Hertha BSC vor ungewisser Zukunft – Fans stellen Spieler
Nach dem Abstieg von Hertha BSC, der am Samstagnachmittag durch ein 1:1 gegen den VfL Bochum besiegelt wurde, war die Sprachlosigkeit der Spieler förmlich fassbar. Zudem stehen viele ungeklärte Fragen im Raum. In der kommenden Spielzeit soll vor allem auf die eigene Nachwuchsabteilung gebaut werden.
"Kann es noch nicht realisieren"
Mit brüchiger Stimme erschien Kevin-Prince Boateng nach dem Last-Minute-Remis gegen Bochum, das den endgültigen Abstieg der Berliner bedeutete, zum Interview bei "Sky". Dem 36-Jährigen war deutlich anzumerken, wie sehr in die Situation mitnahm. "Ich kann es noch nicht realisieren. Es ist einfach traurig. Ich liebe den Verein", gab der gebürtige Berliner an. Zwar habe das Team "alles gegeben", aber die "Minimalchance" eben nicht genutzt. Nun müsse er im Urlaub "ein bisschen nachdenken." Derzeit sei er erstmal "gebrochen."
Auch Trainer Pal Dardai, der Hertha erst Mitte April in seiner mittlerweile dritten Dienstzeit als Cheftrainer übernahm, bescheinigte seiner Mannschaft eigentlich "ein gutes Spiel", doch "so ist der Sport, so ist der Fußball." Wie es für ihn selbst weitergehe, ließ der Ungar dabei offen. Der Kontrakt läuft nach dem finalen Spiel gegen Wolfsburg aus. "Wir werden eine Analyse machen, über viele Dinge reden. Ich kann heute nichts sagen. Ich arbeite bei Hertha BSC auch danach. In welcher Position, müssen wir sehen", ließ er offen.
Fans stellen Spieler zur Rede
Noch größer erschien der Frust indes bei den Anhängern. Schon nach der Partie kam es zu der ein oder anderen Unmutsbekundung der Fans auf der Osttribüne. Kritischer soll es nach diesen Szenen zugegangen sein. So sollen sich zwei Fans in den Katakomben aufgehalten haben, wie die "Bild" berichtet.
Im Austausch mit Flügelspieler Maximilian Mittelstädt und Stürmer Florian Niederlechner soll es dann ziemlich deutlich geworden sein. "Ihr könnt von Glück reden, dass wir nichts gemacht haben" und "Sagt den Söldnern, sie sollen sich verpissen", sei den Akteuren von den Anhängern nahegelegt worden seien. Der Frust saß tief.
Großer Umbau geplant
Ein Umbau soll jedoch auch ganz ungeachtet der Meinung der Fans stattfinden. Viele Fragezeichen tauchen in der Planung der kommenden Saison auf. Neben der großen Angst um die Lizenzierung stellt auch die Kaderplanung eine schwierige Aufgabe da, da viele Verträge ihre Gültigkeit verlieren dürften. "Dass es nun einen Umbruch im Kader geben wird, das ist ja wohl jedem klar", merkte Sportdirektor Benjamin Weber an.
Dabei herrsche absoluter Handlungsdruck. "Das sind acht Wochen. Der Handlungsdruck ist da, die Aufgabenstellungen auch", gab er zu. Nun wolle man sich auf Talente aus der erfolgreichen Jugendakademie fokussieren, die den "Berliner Weg" vorantreiben. Ein klares Ziel gäbe es bei Weber dabei nicht. "Wenn man aber den Verein und die Kulisse hier sieht, werden wir alles tun, um wieder hochzukommen. Das ist doch klar", gab sich Weber kämpferisch. Führungsspieler Boateng wurde dabei konkreter. Für ihn sei es das Ziel "erste Liga in zwei Jahren zu spielen."