Zwickmühle Walter: Als Trainer erfolgreich - aber auch tragbar?

Tim Walter hat Holstein Kiel in sicheres Fahrwasser geführt. Unter den Zweitliga-Cheftrainern kann der 50-Jährige nach neun Partien unter seiner Leitung den zweitbesten Schnitt aufweisen. Doch reicht das perspektivisch aus, um den Vertrag mit dem Fußballlehrer zu verlängern? Klar ist auch, dass Walter in seiner kurzen Zeit an der Kieler Förde stark polarisierte.

Vier Siege in Folge nach denkwürdiger PK

Im Februar ging Holstein Kiel ein Wagnis auf dem Trainerposten ein. Nach jahrelangen Erfolgen trennten sich die Störche von Marcel Rapp, um einen neuen Impuls zu setzen - und holten mit Tim Walter jemanden, der die Fans von Anfang an spaltete. Aber in Kiel hatte der 50-Jährige immerhin seine erfolgreichste Trainerstation, nur lagen dazwischen fast sieben Jahre, in denen Walter seine Ziele mit Stuttgart, Hamburg und Hull City nicht erreichte. Und dann starteten die Störche unter dem neuen Cheftrainer auch noch mit einem Unentschieden und zwei Niederlagen.

Eine denkwürdige Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf leitete jedoch die Wende ein, obwohl das zunächst nicht absehbar war. Walter verkaufte einen flapsigen Auftritt vor den Medienvertretern als Schachzug, um den Fokus auf sich und weg von seiner Mannschaft zu lenken. Im eigenen Umfeld schämte sich jedoch mancher Fan für seinen Umgang mit den Journalisten, muteten dem Fußballlehrer Selbstüberschätzung und Arroganz an. Doch es folgten vier Siege in Folge, die Holstein Kiel zum Klassenerhalt verholfen haben. Und plötzlich ist Walter der erfolgreichste Zweitliga-Trainer hinter Miron Muslic.

Sportliche Argumente auf Walters Seite

In neun Matches holte der 50-Jährige einen Schnitt von 1,89 Punkten pro Partie, wodurch er nur knapp hinter seinem S04-Kollegen (2,09 Punkte pro Spiel) liegt. Da Walters Vertrag nur bis zum Saisonende gilt, stellt sich jetzt die Frage nach der Perspektive. Wobei sich genau diese Frage aus sportlicher Sicht natürlich nicht stellt, denn wer verabschiedet freiwillig einen Trainer mit dieser Bilanz? Mit Sport-Geschäftsführer Olaf Rebbe wurde laut Walter vereinbart, dass "wir nach dem Saisonende sprechen". Und angesichts der Ausbeute hat der Cheftrainer alle Argumente auf seiner Seite.

Zwei Punkte werden Kiel dennoch beschäftigen. Walter wird wohl kein Coach sein, der den sicheren Klassenerhalt in der nächsten Saison als Ziel setzt - Mittelmaß war selten das Maß des 50-Jährigen. Dementsprechend dürfte der Ruf nach Verstärkungen laut werden, was kostspielig für den Bundesliga-Absteiger im zweiten Zweitliga-Jahr werden könnte. Und zum anderen bleibt natürlich Walters Image ein Streitpunkt. Vertreter aus Präsidium und Aufsichtsrat sollen dem Cheftrainer weiterhin skeptisch gegenüberstehen, zumal sich kritische Stimmen in weniger erfolgreichen Phase schnell mehren werden. Der Erfolg gibt aktuell eindeutig Walter recht. Die Frage ist daher: Wie lange?

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