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HSV vergibt letzte Chance auf Wiederaufstieg: "Mir tut es Leid für die Fans"

Am Ende stand nur noch Ratlosigkeit: Der HSV hat die allerletzte realistische Chance auf den direkten Wiederaufstieg gegen den SC Paderborn verspielt. Dem einstmaligen Bundesliga-Dino steht damit eine weitere Saison im deutschen Unterhaus bevor – dabei hatten die Hamburger zu Rückrundenbeginn eigentlich alle Möglichkeiten.

Paderborn lässt den Traum platzen

Als der HSV in der Hinrunde auf den SC Paderborn traf, war die Welt an der Elbe noch in Ordnung: Man stand auf dem ersten Platz, schickte den Aufsteiger mit 1:0 wieder nach Hause und gab auch an den kommenden Spieltagen die Tabellenspitze nicht ab. Das zweite Duell gegen die Ostwestfalen, diesmal im DFB-Pokal-Viertelfinale, verlief ebenfalls zufriedenstellend: Diesmal siegten die Rothosen auswärts mit 2:0. Was allerdings nicht zu erwarten war: Der Viertelfinalsieg sollte auch der vorerst letzte Erfolg der Saison bleiben.

Es folgten eine Pleite gegen Magdeburg, zwei Remis gegen Köln und Aue und zwei Niederlagen Union Berlin und Ingolstadt – aus dem Pokal schied der HSV gegen RB Leipzig auch aus. Der HSV verlor den zweiten Tabellenplatz  – und die verbleibende Partie gegen den mittlerweile stark aufstiegsambitionierten SC Paderborn geriet zur allerletzten Chance auf die Bundesliga-Rückkehr.

Doch anstatt der ersehnten Trendwende setzte es vier schallende Ohrfeigen: Je zwei Mal schlugen Vasiliadis (25./46.) und Antwi-Adjej (81./86.) zu, Rick van Drongelens zwischenzeitlicher Anschlusstreffer nützte nichts mehr. Der HSV verlor und hat angesichts eines Rückstandes von drei Punkten und 21 Toren auf Union Berlin keine reelle Chance mehr auf den Relegationsplatz. Das Ziel Wiederaufstieg: Verfehlt.

Hunt: "Wir haben versagt"

"Das Spiel ist aus unserer Sicht ein Spiegelbild der letzten Wochen. Wir haben uns extrem viel vorgenommen, gegen die Entwicklung seit Wochen angekämpft", versuchte Trainer Hannes Wolf auf der Pressekonferenz nach der Partie das Spiel einzuordnen. Doch die Offensivschwäche der Hamburger trat deutlich zu Tage – und Paderborn nutzte seine Chancen eiskalt: "Wir haben ja nie so viele Tore geschossen in dieser Saison, sondern haben es eher über defensive Stabilität geschafft, lange oben dabei zu sein", suchte Wolf nach Erklärungen, musste aber einsehen: "Jetzt haben wir leider auch die verloren."

Das Spiel stellte den Schlusspunkt einer Negativentwicklung dar, die am Ende in einem ungeliebten Klassenerhalt mündet: "Die letzten Wochen sind sehr bitter", so Wolf: "Mir tut es Leid für die fantastischen Fans, für die Mitarbeiter des HSV. Wir haben alles versucht, gegen die Entwicklung anzukämpfen."

Nun stünden "bittere Tage" an, die erst mal verdaut werden müssten. Sportchef Ralf Becker sprach von einer "brutalen Leere", einer "totalen Frustration." So sah es auch die Mannschaft: "Insgesamt haben wir eine katastrophale Rückrunde gespielt. Wir konnten uns aus dem Abwärtsstrudel einfach nicht befreien, obwohl wir immer wieder die Chance hatten", wählte etwa Aaron Hunt deutliche Worte: "Wir haben versagt und uns nicht richtig gewehrt. Natürlich ist die Mannschaft jung, aber wir sind beim HSV und wollten alle aufsteigen. Wichtig ist, dass man in Drucksituationen standhaft bleibt. Das haben wir alle nicht geschafft."

"Wir waren in dieser Saison nicht erstligareif"

"Am Ende haben wir den Aufstieg nicht heute verpasst, sondern wir haben die letzten acht Spieltage einfach nicht das Gesicht eines Aufsteigers gezeigt. Jeder Einzelne – da schließe ich mich ein – muss sich nun hinterfragen, ob er für dieses Ziel in der Rückrunde wirklich alles gegeben hat", zeigte sich auch Ersatzkeeper Tom Mickel, der gegen Paderborn zu seinem zweiten Saisoneinsatz kam, selbstkritisch: "Wir haben zu oft Mentalität vermissen lassen und das darf man nicht! Wenn man für diesen Club spielt, dann muss man Herz, Leben und Leidenschaft zeigen und das Trikot mit Stolz tragen."

Ein Heimspiel im Volkspark bleibt dem HSV noch, diese Tugenden noch einmal an den Tag zu legen – auch, wenn es tabellarisch nicht mehr um viel geht: "Natürlich müssen wir uns da mit Anstand verabschieden, da müssen wir uns bei unseren erstligareifen Fans bedanken", gab Becker gegenüber dem NDR zu Protokoll: "Wir waren in dieser Saison nicht erstligareif, die Fans waren es."