Erzgebirge Aue: Veilchen in der Ergebniskrise

Eine gute halbe Stunde hält der FC Erzgebirge im Duell mit dem Aufstiegsfavoriten aus Nürnberg mit, dann schlägt der Club mehrmals eiskalt zu. Nach drei Niederlagen in Folge liegen die Nerven im Lößnitztal wie vor einem Jahr blank. Dank der Ausrutscher der Konkurrenz bleiben die Veilchen über dem Strich, doch die sportliche Talfahrt muss in den nächsten Wochen gestoppt werden.
Nürnberg spielt erstklassig
Sechs Gegentore kassierten die Lila-Weißen bereits in der Rückrunde vor dem Spiel in Nürnberg. Cheftrainer Hannes Drews zog daraus Konsequenzen und brachte mit Mario Kvesic einen zusätzlichen Mittelfeldspieler und ließ Pascal Köpke und Cebio Soukou stürmen. Die taktische Justierung hatte Erfolg, trotz des hohen Pressings der Hausherren schafften es die Veilchen eindrucksvoll die Partie gegen die Nummer zwei der Liga in den Griff zu bekommen. Mario Kvesic nahm den Spielgestalter Erras im defensiven Mittelfeld der Franken aus dem Spiel und das Zentrum der Auer wirkte wesentlich stabiler. Beide Teams neutralisierten sich im Mittelfeld, wenn man den Sachsen einen Vorwurf machen konnte, dann dass die Offensivbemühungen zu zaghaft waren. Aue hielt in einer taktisch anspruchsvollen Partie lange gut mit, bis Kevin Möhwald im Dress der Nürnberger eindrucksvoll bewies, warum er im Sommer von einigen Bunddesligisten heiß umworben wurde. In der 37. Minute bekamen die Veilchen die Hausherren nicht gestellt, eine scharfe Hereingabe nahm Möhwald direkt und knallte die Kugel unhaltbar ins Auer Tor. Die erste Kugel saß, der Matchplan von Hannes Drews war durchkreuzt. Auch im zweiten Durchgang blieb der Club eiskalt, Kvesic verlor in der Vorwärtsbewegung den Ball und zwei Doppelpässe später jubelte Möhwald erneut. Wie schon gegen Düsseldorf, wie schon gegen Braunschweig zwingen individuelle Fehler im Zweikampfverhalten die Auer in die Knie. Auch wenn die Leistung phasenweise überzeugte, steht man zum Jahresauftakt ohne Punkte da. Aue brauch einen Brustlöser, der Mannschaft fehlt das nötige Selbstvertrauen und die Sicherheit. Nach einem Gegentor geben die Erzgebirger das Spiel bereits auf.
Drews darf nicht aufgeben
Drei Niederlagen bringen jeden Trainer ins Wanken, doch der FC Erzgebirge Aue bekam es mit den zwei Spitzenreitern der Liga zu tun und verkaufte sich dabei gut, bis man in Rückstand geriet. Eine taktische Idee und Handschrift des Cheftrainers ist zu sehen, auch wenn die Ergebnisse nach drei Pleiten eine andere Sprache sprechen. Vielmehr schaden den Veilchen individuelle Fehler und Unachtsamkeiten, das kostete schon in der Hinrunde wichtige Zähler. Der 1. FC Nürnberg unterstrich eindrucksvoll seine Aufstiegsambitionen, bestrafte kleine Fehler rigoros und schickte die Veilchen mit 4:1 auf die Bretter. Die Mittelfranken waren an diesem Abend unschlagbar effektiv. Hannes Drews genießt weiterhin die volle Unterstützung der Vereinsführung und muss seine erste Bewährungsprobe im Profifußball meistern. Zu sehr liegt der Fokus im Erzgebirge auf der Körpersprache des ruhigen Norddeutschen an der Seitenlinie, Drews mag den typischen Feuerwehrmann nicht verkörpern und so rechneten viele schon mit seiner Aufgabe und dem Rücktritt am vergangenen Wochenende. Viel eher sind in der jetzigen Situation seine Männer gefordert, echte Führungsspieler sucht man neben Christian Tiffert vergebens. Wollen die Veilchen die Wende schaffen, muss auch wieder ein Ruck durch die Mannschaft gehen. Die Ursachen für die Auer Ergebniskrise liegen nicht alleine auf der Trainerbank.
Endspiel Ingolstadt?
Am Sonntag empfangen die Veilchen einen wahren Angstgegner im neuen Erzgebirgsstadion. Die Schanzer vom FC Ingolstadt verloren in der 2. Liga noch nie in Aue, holten sogar zwei Auswärtssiege. Für Hannes Drews könnte es das wohl wichtigste Spiel seiner bisherigen Karriere werden. Auch wenn die Mannschaft von Stefan Leitl favorisiert ist, braucht Drews mindestens einen Punkt, um seinen wackelnden Stuhl zu stabilisieren. Gegen Ingolstadt feierte er in der Hinrunde erst seinen Einstand bei den Veilchen, das Rückspiel könnte bereits sein letztes als Trainer sein. Der verletzungsbedingte Ausfall von Stammspieler Nicolai Rapp dürfte die Angelegenheit nicht einfacher machen. Der FCI verfügt mit Pledl, Kutschke und Kittel über eine sehr gefährliche Offensive und vor allem auswärts spielen die Bayern stark auf und gewannen fünf ihrer elf Spiele auf fremden Rasen.