Hinrundenfazit Braunschweig: Noch zu inkonstant

Nach 19 Spielen steht Eintracht Braunschweig zur Winterpause 2015/2016 auf Tabellenplatz fünf. Die Niedersachsen haben bei vier Punkten Rückstand auf Relegationsrang drei den Aufstieg noch nicht aus den Augen verloren. liga2-online.de wirft einen Blick auf die bisherige Saison:

Beste Abwehr der Liga

Die Braunschweiger agierten vornehmlich im 3-5-2-System, das bei Angriff des Gegners zu einem kompakten 5-3-2 wurde. Coach Torsten Lieberknecht leistete ganze Arbeit. Sein Team verinnerlichte diese im Profifußball eher selten fabrizierte Formation auf Anhieb. Einzig zum Saisonstart gegen den SV Sandhausen gab es noch Abstimmungsprobleme – vor allem bei Standardsituation. Der BTSV verlor und kassierte drei Gegentore. So viele sollten es in den folgenden 18 Ligapartien nie wieder sein. Insgesamt schafften es die Blau-Gelben satte zehnmal „zu Null" zu spielen. Dabei legten sie zwischen Spieltag vier und acht eine Gegentreffer-freie Serie von fünf Matches in Folge hin. Der Lohn: der ehemalige Erstligist hält mit nur 15 kassierten Toren den Bestwert in dieser Statistik.

Offensiv oftmals zu harmlos

Was hinten gut funktionierte, hakte vorne des Öfteren. Trotz eines 6:0 gegen den Karlsruher SC, eines 5:0 beim MSV Duisburg und dem 3:0 beim FSV Frankfurt haperte es bei der Eintracht im Herausspielen und Verwerten von Torchancen. In den besagten drei Partien erzielte Braunschweig mehr als die Hälfte ihrer 27 Hinrundentore – nämlich 14. Hier wird die Misere der Mannschaft deutlich. In den übrigen 16 Partien kam der Deutsche Meister von 1967 folglich nur auf magere 13 Treffer und blieb in sieben Partien gänzlich ohne eigenen Torerfolg. Die Kreativität im Offensivspiel ließ mehrfach zu wünschen übrig. Ein Problem, das auch Lieberknecht immer wieder ansprach, aber bisher noch nicht die entsprechende Lösung gefunden hat. Ein echter Torjäger fehlt dem Team.

Matuschyk, Baffo und Ofuso-Ayeh bringen Stabilität

Die geringe Anfälligkeit in der Defensive ist auch auf die erfolgreiche Integration von drei Neuzugängen zurückzuführen. Drei weitere Verpflichtungen kamen hingegen weniger zum Zuge.

Adam Matuschyk: Der 26-Jährige fehlte nur in einem Spiel, traf als defensiver Mittelfeldspieler einmal. Insgesamt eine solide Hinrunde des ehemaligen Kölners.

Mats Hvilsom: Der Däne spielte noch nicht die Rolle, die er und auch der Trainer sich erhofft hatten. Der Stürmer kam nur zu fünf Einsätzen, getroffen hat er bisher nicht.

Joseph Baffo: Für den 23-jährigen Innenverteidiger lief die Hinrunde vielversprechend. Der Schwede, der im Sommer 2015 U21-Europameister wurde, etablierte sich auf Anhieb in der ersten Elf und kam nach seinem Wechsel von Halmstads BK zu 17 Einsätzen.

Orhan Ademi: Nach einem halben Jahr auf Leihbasis in Aalen kehrte der Schweizer Offensivakteur zur Eintracht zurück. Lediglich sieben Mal streifte der 24-Jährige das blau-gelbe Shirt in der Liga über. Durchgespielt hat er nie. Für Spieler und Verein bisher unbefriedigend.

Jasmin Fejzic: Hinter dem herausragend agierenden Rafal Gikiwicz im Tor bleibt dem vom VfR Aalen gekommenen Schlussmann derzeit nur die Rolle der Nummer zwei. Er durfte sein Können bisher noch nicht unter Beweis stellen.

Phil Ofuso-Ayeh: Auch er wechselte vom letztjährigen Ligakonkurrenten und Drittliga-Absteiger Aalen nach Niedersachsen. Der Ghanaer beackert die rechte Seite, hat sich mit 14 absolvierten Partien dort einen Stammplatz erkämpft.

 

Gikiewicz zählt zu den Besten der Liga – Hvilsom mit Luft nach oben

Nicht nur weil der BTSV mit lediglich 15 Gegentreffern die beste Defensive der 2. Bundesliga stellt, ist Torhüter Rafal Gikiewicz der Spieler der Hinrunde bei den Niedersachsen. Der Pole hatte großen Anteil an dieser starken Bilanz, stand als einziger in sämtlichen Ligaspielen auf dem Platz und fiel mehrfach mit hervorragenden Paraden auf.

Von Mats Hvilsom, dem Ersatz für Torjäger Havard Nielsen, hatten sich die Braunschweiger mehr erhofft. Der Däne hatte bislang einige Anpassungsschwierigkeiten. Er kam auf lediglich fünf Einsätze und spielte mehrmals in der zweiten Mannschaft des BTSV in der Regionalliga Nord. Dort deutete der 23-Jährige mit vier Toren in drei Spielen sein Potential als Torjäger an.

Noch zu inkonstant

Insgesamt fehlte es Braunschweig an der nötigen Konstanz, um zum Rückrundenstart mitten im Aufstiegsrennen mitmischen zu können. Vor allem die Heimauftritte verliefen zu schwankend, nur vier Siege sprangen in zehn Auftritten heraus. Oftmals fiel es der Eintracht schwer, gegen tief stehende Mannschaften zu zwingenden Torchancen zu kommen. Die Folge: Nur 12 Tore erzielten Selim Khelifi & Co. vor heimischem Publikum. Enttäuscht hat das Lieberknecht-Team in der ersten Saisonhälfte dennoch nicht. Vor allem wenn man bedenkt, dass in der Sommerpause eine große Fluktuation im Kader der Niedersachsen herrschte. Leistungsträger wie Havard Nielsen oder Benjamin Kessel, gleichzeitig noch die beiden treffsichersten Akteure der vergangenen Saison, verließen den Verein, zahlreiche neue Spieler mussten integriert werden. Der Umbruch ist durchaus gelungen. Im Pokal überstand man die ersten beiden Runden und scheiterte im Dezember erst in der Verlängerung denkbar knapp beim VfB Stuttgart. Mit dem Erreichen des Pokal-Achtelfinals hat man den finanziellen Spielraum für etwaige Wintertransfers erhöht.

Platz drei in Sichtweite

Trainer Lieberknecht hat bereits angekündigt, „den Kader optimieren“ zu wollen. Gesucht wird ein großgewachsener Verteidiger und ein schneller Zentrumsstürmer. Zwei neue Alternativen für beide Mannschaftsteile wären hilfreich, da der Kader bisher nicht durch eine große Tiefe auffiel. Wegen Sperren und Verletzungen musste im Spiel beim SC Paderborn sogar der 36-jährige Deniz Dogan, inzwischen spielender Trainer der Regionalliga-Mannschaft des BTSV, in der Abwehr aushelfen. Auch die Ausgeglichenheit in der Leistungsstärke kam folglich zu kurz. Die gute Nachricht aus Sicht der Eintracht-Verantwortlichen ist, dass man trotz aller Widrigkeiten nur vier Zähler hinter Relegationsplatz drei rangiert. Sollten die möglichen Neuzugänge sofort zu Verstärkungen werden, hat Braunschweig das Potential, bis zum Ende um Platz drei mitzuspielen. Freiburg und Leipzig sind dagegen nicht mehr in realistischer Reichweite.

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