Erzgebirge Aue: Lehrgeld statt Pokalprämie

Die Veilchen sind einfach keine Turniermannschaft. Auch im dritten Jahr in Folge scheitern die Sachsen in der 1. Runde des DFB Pokal. Mit 1:3 verlieren die Erzgebirger zuhause gegen den 1. FSV Mainz 05 und dass obwohl Aue ab der 3. Minute in Überzahl war. Der Bundesligist nutzte seine wenigen Torchancen deutlich effektiver und zieht verdient in die nächste Runde ein.
Niakhaté fliegt, Maxim trifft
In seinem dritten Pflichtspiel brachte Daniel Meyer die dritte Startformation. Sascha Härtel, das Eigengewächs der Veilchen, kam zu seinem Profidebüt, im Zentrum standen Fandrich und Nazarov neu in der Startelf. Bekanntlich hat der Pokal eigene Gesetze, das musste am Samstag bereits der Titelverteidiger aus Frankfurt spüren, der beim Regionalligisten SSV Ulm sang- und klanglos ausschied. Auch in Aue lag die Pokalsensation in der Luft, denn nach drei Minuten waren die Gäste bereits in Unterzahl. Niakhaté reagierte zu spät und konnte den durchgestarteten Bertram nur regelwidrig vor dem Eindringen in den Strafraum stoppen. Schiedsrichter Zwayer aus Berlin zückte sofort die rote Karte. Mainz ließ sich dennoch nicht aus der Ruhe bringen. Starspieler Gbamin rückte in die Innenverteidigung und Maxim ins zentrale Mittelfeld. So litt durch den Platzverweis einzig die Offensive, in der Abwehr hatte der Bundesligist gegen Aue meist die Oberhand. Die Veilchen versuchten im ersten Durchgang ihre zahlenmäßige Überlegenheit in Chancen umzumünzen, aber außer viel Ballbesitz und einiger Halbchancen bereiteten sie den 05ern wenig Sorgen. Die individuelle Klasse zeigte sich dann in der 31. Minute. Nach einem schlampigen Klärungsversuch von Härtel holten sich die Mainzer die Kugel auf dem rechten Flügel wieder. Der Ball kam über Umwege zu Maxim, der zwei Auer austanzte und von der Strafraumkannte ins rechte Eck traf.
Umstellung auf Viererkette
Daniel Meyer machte sich schon in der Vorbereitung Gedanken um die taktische Ausrichtung und Flexibilität. In der 2. Halbzeit setze er dann auf eine Viererkette, Christian Tiffert rückte ins Mittelfeld, es sicherten nur noch Nicolai Rapp und Fabian Kalig das Zentrum ab. Aue wollte den Ausgleich, spielte mutiger nach vorn und hatte mit Fandrich und Nazarov einige gute Möglichkeiten zum Ausgleich. Doch wieder ließ sich Mainz dadurch nicht aus der Ruhe bringen und lauerte auf Konterchancen. In der 59. Minute war es der eingewechselte Quaison, der an Kalig und Rapp vorbei einen Steilpass erlief und eiskalt ins lange Eck vollstreckte. Aue war geschlagen und die Mainzer drehten weiter auf, nur wenige Minuten später war es dann wieder Maxim der nach mehreren abgewehrten Bällen von Kalig und Männel den Ball im Tor unterbrachte. Mainz zeigte den Veilchen wie man effizienten Offensivfußball spielte und einen Gegner mit Finesse statt mit Kraft auseinandernahm. Einen personellen Unterschied konnte man an diesem Abend nicht erkennen, wohl aber den Klassenunterschied zwischen dem Erst- und Zweitligisten. Aue gab sich trotz des dreifachen Rückstandes nicht auf, bis zur letzten Minuten griffen die Veilchen an und belohnten sich dafür immerhin mit einem Treffer. In der 82. Minute war es Fandrich, der gegen Gbamin an der Eckfahne den Ball eroberte und über Iyoha und Riese landete der Ball im Strafraum bei Pascal Testroet. Der Neuzugang von Dynamo Dresden nahm den Ball klasse an und behauptete sich gegen den Mainzer Bell, sein Schuss knallte direkt unter die Latte.
Voller Fokus auf die Liga
Statt der üppigen sechsstelligen Pokalprämie für das Erreichen der nächsten Runde mussten die Veilchen gegen Mainz einiges an Lehrgeld zahlen. Trotz langer Überzahl und einer Vielzahl an Chancen und Ecken reichte es am Ende nur zu einem Tor. Die bisher so sattelfeste Abwehr kam gegen den Bundesligisten an ihre Grenzen und offenbarte vor allem in der Viererkette große Lücken und Defizite. Daniel Meyer muss mit seinem Team weiter an der Chancenverwertung und der Durchschlagskraft im Sturm arbeiten. In der Liga stehen die Veilchen vor zwei schweren Auswärtsspielen in Köln und Ingolstadt, mit leeren Händen sollten sie nicht zurückkehren.