Erzgebirge Aue: Der Fußballgott ist kein Veilchen

Nachsitzen! Nun hat es auch den FC Erzgebirge Aue zum ersten Mal erwischt. Die Erzgebirger müssen nach einem skandalösen Spiel in Darmstadt in die Relegation. Am Böllenfalltor hieß es am Ende 1:0 für die Darmstädter, die nach einer schwachen Vorstellung und dank einiger haarsträubenden Fehlentscheidungen des Schiedsrichtergespanns mit zwei Veilchen vom Platz gingen.

Storks gibt Führungstreffer nicht

Ruhig war es im Erzgebirge gewesen, Hannes Drews hatte die Mannschaft abgeschottet, kein Notfall-Trainingslager, keine Untergangsstimmung. Der Auer Coach wechselt auch im Vergleich zum Unentschieden gegen Dresden nur einmal, Nicolai Rapp ersetzte den gesperrten Fabian Kalig. Zum Abstiegsshowdown brannte auch am Böllenfalltor die Luft, beide Fangruppen verwandelten das altehrwürdige Stadion in einen Hexenkessel. Aue begann druckvoll und hätte früh in Führung gehen müssen. Nach einem Flachschuss von Rizzuto prallte der Ball von Darmstadts Mehlem aufs Tor, Brégerie konnte nur noch hinter der Linie klären. Ein klares Tor, doch Linienrichter Jolk hob die Fahne nicht. Die Veilchen gingen nicht vom Gaspedal und drückten die komplett verunsicherten Lilien in ihre Hälfte. Vor allem über den linken Flügel und Sebastian Hertner machten die Sachsen Alarm, Darmstadt hatte Mühe die Sturmläufe zu klären. In der 31. Minute dann der nächste Aufreger, Darmstadts Platte bugsierte im Strafraum den Ball mit dem Arm aus dem Gefahrenbereich. Erneut blieb die Pfeife stumm, den Veilchen wurde ein klarer Elfmeter verweigert. Kurz zuvor vergab Köpke noch eine weitere Großchance. Darmstadt taumelte, doch die Lilien retteten sich in die Pause.

Ex-Auer Kempe sticht zu

Spätestens in der 2. Hälfte gingen die bangen Blicke dann auch zu den anderen Spielen. Braunschweig erhielt in Kiel eine derbe Packung und stand bereits während der Partie als zweiter direkter Absteiger fest. Fürth gelang der Führungstreffer und so war auch am Böllenfalltor klar, ein Unentschieden würde den Auern nicht reichen. Ein Gegentor hätte wiederum die Lilien auf den Relegationsplatz geworfen. Diese Angst lähmte beide Mannschaften, aktiver bleiben dennoch die Erzgebirger. Dimitrij Nazarov und Co. versuchten alles, einzig das Glück des Tüchtigen fehlte an diesem Tag. Bei seinem Treffer in der 68. Minute stand Pascal Köpke klar im Abseits und immer wieder verhinderte ein Darmstädter Bein den Einschlag im Tor. Wie es im Fußball ist, wer diese Chancen nicht nutzt, wird bestraft. Weit aufgerückt, bekommt die Auer Abwehr einen der wenigen Angriffe der Lilien nicht verteidigt. Der eingewechselte Boyd scheitert noch an Männel, doch der Nachschuss von Kempe rutscht durch die Hosenträger eines Auers ins Tor. Ein Treffer, symptomatisch für das Spiel und die ganze Saison der Lila-Weißen. Aue war geschlagen und umso bitterer waren die Nachrichten aus Heidenheim, die Mannschaft von der Brenz hatte gegen Fürth ausgeglichen, den Veilchen hätte ein 0:0 auch gereicht.

Mit 40 Punkten in die Relegation

„Ich weiß nicht, was wir den Schiedsrichtern getan haben. Es ist innerhalb von vier Wochen die dritte klare Fehlentscheidung, die für unser Spiel entscheidend sein kann.“, konsternierte der angefressene Hannes Drews die Leistung der Referees nach dem Spiel. Der Frust ist nur zu verständlich, rein sportlich gesehen, hätten die Veilchen den direkten Klassenerhalt sich mit der Leistung am Böllenfalltor verdient. Wie vor drei Jahren stehen die Sachsen unter dem Strich auch aufgrund ihres schlechteren Torverhältnisses, so tragen auch die hohen Niederlagen in Dresden und Nürnberg zur jetzigen Misere der Auer bei. In der Relegation wartet ein alter Bekannter, der Karlsruher SC. Bereits 18-mal trafen die beiden Traditionsvereine in der 2. Bundesliga aufeinander, Aue gewann acht Partien, der KSC fünf. Für die Spiele am kommenden Freitag und dem darauffolgenden Dienstag werden die Karten neu gemischt. Hannes Drews wird all seine psychologischen und sportlichen Fähigkeiten bündeln müssen, um seine Mannschaft auf diese Relegation einzustimmen.

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