Heidenheim: Beste Saisonleistung dämpft die Pauli-Aufstiegshoffnungen
Es war bisher wohl der stärkste Auftritt des 1. FC Heidenheim über die vollen 90 Minuten. Der Gegner war niemand geringeres als der FC Sankt Pauli, der durch das 2:0 (0:0) einen herben Rückschlag in Sachen Aufstiegskampf hinnehmen musste. Die Winterneuzugänge Denis Thomalla und Bard Finne ebneten den sechsten Heimerfolg in dieser Spielzeit.
Pauli sehr abwartend, Heidenheim sucht die Lücke
Es hatten noch gar nicht alle 14.000 Zuschauer ihren Platz eingenommen, da ging bereits das erste Raunen durch das Stadion. Nach gerade einmal elf Sekunden brachte Arne Feick eine scharfe Hereingabe in den Strafraum, wo jedoch kein FCH-Akteur mit der Fußspitze an den Ball kam, um diesen über die Linie zu drücken. Dieser muntere Auftakt schien ein gutes Omen, für ein flottes und unterhaltsames Spiel zu sein. Nur wenige Zeigerumdrehungen später musste Robin Himmelmann zum ersten Mal eingreifen. Robert Leipertz kam an der Strafraumgrenze zum Abschluss, aber Himmelmann lenkte den Ball sehenswert um den Pfosten. Dann jedoch beruhigte sich das Geschehen. Die Gäste zogen sich etwas überraschend sehr weit zurück. Teilweise zogen sie sich bis zu 30 Meter vor das eigene Tor zurück und überließen den Heidenheimern bis dahin das gesamte Spielfeld. Heidenheim suchte vergebens nach freien Räumen. Wurde dann noch versucht ein Ball in die Spitze zu spielen, war die Pauli Defensive hellwach und fing die Bälle konsequent ab. Durch ein schnelles Umschaltspiel wollten sie so selbst zu Torchancen kommen, jedoch ließen sich die Heidenheimer nie komplett herauslocken und waren zudem in der Rückwärtsbewegung sehr stark. Ein missratener Befreiungsschlag von Jan Zimmermann wollte Marc Rzatkowski umgehend ausnutzen und versuchte sein Glück aus dem Mittelkreis heraus. Der Ball verfehlte sein Ziel nur knapp (25.). Ab da an waren die Gäste nun präsenter und liefen die Hausherren früh an, die mit der veränderten Taktik etwas zu kämpfen hatten. Pauli kam nun durch Lennart Thy und Enis Alushi zu weiteren Torchancen, die aber Zimmermann vor keine Probleme stellte. Nach knapp einer halben Stunde hatte Zimmermann dann Fortuna auf seiner Seite, als Alushis Distanzschuss nur an den Pfosten knallte. „Da kannst du auch mal in Rückstand geraten“, so FCH-Coach Frank Schmidt zur Drangphase von St. Pauli. Doch fortan diktierten wieder die Schwaben das Geschehen. Ein letzter Distanzschuss vor der Pause von Marc Schnatterer verpasste das lange Eck nur um wenige Zentimeter (43.).
Kraus und Beermann verkünsteln sich im Fünfmeterraum
Die drückende Überlegenheit der Hausherren hielt auch in der zweiten Halbzeit an. Die Schwaben machten zum Ende der englischen Woche einfach den frischeren Eindruck gegenüber den Hansestädtern. In der 53. Spielminute dann die kurioseste Szene der Partie. Nach einem Schnatterer Eckball kam Robert Leipertz zum Kopfball, Himmelmann parierte glänzend, aber ließ den Ball nur unzureichend abklatschen. Kevin Kraus schaltete am schnellsten, doch anstatt den Ball aus nicht einmal zwei Metern mit aller Wucht ins das Netz zu donnern, legte er den Ball quer zu Timo Beermann, der dann aus zwei Metern den Abschluss suchte, aber nur den sich auf der Linie blockenden Philipp Ziereis fand. Kaum zu glauben, dass aus dieser Situation nicht das 1:0 fällt, befand auch Pauli-Coach Ewald Lienen. „Ich weiß gar nicht, wie der nicht reingehen konnte. Da haben wir großes Glück gehabt.“ Schmidt konnte der Situation aber auch etwas Positives abgewinnen. „Wenn du so eine Chance liegen lässt, da kann es sein, dass du nicht mehr zurückkommst und nicht mehr an dich glaubst, aber das war bei uns heute nicht der Fall.“ Eine bittere Szene ereignete sich nach einer Stunde. Der eingewechselte John Verhoek, welcher am Ende der Saison von Pauli nach Heidenheim wechseln wird, verletzte sich in einem Zweikampf und musste nach nur einer Viertelstunde wieder vom Platz. Der Dominanz der Schwaben tat dies keinen Abbruch. Schnatterer versuchte es aus knapp 26 Metern und Himmelmann hatten mit dem Flatterball einige Probleme, aber konnte ihn letztendlich relativ sicher wegfausten. Die kleine Unsicherheit blieb Leipertz nicht verborgen, welcher ebenfalls frühzeitig den Abschluss suchte, wieder sah Himmelmann beim Schuss ins kurze Eck nicht souverän aus und klatschte den Ball vor die Füße Thomalla, welcher seine Torjägerqualitäten zeigte und den Ball mit vollem Risiko zum 1:0 in die Maschen hämmerte (71.).
Lienen erinnert sich zurück und „verteilt Geschenke“
Nach dem Rückstand wurden die Gäste wieder etwas mutiger, aber es fehlte weiterhin an der Durchschlagskraft. Die Heidenheimer standen hinten sehr kompakt und erzielten das 2:0 aus einem lehrbuchreifen Konter heraus. Bei einer drei-gegen-drei-Situation trug Leipertz den Ball durch das gesamte Mittelfeld. Joker Bard Finne kreuzte geschickt seinen Laufweg und lief sich auf dem rechten Flügel frei, so ergab sich links viel Platz für Schnatterer, der im Strafraum nicht unüberlegt den Abschluss suchte, sondern den Ball direkt quer auf den durchlaufenden Finne legte, der dann keine Mühe mehr hatte den Ball ins leere Tor zu schieben (81.). Ein beispielhafter Konter, der das i-Tüpfelchen auf einer sehr überzeugenden Leistung des FCH war. Daher fiel das Fazit von Schmidt auf der anschließenden Pressekonferenz dementsprechend kurz aber klar aus. „Ich fand uns in der ersten Halbzeit gut und in der zweiten Halbzeit sehr gut.“ Diese hatte dann noch ein weiteres Highlight zu bieten. Ewald Lienen lobte die Kontinuität und die ehrliche Arbeit, mit der in Heidenheim gearbeitet wird. Damit meinte er im speziellen die vergangene Spielzeit, als Heidenheim, obwohl sie bereits den Klassenerhalt sicher hatten, weiter mit vollem Einsatz die letzten Spiele gegen unmittelbare Konkurrenten von Pauli bestritten haben und somit indirekt dem FC St. Pauli auch zum Klassenerhalt verholfen haben. „Es ist ein Tor gewesen, was hätte Aue mehr schießen müssen und dann würde ich hier gar nicht sitzen, sondern in Cottbus. Das ist eine Top Arbeit und ich hab meinen Jungs vor dem Spiel gesagt, lasst ihnen die drei Punkte hier, die haben es verdient.“ Dies zeigt die Lockerheit Lienens, der die Heidenheimer Überlegenheit anerkannte und sah, dass heute einfach nichts zu holen war, weshalb er seinem Team aber keineswegs Vorwürfe machte. Die nächste Chance auf drei Punkte ergibt sich für den FCH am kommenden Sonntag beim Gastspiel in Karlsruhe. Der FC St. Pauli empfängt bereits am Freitag den SC Paderborn.