Erzgebirge Aue: Kroos verdirbt Meyers Debüt

Seinen Einstand dürfte sich Aues neuer Trainer Daniel Meyer sicher anders vorgestellt haben. Mit leeren Händen kehren die Veilchen von der ersten Auswärtsfahrt aus Berlin zurück. In einem über weite Strecken umkämpften aber ereignisarmen Spiel zwischen Union und Aue machte am Ende ein Geniestreich den Unterschied. Aue beginnt schon wie in den vergangenen Jahren die Spielzeit mit einer Niederlage.
Neue Gesichter, altes System
Ein echtes Sommerloch gab es im Erzgebirge auch in diesem Jahr nicht. Kaum hatte man sich nach dem kuriosen Saisonfinish noch über die Relegation gerettet, warf Trainer Hannes Drews das Handtuch. Wieder einmal musste ein neuer Übungsleiter her und Präsident Helge Leonhardt wurde in Köln fündig. Daniel Meyer übernahm die Veilchen und machte schnell deutlich, dass er eigene Wege gehen möchte. Nicht nur das Personal, auch das System sollte auf den Prüfstand gestellt werden. Die Ergebnisse der Vorbereitung waren vielversprechend, sogar den deutschen Vizemeister Schalke 04 schlug man zur offiziellen Stadioneinweihung. Beim 1. FC Union Berlin folgte nach der Generalprobe nun der erste wirkliche Härtetest. Zwei Neuzugänge schafften den Sprung in die Startelf, Rückkehrer Jan Hochscheidt rückte ins zentrale Mittelfeld und Robert Hermann auf den linken Flügel.
Doch das System war geblieben, eine Fünferkette mit flexiblen Außenverteidigern und einem Zweimannsturm sollte es gegen die Eisernen richten. Einen echten Ersatz für den zu Hertha BSC Berlin abgewanderten Pascal Köpke verpflichteten die Sachsen nicht, viel eher soll die Last auf die Schultern der Mannschaft verteilt werden. Beide Teams taten sich sichtlich schwer dabei von der Sommerpause wieder in den Wettkampfmodus zu wechseln. Chancen waren Mangelware, Aue brauchte bis zur 31. Minute, um Union Keeper Gikiewicz zu einer Parade zu zwingen. Kvesic hielt aus gut 30 Metern drauf. Es begann die erste richtige Drangphase der Veilchen, kurz darauf hatte Kalig noch die Möglichkeit, doch spätestens in der 36. Minute hätte es für Aue klingeln müssen. Wieder war es der Gewinner der Vorbereitung Mario Kvesic der auf dem linken Flügel mit einer scharfen Hereingabe einen Mitspieler suchte und in Dimitrij Nazarov auch fand. Nazarov hätte die Kugel nur noch über die Linie drücken müssen, doch dem Nationalspieler Aserbaidschans fehlte in diesem Augenblick die Handlungsschnelligkeit. Die sehr defensiv eingestellten Hauptstädter hatten kurz vor der Pause große Probleme mit den Auern.
Wie der große Bruder
Den Schwung konnten die Veilchen jedoch nicht über die Pause retten. Nach dem Seitenwechsel zogen sich die Gäste aus dem Lößnitztal spürbar zurück und überließen den Eisernen das Spiel. Wie schon in der Vorsaison lauerten die Veilchen auf Konter, es fehlte ein wirklicher Zielspieler, der den Ball in der gegnerischen Hälfte fixieren konnte. Union hatte mit Anderson in der 56. Minute eine gute Möglichkeit zur Führung, doch auch hier fehlte die Präzision. Alles sah nach einem Unentschieden aus. Bis zur 87. Minute, als der kurz zuvor eingewechselte Felix Kroos zum Freistoß antrat und seinem Namen und großen Bruder alle Ehre machte. Aus gut 25 Metern schweißte er das Spielgerät unhaltbar in den Winkel und entschied somit die Partie zu Gunsten der Hausherren. Aue muss sich nach einem kämpferischen aber insgesamt offensiv zu harmlosen Match aufgrund einer Einzelaktion geschlagen geben.
Heimauftakt gegen Aufsteiger Magdeburg
Jeder Punkt zählt und so werden die Veilchen auch mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch zurück ins Erzgebirge fahren. Am kommenden Wochenende wartet dann schon das nächste Ostduell, die Auer empfangen den dreimaligen DDR-Meister Magdeburg. Auch die Elbestädte verloren am Wochenende nach einem Freistoßtor in der Schlussphase. Einen Fehlstart müssen die Veilchen in diesem Jahr unbedingt vermeiden, will man nicht schon wieder hinterher- statt mitschwimmen.