Erzgebirge Aue: Drews mit dem goldenen Händchen

Fußball ist reine Kopfsache, zumindest kommt man zu diesem Schluss, wenn man die Veilchen vom FC Erzgebirge Aue zurzeit spielen sieht. Auch der FC St. Pauli kann die Erzgebirger nicht stoppen, mit einem 2:1 Heimsieg springt die Mannschaft von Cheftrainer Hannes Drews nach drei Siegen in Folge von Rang 15 auf 8.

 Bouhaddouz antwortet auf Fandrich

Volle Hütte und traumhaftes Wetter, einen schönen Fußballsamstag stand nichts im Weg, wäre da nicht der Ausfall von Malcolm Cacutalua gewesen. Der Innenverteidiger meldete sich kurzfristig mit Magen-Darm-Grippe ab und so rutschte mit Dennis Kempe der letzte verfügbare Abwehrspieler für die Innenvertedigung in die Startelf. Gegen ihren Lieblingsgegner, den FC St. Pauli, gewannen die Veilchen sechs von dreizehn Ligaspielen und auch an diesem Tag begannen die Hausherren druckvoll. Aue übernahm früh das Spielgeschehen, das gesammelte Selbstvertrauen der letzten Woche war den Spielern deutlich anzumerken. Mit taktischer Disziplin in der Defensive und dem schnellen Umschaltspiel hatten die Veilchen ihre Gäste über lange Strecken der ersten Halbzeit im Griff. In der 25. Minute war es dann Fandrich, dem die Hamburger zu viel Platz ließen, der Auer fasste sich ein Herz und sein Schuss aus gut 20 Metern flog, abgefälscht von Avevor, in den Kasten der Kiezkicker. Die Führung weckte die Hanseaten erst auf, die Mannschaft von Trainer Markus Kauczinski schaffte es bisher kaum einmal in den Strafraum der Veilchen. Mit der kompakten Fünferkette hielten die Auer das Zentrum lange Zeit sauber. Kurz vor der Pause intensivierten die Paulianer ihren Bemühungen noch einmal und wurden belohnt. Nach zwei verunglückten Klärungsversuchen von Christian Tiffert legte Buchtmann den Ball in den Strafraum quer auf Bouhaddouz. Der Stürmer, der selbst eine Rückrunde mal an Aue ausgeliehen war, blieb cool und versenkte die Kugel zum 1:1. Keeper Martin Männel sah bei dieser Aktion ähnlich wie seine Vordermänner unglücklich aus.

Kvesic mutig vom Punkt

Im zweiten Durchgang verloren beide Mannschaften ein wenig ihren Zug zum Tor. Aus dem Spiel heraus gelang nicht viel, zu tief und kompakt standen die beiden Abwehrreihen, vor allem St. Pauli stellte das Offensivspiel komplett ein. Aue strahlte nur noch bei Standards Gefahr aus. Die beste Möglichkeit hatte Christian Tiffert, der einen Freistoß aus knapp 30 Metern an der Mauer vorbeizirkelte, die Kugel sprang rechts und links an die Pfosten, doch die Linie überquerte sie nicht. In seinen knapp 100 Pflichtspielen für den FCE gelang dem Routinier noch kein Treffer. Pascal Köpke und Ridge Munsy, die in der Vorwoche mit ihren Toren den Auer Sieg in Regensburg perfekt gemacht hatten, blieben über weite Strecken blass. Es schien auf ein 1:1 Unentschieden hinauszulaufen, bis Hannes Drews reagierte und Mario Kvesic in die Partie brachte. Der Bosnier sortierte sich in der Offensive ein und bei seinem Pass in den Strafraum stoppte St. Paulis Buballa Pascal Köpke regelwidrig. Schiedsrichter Christof Günsch zögerte nicht lange und zeigte auf den Punkt. Kvesic, der für den etatmäßigen Elfmeterschützen Nazarov auf das Feld kam, übernahm die Verantwortung und verwandelte, 2:1. Pauli Keeper Himmelmann hatte die Ecke, doch der Schuss war zu platziert. St. Pauli konnte sich von diesem Rückschlag nicht mehr erholen. Aue gewinnt sein drittes Spiel in Folge und ist nunmehr seit acht Partien ungeschlagen.

Klassenerhalt in greifbarer Nähe

Mit 39 Punkten machen die Veilchen einen riesigen Sprung und finden sich zum ersten Mal seit dem 13. Spieltag wieder in der oberen Tabellenhälfte. Das Formhoch kommt für die Veilchen genau zum richtigen Zeitpunkt, nach der Niederlage von Heidenheim beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz bereits fünf Punkte. Dennoch ist Vorsicht geboten, in diesem Jahr werden die berühmten 40 Zähler nicht den Klassenerhalt sichern. Aue täte gut daran weiter zu punkten, auch mit dem Ehrgeiz die beste Ligaplatzierung seit sieben Jahren zu erreichen. Spürbar ist das neue Selbstvertrauen im Kader der Veilchen, ein Sieg erfordert unbedingten Willen und das Erzwingen von Glück. Ob beim Tor von Fandrich oder dem Elfmeter von Kvesic, die Veilchen haben das nötige Fortune, was ihnen bisher fehlte.

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