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HSV-Frust wächst: "Brauchen nicht vom Aufstieg sprechen"

© IMAGO / Jan Huebner

Der Hamburger SV streicht im Aufstiegskampf die Segel. Ein 1:1-Unentschieden im Nachholspiel gegen den Karlsruher SC reichte nicht, um den Anschluss an die Spitzenplätze zu wahren. Der Frust an der Elbe wächst, auch HSV-Torhüter Sven Ulreich kritisierte die eigene Mannschaftsleistung scharf. Geben die Elbstädter jetzt auf?

"Zu viel gefehlt"

Als sich HSV-Torjäger Simon Terodde den Ball in der 55. Spielminute auf dem Elfmeterpunkt zurecht legte, waren die Nerven aller Beteiligten bis zum Zerreißen gespannt. Würde der Angreifer verschießen, so die Fans, passe das ins aktuelle Bild des Hamburger SV. Terodde verschoss tatsächlich, brachte aber den Nachschuss im Tor unter. War das die Befreiung nach ergebnislosen Wochen? Nein, denn nur 60 Sekunden später nickte Daniel Gordon auf der Gegenseite einen Kopfball zum 1:1-Endstand ein. Die Elbstädter blieben bei 52 Punkten stecken, der Rückstand auf Fürth (57) und Bochum (60) bleibt bei drei ausstehenden Spielen riesig. Im Rücken des HSV lauert Kiel.

"Wir wollten und mussten heute gewinnen, doch am Ende hat zuviel gefehlt", ärgerte sich HSV-Schlussmann Sven Ulreich, der beim Gegentreffer machtlos war. Der Druck, den die Konkurrenz in der Tabelle ausübte, war dem Ex-Bayern-Keeper nicht mehr wichtig: "Wir müssen nicht mehr auf die anderen schauen, solange wir unsere Spiele nicht gewinnen." Seit fünf Spielen wartet der HSV nun auf einen Sieg, was die Ausgangsposition im Aufstiegskampf extrem verschlechterte. Es fehlten die Siege. Ulreich knallhart: "Dann brauchen wir nämlich gar nicht über das Thema Aufstieg zu sprechen."

Thioune vermisst Leichtigkeit

Bei den Fans steht vor allem HSV-Coach Daniel Thioune unter Beschuss, doch ein Trainerwechsel kommt für die meisten Anhänger des Klubs jetzt zu spät. Das Rennen ist jedoch noch nicht vorbei, das gilt auch der 46-Jährige. "Wir wollten viel zeigen von dem, was wir uns die Tage im Training erarbeitet haben", erläuterte der Cheftrainer nach Abpfiff und ging direkt in die Analyse. Denn vor allem die kämpferischen Grundtugenden fehlten dem HSV. "Wenn eines von Anfang an offenichtlich war, dann war es sicherlich, dass uns die Leichtigkeit im Spiel gefehlt hat", so der Übungsleiter. Der Führungstreffer durch Terodde hätte vielleicht etwas bewirken können, wäre nicht postwendend das Gegentor gefallen.

"Bei meiner Mannschaft war das eine oder andere Bein schwer. Die Leichtigkeit, die im Kopf nicht da war, hat auch die Beine und Körper gehemmt", führte Thioune seine Analyse weiter aus und betonte, dass der HSV in der Spieleröffnung einige Lösungen parat hatte. Oftmals wurde daraus aber keine gefährliche Aktion kreiert, weil danach die Ideen fehlten. "Unterm Strich ist ein Unentschieden eindeutig zu wenig, für den Anspruch den wir hatten", sagte der HSV-Coach über das Remis gegen Karlsruhe – und beinahe klingt es schon nach Resignation. Aufgeben wird der HSV im Endspurt nicht, doch momentan spricht nichts für ein Comeback der Elbstädter.