Eintracht Braunschweig und die chronische Standardschwäche

Eintracht Braunschweig hat trotz einer 1:0-Führung den Auftakt in die neue Saison verpatzt. Die Niedersachsen mussten sich im Heimspiel gegen den SV Sandhausen mit 1:3 geschlagen geben. Vor allem die Schwäche bei Standardsituationen trat am Sonntag im Eintracht-Stadion zu Tage.

Dabei lief zunächst alles nach Plan. Das 1:0 erzielte Stürmer Jan Hochscheidt, nachdem er auf der linken Seite Sandhausens Tim Kister, der ausrutschte, narrte, nach innen zog und vorbei an Gäste-Keeper Marco Knaller flach ins lange Eck vollendete (29.). Doch die Führung hatte nur exakt zwei Minuten Bestand. Weil Schiedsrichter Drees den Ball noch nicht freigegeben hatte, wurde ein ohnehin umstrittener Freistoß der Sandhäuser von der rechten Seite zum Unmut der Heimelf wiederholt. Als hätte sie es geahnt, segelte der mit links hereingegebene Ball von Leart Paqarada direkt auf den Kopf des völlig freistehenden Florian Hübner, der aus rund fünf Metern unbedrängt einköpfen konnte.

Vor der Pause sollte es noch schlimmer kommen für die Gastgeber. Nach einer Flanke im Anschluss an eine Sandhäuser Ecke, geriet eine Kopfballabwehr von Eintracht-Verteidiger Marc Pfitzner zu kurz und zu zentral. Der Ball landete rund 17 Meter vor dem Eintracht-Tor bei Andrew Wooten, der die Kugel annahm, einen Verteidiger aussteigen ließ und mit einem Linksschuss unter die Latte sehenswert verwandelte (41.). Mit dem 1:2 ging es in die Pause. Auf den Rängen machten bereits einige ungeduldige Anhänger mit Pfiffen ihrem Unmut über das Geschehen auf dem Rasen Luft.

Nach vorne zu harmlos

Doch sie wussten nicht, was ihnen noch bevorstehen sollte. Denn besser wurde es aus Sicht der Gastgeber auch in Halbzeit zwei nicht. Braunschweig versuchte zwar, Druck aufzubauen, agierte dabei aber zu umständlich und nicht zielstrebig genug. Torschütze Hochscheidt brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: „Wir haben uns schwer getan, Torchancen herauszuspielen, die letzte Genauigkeit hat gefehlt.“ Anders die Gäste, die wegen des Verstoßes gegen Lizenzierungsvorgaben mit der Hypothek von drei Minuspunkten in die Saison gestartet waren.

In der 65. Minute brachte erneut Paqarada einen Freistoß scharf aus dem rechten Halbfeld in den Strafraum, wo diesmal Gäste-Stürmer Aziz Bouhaddouz mit einer Mischung aus Kopf und Schulter zur Stelle war, das 1:3 besorgte und einmal mehr die Unzulänglichkeiten der Eintracht-Abwehr offenlegte. Es war eine Kopie des 1:1. Die mehr als 20.000 erwartungsfrohen Fans waren bedient. Für Coach Torsten Lieberknecht auch eine Folge des großen personellen Umbruchs im Sommer: „Mir war klar, dass es ganz schwer wird, da wir einen gefühlten Neuanfang machen mussten. So etwas braucht ein gewisses Maß an Zeit, was ich meiner Mannschaft auch gebe.“

Lieberknecht reagierte umgehend und brachte mit Düker und Oehrl zwei frische Offensivkräfte. Was blieb war die mangelnde Durchschlagskraft nach vorne, gegen einen kompakt stehenden Gegner. „Wir haben schon die eine oder andere Situation herausgespielt, nur im letzten Moment kam der Pass im Strafraum nicht an“, bemängelte der Trainer. „Wir gehen 1:0 in Führung, haben alles in der eigenen Hand bekommen aber postwendend das 1:1.“

Bis Freitag hat er nun die Möglichkeit, im Training die „eklatanten Schwächen“ (Lieberknecht)  bei Standards abzustellen und einen Ansatz für mehr Torgefährlichkeit zu finden. Dann wartet auf die Eintracht beim Aufstiegsanwärter in Kaiserslautern, der ehemaligen Heimat des Coaches, eine hohe Hürde.

 

 

 

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