Gelingt dem HSV die Wende? "Wir gehen jetzt all in!"
Kann sich der Hamburger SV im Saisonfinale von der enormen Erwartungshaltung befreien, um die Lockerheit in seinem Spiel zurück zu gewinnen? Cheftrainer Daniel Thioune stellt jedenfalls den Anspruch an seine eigene Mannschaft, die nun im Nachholspiel gegen Karlsruhe ihre Tugenden beweisen sollen. Denn mit der aktuellen Situation ist niemand zufrieden.
"Situation ist völlig unbefriedigend!"
Drei Punkte fehlen zu Greuther Fürth, neun Zähler sind es bereits bis Bochum. In Hamburg zittern die Fans zudem vor den Nachholspielen von Holstein Kiel. Nach vier sieglosen Spielen in Folge bleibt die Lage für den HSV angespannt. "Die bisherige Rückrunde ist völlig unbefriedigend, daraus machen wir keinen Hehl", legte auch der Coach seinen Finger in die Wunde. Der Herbstmeister holte bislang nur 15 Punkte aus 13 Partien, was in der zweiten Halbserie den Abstiegskampf bedeuten würde. Doch aus Thioune sprach die Zuversicht: "Auch wenn die aktuelle Situation unbefriedigend ist und wir es nicht mehr komplett in der eigenen Hand haben: abgerechnet wird nach dem 34. Spieltag!"
Vier Spiele sind für die Elbstädter noch zu gehen, eine davon am Donnerstag (18:30 Uhr) gegen Karlsruhe. Defensiv-Allrounder Moritz Heyer wird gelbgesperrt fehlen, dagegen könnte Bakery Jatta (Gehirnerschütterung) möglicherweise wieder fit sein. Wie die Badener ihrerseits nach langer Quarantäne-Pause in Hamburg auftreten, war für Thioune nicht berechenbar: "Der KSC war gezwungenermaßen eine Weile raus, zudem wurden im Nachholspiel am Montag Choi und Hofmann angeschlagen ausgewechselt, insofern wissen wir nicht genau, welche Karlsruher Aufstellung uns erwartet." Unabhängig von den Personalien ahnte der Coach jedoch, dass dem HSV "das Leben möglichst schwer" gemacht werden soll.
Thioune fordert die Tugenden
Die letzten Auftritte des HSV waren "zudem keine Mutmacher". Doch mit den vergangenen Spielen will Thioune nicht länger hadern. "Wir müssen die Freude wiederentdecken, Spiele zu gewinnen, statt Angst zu haben, sie zu verlieren", schwor der 46-Jährige seine Mannschaft ein, von denen er die Grundtugenden im Spiel wieder sehen will. Einsatzwille und Laufbereitschaft gehörten nach Ansicht der Fans zuletzt nicht zu den Vorzeigequalitäten der Elbstädter. Thioune habe aber ein "ungebrochenes Vertrauen" in seine Akteure, die "bis zum letzten Spieltag alles geben wird". Nun müssen die Fans davon überzeugt werden, um ihren Rückhalt im Endspurt zu genießen.
Kann Thioune das Ruder noch herumreißen? "Das ist unser Anspruch an uns selbst. Wir werden alles rausblasen, davon bin ich überzeugt, denn die Mannschaft lebt zu 100 Prozent", versprach der Coach, der den dritten Anlauf zur Rückkehr in die Bundesliga nicht verspielen will. "Deshalb: Birne frei, die Brust breit, der Kopf hoch – wir gehen jetzt all in!", so Thioune.