzten Test vor Saisonstart gegen Hertha BSC setzte es die einzige Niederlage - 1:2. Nur einen Tag zuvor wurde der französische Erstligist SC Bastia im eigenen Stadion mit 4:1 besiegt.
Bewertung der Transfers: Jung und unbekannt
Wurde vor der vergangenen Saison unter anderem Adam Matuschyk vom 1. FC Köln als prominenter Neuzugang präsentiert, so wartete Manager Marc Arnold in dieser Transferperiode nicht mit großen Namen auf. Der Verein setzte bislang auf junge, entwicklungsfähige Spieler. Keiner der fünf Neuzugänge verfügt über Zweitliga-Erfahrung. Älter als 23 Jahre ist nur einer der Neuen: Quirin Moll (25) wurde ablösefrei von Zweitliga-Aufsteiger Dynamo Dresden verpflichtet. Am meisten auf sich aufmerksam machen konnte in der Vorbereitung der Jüngste des Quintetts: Suleiman Abdullahi. Der 19-jährige Stürmer wechselte von Viking Stavanger aus Norwegen nach Niedersachsen. Der Youngster zeigte bereits vielversprechende Ansätze in den Vorbereitungspartien und avancierte zum erfolgreichsten Torschützen. Doch dann kam der Rückschlag im vorletzten Test gegen Bastia - Außenmeniskusriss im rechten Knie. Damit fällt Abdullahi für die ersten Ligapartien aus. An seine Seite stellte Trainer Torsten Lieberknecht mit Julius Biada (23) einen weiteren Neuzugang. Der Mann, der von Fortuna Köln kam, harmonierte gut mit Abdullahi. Für die Defensive verpflichtete man den Norweger Gustav Valsvik (23) von Strömsgodset für rund 750.000 Euro und mit Onel Hernández (23) von der zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg eine Alternative für die offensiven Außenbahnen.
Mögliche Startelf: Erfahrung und junge Wilde
Im Tor gesetzt ist nach einer starken letzten Spielzeit Rafal Gikiewicz. Er zählt zu den erfahrenen Akteuren im Team und hat sich zu einem verlässlichen Rückhalt entwickelt. Interessant zu sehen wird sein, ob Trainer Lieberknecht weiter vorrangig auf ein 5-3-2-System setzt, das über weite Strecken der abgelaufenen Saison praktiziert wurde. In den Vorbereitungsspielen sah man auch wieder vermehrt eine 4-4-2-Formation. Unabhängig von der taktischen Grundausrichtung wird Kapitän Manuel Correia in der Innenverteidigung den Ton angeben. Allerdings ist er für die ersten beiden Ligapartien noch rotgesperrt. Erste Kandidaten für die übrigen Plätze im Defensivverbund sind die letztjährigen Stammspieler Joseph Baffo, Phil Ofosu-Ayeh und Ken Reichel. Mit ihrer Erfahrung könnten Adam Matuschyk und Mirko Boland in der Mittelfeld-Zentrale dem Team Stabilität verleihen. In der Offensive hat Lieberknecht nicht zuletzt durch die Neuzugänge eine große Auswahl. Einzig Salim Khelifi sollte seinen Platz sicher haben.
Wichtigster Spieler: Salim Khelifi
Als Schlüsselspieler hat sich der eben erwähnte Salim Khelifi herauskristallisiert, der auch immer wieder mit Erstligisten in Verbindung gebracht wurde – unter anderem mit dem Hamburger SV. Den Verantwortlichen ist es gelungen, den 22-Jährigen vom Verbleib zu überzeugen. Auf dem achtfachen und damit besten Torschützen beim BTSV der vergangenen Saison liegen auch diesmal wieder die Hoffnungen der Fans. Mit seiner Schnelligkeit und Wendigkeit bringt der junge Schweizer alle Voraussetzungen mit, um jede Defensive der Liga vor Probleme zu stellen.
Stärken & Schwächen: Hinten stabil, was geht nach vorne?
Die Defensive war das Prunkstück in der letzten Saison. Lange Zeit stellte die Eintracht die Abwehr mit den wenigsten Gegentreffern der Liga. Da in diesem Mannschaftsteil alle Leistungsträger gehalten werden konnten – inklusive Torhüter Gikiewicz – darf man auch in der neuen Spielzeit von einer kompakten und schwer überwindbaren Defensive ausgehen. Daraus resultiert ein weiteres Plus: Die Hintermannschaft ist eingespielt und kennen die Abläufe untereinander. Apropos: Marc Arnold und Torsten Lieberknecht sind ein seit Jahren ein ebenso eingespieltes Manager-Trainer-Gespann. Das sorgt für Ruhe im Verein, die Fans vertrauen den handelnden Personen. Von den Leistungsträgern hat lediglich Offensivmann Gerrit Holtmann den Verein verlassen. Durch seinen Verkauf an Bundesligist Mainz 05 generierten die Löwen drei Millionen Euro. Ansonsten konnte der Kern der Mannschaft zusammengehalten werden. Was dem Team zuletzt etwas abging, war die Spielfreude. Es geschah wenig Überraschendes, das Spiel der Blau-Gelben nach vorne war zu statisch und zu ausrechenbar. Die Folge: Es fehlte die Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor. Was die geschossenen Tore anbelangt, war man lediglich Liga-Durchschnitt. Hier besteht sicherlich der größte Optimierungsbedarf. Vielleicht können die „jungen wilden“ Neuzugänge in dieser Hinsicht Abhilfe schaffen und sorgen für etwas mehr Leichtigkeit und Unbekümmertheit im Offensivspiel.
Fazit & Prognose: Alles kann, nichts muss
Lediglich ein Leistungsträger verließ den Verein, vergleichsweise unbekannte und junge Spieler wurden verpflichtet. Die Breite im Kader konnte vergrößert werden. Wie erfolgreich die Saison letztlich wird, hängt auch davon ab, wie gut und wie schnell sich die Neuzugänge einfinden. Eine Bestätigung der Vorjahresplatzierung (8. Rang) dürfte bei Verantwortlichen und Fans als akzeptabel angesehen werden. Namentlich ist die Eintracht sicherlich nicht so prominent besetzt wie andere Teams, die um den Aufstieg mitspielen wollen – allen voran die Absteiger Stuttgart und Hannover. Daher sind die Niedersachsen auch nicht zu den engsten Aufstiegsanwärtern zu zählen. Aber in deren Schatten könnte der BTSV 50 Jahre nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft eine der Überraschungen der Saison werden. In jedem Fall sind die Erwartungen im Umfeld nicht mehr so hoch wie in den letzten beiden Jahren nach dem Bundesliga-Abstieg 2014.