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Hamburger SV: Leistner legt Einspruch gegen Sperre ein

imago images / Jan Huebner

Nachdem HSV-Profi Toni Leistner aufgrund seiner Schubs-Attacke gegen einen Fan beim Pokalspiel in Dresden vom DFB für drei Spiele gesperrt worden war, hat er am Montag Einspruch eingelegt.

Anwalt spricht von Notwehr

"Das Recht muss dem Unrecht nicht weichen. Natürlich darf es Selbstjustiz nicht geben – dauert aber ein Rechtsbruch gegen jemanden an, braucht sich dies niemand bieten lassen und kann sich angemessen wehren", sagte Leistners Anwalt Christoph Schickhardt gegenüber der Zeitung. Im Fall Leistner könne man von Notwehr sprechen. Ob die in diesem Fall angemessen war? "Nun ja, er kann ja keinen Polizisten auf die Tribüne schicken. Wenn man die emotionale Gesamtsituation berücksichtigt, habe ich zumindest Verständnis", sagt der Anwalt. Niemand erwerbe mit dem Ticketkauf das Recht, "einen anderen zu beleidigen, auch keinen Spieler, auch wenn das einige offenbar glauben".

Ob der DFB die Sperre reduzieren wird, ist offen. Richter Hans E. Lorenz verwies darauf, für Leistner wegen der Beleidigungen und der vorherigen Pokalpleite des HSV bereits mildernde Umstände berücksichtigt zu haben. "Menschlich kann ich seine Reaktion total nachvollziehen – ich weiß nicht, wie ich in einem solchen Fall reagiert hätte", zeigt Lorenz zwar Verständnis, sagt aber auch: "Der Übergriff eines Spielers auf einen Zuschauer ist ein gravierender Vorfall. So etwas kann nicht mit einem Freispruch enden. Mit drei Spielen plus zwei auf Bewährung hat Herr Leistner ja quasi die Mindeststrafe für eine Tätlichkeit bekommen. Normalerweise sind sechs Spiele mindestens fällig in so einem Fall." Eine Partie hat Leistner am Freitagabend bereits abgesessen.

Aussprache nach dem Spiel

Leistner war am Montag vor einer Woche nach dem Spiel auf die Tribüne geklettert und hatte dort einen Dynamo-Fan zu Boden gedrückt. Als Grund für seine Reaktion gab der 30-Jährige an, dass er und seine Familie zuvor "extrem und massiv unter die Gürtellinie" beleidigt worden war. Der SGD-Anhänger stritt dies ab und sprach von den üblichen Phrasen, "die Fans nach so einem Spiel von sich geben".

Am Dienstag kam es zu einer Aussprache zwischen Leistner und dem Fan, für den HSV-Profi war die Sache "damit aus der Welt". Für den Dynamo-Anhänger könnte die Angelegenheit aber noch ein Nachspiel haben, ihm droht der Rauswurf aus dem Verein. Laut Dynamo-Präsident Holger Scholze habe der Mann aber versichert, dass ein solches Verhalten seinerseits nicht noch einmal vorkommen werde. Zudem habe der Fan angeboten, freiwillig 20 Sozialstunden für ein gemeinnütziges Projekt der Sportgemeinschaft zu leisten.