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FCH-Pokalwahnsinn in München: "Kann man nicht in Worte fassen"

© imago

Nur haarscharf verpasste der 1. FC Heidenheim die Sensation: Ein Lewandowski-Elfmeter kurz vor Schluss verhinderte, dass der FC Bayern München am Ende eines verrückten DFB-Pokal-Viertelfinales gegen den Underdog ausschied. Nach der Partie regierte bei dem Zweitligisten die Trauer über das knappe 4:5 – gleichzeitig wussten aber auch alle Beteiligten, dass sie historisches geleistet hatten.

Süles Platzverweis läutet historischen Abend ein

Als Leon Goretzka in der 12. Spielminute eine Kimmich-Ecke in die Maschen köpfte, deutete noch nichts auf den wahnsinnigen Pokalkrimi hin, der sich wenig später entfalten sollte. Der FC Bayern führte früh mit 1:0 in der heimischen Allianz Arena gegen einen Zweitligisten – die Messe schien gelesen.

Doch dann packte Niklas Süle gegen Heidenheims Andrich die Notbremse kurz vorm Sechzehner aus. Der Videoassistent schaltete sich ein und Schiedsrichter Guido Winkmann schickte den Nationalspieler vom Feld! Den fälligen Freistoß knallte FCH-Urgestein Marc Schnatterer dann auch noch an die Latte – der Zweitligist war damit voll in der Partie: "Mit der roten Karte war es dann ein anderes Spiel", wusste auch Cheftrainer Frank Schmidt. Und seine Mannschaft legte los: Erst wuchtete Robert Glatzel seine Mannschaft per Kopf zum Ausgleich (27.), dann drehte FCH-Urgestein Marc Schnatterer das Spiel noch vor der Pause (39.).

"Niko hat dann All-In gewechselt. Das konnten wir einfach nicht wegverteidigen", rekapitulierte Schmidt nach der Partie. Der Bayern-Coach brachte mit Lewandowski und Coman jede Menge Offensivpower. Mit Erfolg: Müller, Lewandowski und Gnabry stellten innerhalb von 20 Minuten auf 4:2 – doch Heidenheim war noch lange nicht am Boden: "Nach dem 4:2 haben viele gedacht, dass die Dominanz der Bayern zu groß und das Spiel vorbei ist", so Schmidt: "Ich hab aber innerlich daran geglaubt, dass es nicht so ist. Wir haben die Mentalität, dass wir erst aufhören zu spielen, wenn das Spiel abgepfiffen ist. Und mit dem 4:3 waren wir wieder zurück."

Kovac: "Vier Gegentore – das geht nicht"

Für den Anschluss hatte erneut Robert Glatzel gesorgt (74.), und wenig später kümmerte sich der 25-Jährige auch noch um den Ausgleich: Einen Elfmeter lupfte der Stürmer frech in die Mitte zum sensationellen 4:4 (77.)!

Nun war das Spiel endgültig wieder offen – sehr zum Unmut von Bayern-Coach Niko Kovac: "Was mich absolut ärgert ist, dass man das 4:2 als FC Bayern München nicht verwalten kann", monierte der Trainer nach der Partie: "Es war wieder ein wildes, offenes Spiel, das ich in dieser Form nicht mag." Dem FC Bayern fehlte die defensive "Kompaktheit", so Kovac. Ein Umstand, den Heidenheim voll ausnutzte und den Rekordmeister an den Rand einer Niederlage brachte: "So ein Ergebnis hab ich noch nie erlebt. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass in letzter Vergangenheit mal jemand 5:4 gewonnen hat. Du kannst nicht vier Gegentreffer kassieren. Bei allem Respekt – gegen Heidenheim, das geht nicht."

Am Ende war es aber Lewandowski, der den Schlusspunkt setzte und alle Heidenheimer Pokalträume rüde beendete: "Ich bin unendlich traurig, dass wir ausgeschieden sind. Ich glaube, es hätte wirklich auch anders herum ausgehen können", gab Frank Schmidt Einblick in seine Gefühlswelt nach dem Aus: "Andererseits bin ich stolz auf die Mannschaft, auf den Verein. Wir haben heute eine Visitenkarte abgegeben, was Heidenheim ausmacht."

"Davon kann man nicht mal träumen"

Am Ende blieb dem FCH nur der Stolz auf die eigene Leistung – und, mit etwas Abstand, die Erinnerung an einen historischen Pokalabend: "Das kann man gar nicht in Worte fassen, was wir hier heute erlebt haben", so Dreifachtorschütze Glatzel nach dem Spiel: "Davon kann man nicht mal träumen. Schade wirklich, dass es nicht zum Sieg gereicht hat. In ein paar Wochen können wir im Rückblick stolz darauf sein, was wir heute geleistet haben – aber heute tut es noch weh."