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Hannover 96: Sportdirektor Jan Schlaudraff freigestellt

© imago images / Sven Simon

Jetzt also doch: Sportdirektor Jan Schlaudraff wurde bei Hannover 96 mit sofortiger Wirkung freigestellt. Die Geschäftsleitung um Klub-Chef Martin Kind begründet die Trennung mit unterschiedlichen Auffassungen zur Ausrichtung der Niedersachsen. Vorerst übernimmt ausgerechnet Gerhard Zuber.

"Man weiß nie, was alles passiert"

Chaotische Tage stehen bei Hannover 96 mittlerweile wohl auf der Tagesordnung und so ist es kaum verwunderlich, dass nun Jan Schlaudraff seinen Posten als Sportdirektor bei den Niedersachsen räumen muss – entgegen aller Treuebekenntnisse.

Schon kurz nach Weihnachten geriet der 36-Jährige ins Fadenkreuz der schlechten Hinrunde, einen Tag darauf beteuerte Klub-Chef Martin Kind den Verbleib des Ex-Profis. "Ich weiß nicht, wer so etwas in die Welt setzt. Jan ist unser Sportdirektor und bleibt das auch", hatte der 75-Jährige vor 17 Tagen noch gesagt – und gerade so nebenbei beigefügt: "Man weiß nie, was alles passiert."

Differenzen mit Schlaudraff

Jetzt ist passiert, was eigentlich schon längst vorhersehbar war: Schlaudraff muss gehen. "Ausschlaggebend sind unterschiedliche Auffassungen über die zentralen Entscheidungen für die Zukunft von Hannover 96", heißt es in einer Mitteilung der Niedersachsen auf der Vereinshomepage, die Weichen für eine Weiterentwicklung des Klubs für die nächsten "Wochen und Monate" seien damit gestellt.

Für Schlaudraff endet damit nach nur einem halben Jahr ein Spießroutenlauf: Nach und nach wurde der Sportdirektor entmachtet. Erst gelang ihm der Transfer des teuren Ersatzkeepers Michael Esser im Sommer nicht, dann konnte er zwei Mal in Folge seinen Wunschkandidaten für den Trainerposten nicht installieren – Kind übernahm die Aufgabe. Dazu traf sich der 96-Boss nach dem Jahreswechsel bereits mit potentiellen Nachfolgern.

Zuber übernimmt kommissarisch

Weil im Transferbereich zuletzt eine Quote "von 70 bis 80 Prozent richtiger Entscheidungen" gefordert wurde – und Schlaudraff im Winter noch keinen Spieler präsentierte – wuchs der Druck auf den Sportdirektor ohnehin noch weiter. Jetzt übernimmt Gerhard Zuber, der schon seit 2017 als Sportlicher Leiter eingestellt ist, vorerst den Posten. Und das, obwohl auch mit dem Österreicher ein Rechtsstreit läuft. Zuber klagte gegen eine Befristung seines Vertrages – und bekam am Mittwoch Recht. Das Arbeitsgericht entschied, dass Zubers unbefristet läuft. Hannover war der Auffassung, dass das Arbeitspapier am Saisonende ausläuft. Die Optionen für den Klub: Abfindung oder Weiterbezahlung. Der Bundesliga-Absteiger entschied sich für letzteres: "Unabhängig von arbeitsgerichtlich zu klärenden Rechtsfragen" genieße Zuber bei der Geschäftsleitung "volles Vertrauen", heißt es.

Damit ist das Stühlerücken in Niedersachsen perfekt. Inzwischen fehlen dem 13. der Liga ein Torwarttrainer (Vereinslegende Jörg Sievers ging nach Schottland), ein Ersatztorhüter (Michael Esser wurde ablösefrei an Hoffenheim verschenkt) und jetzt auch ein Sportdirektor – gekommen ist noch niemand.