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Kann der SCP noch retten, was (fast) nicht mehr zu retten ist?

© Hübner

Um im Abstiegskampf zu bestehen, braucht man Ruhe. Ganz anders gestaltet sich die Lage momentan beim SC Paderborn. Eine Negativ-Schlagzeile jagt die nächste, dazu die dramatische sportliche Lage und jetzt die Entlassung von Trainer Stefan Effenberg. Auf der Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag musste Präsident Wilfried Finke gleich mehrere Fehler eingestehen, glaubt aber nach wie vor fest an den Klassenerhalt. Diesen soll nun der bisherige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, René Müller, herbeiführen. Doch kann der SCP die Saison überhaupt noch retten? Ein Kommentar.

Effenberg polarisierte (zu viel)

Falsche Entscheidungen ziehen sich seit Juni 2015 wie ein roter Faden durch die Saison des SC Paderborn. Mit (zu) großen Ambitionen gestartet und einem Trainer (Markus Gellhaus), dem jegliche Erfahrung fehlte, fand man sich schnell im Tabellenkeller wieder. Mit Stefan Effenberg kam ein Übungsleiter, der zwar als Spieler auf einen großen Erfahrungsschatz zurückblicken kann, im Trainerbereich jedoch ebenfalls nichts vorweisen konnte. Machte sich anfangs noch eine gewisse Aura bemerkbar, die sich in Form von zwei Siegen zum Einstand äußerten, kehrte schnell wieder Ernüchterung ein. Effenberg polarisierte – am Ende zu viel, um in das sonst eher ruhige Paderborn zu passen. Während seiner fünfmonatigen Amtszeit ließ sich der 47-Jährige zwar nichts zu Schulden kommen, jedoch wirkten Fehltritte aus seiner Vergangenheit nach: Erst der Führerscheinentzug, dann die nicht mehr gültige Trainerlizenz. Präsident Wilfried Finke konnte sich auf der PK am Donnerstag schon gar nicht mehr daran erinnern, mit welchen Negativ-Schlagzeilen der SCP in den vergangenen Wochen in der Öffentlichkeit präsent war – bezeichnend.

Ausgerechnet Finke sorgt für Unruhe Verein

Ausgerechnet Finke, ohne den es weder den SCP in dieser Form, noch die Benteler-Arena geben würde, ist es nun, der mit mehreren Fehleinschätzungen den Abwärtstrend begünstigte. Noch auf der Mitgliederversammlung Anfang Dezember sprach Finke von der zeitnahen Rückkehr in die Bundesliga und verkannte damit die aktuelle Lage "seines" Vereins.  Zwar steht Finke nicht auf dem Platz, musste aber selbst einsehen, dass viele seiner Entscheidungen – auch die Verpflichtung von Stefan Effenberg – zuletzt nicht richtig waren. Ebenfalls keinen Gefallen tat sich der mächtige Präsident damit, bereits während der Halbzeitpausen von Spielen mit der Presse zu reden. Schon da wollte Finke retten, was nicht mehr zu retten war. Die nach dem Spiel in Bielefeld ausgesprochene Job-Garantie bis zum Saisonende war nicht mehr als ein Ablenkungsmanöver, um Ruhe in den Verein zu bekommen. Den medialen Trubel um die Person Stefan Effenberg und die (Zitat) "Begleitmusik aus München" – gemeint ist Ehefrau Claudia – hat Finke schlicht unterschätzt. Ebenso falsch, weil unbegründet, waren die Suspendierungen von Brückner, Lakic und Saglik. Auch mit diesen Entscheidungen brachte (ausgerechnet) Finke unnötig Unruhe in den Verein. Saglik wurde mittlerweile zwar wieder begnadigt, möglicherweise kommt dieser Schritt aber zu spät. Immerhin: Finke steht öffentlich zu seinen Fehlern.

Fehler in der Personalplanung

Abgesehen von einigen Fehlern, für die Effenberg verantwortlich war, spielt auch die Personalplanung eine große Rolle beim seit Monaten anhaltenden Abwärtstrend. Es kommt nicht von ungefähr, dass Spieler wie Mirnes Pepic und Robin Krauße, der in der Winterpause aus der 4. Liga kam, auf einmal Stammspieler sind. Akteure wie Niklas Hohenender, den Effenberg zwischenzeitlich sogar zum Abwehrchef machte, oder Oliver Kirch und Dominik Wydra spielen hingegen schon lange keine Rolle mehr.

Zu viele Fehler!?

Unter dem Strich stehen auf vielen Ebenen zum Teil eklatante Fehler, die niemals hätten passieren dürfen. Am Ende sind es vielleicht zu viele Fehler gewesen, um die Saison in der 2. Bundesliga zu Ende zu bringen. Noch ist der Klassenerhalt zwar machbar, jedoch darf in den verbleibenden zehn Spielen kein weiterer Fehler gemacht werden – sowohl auf, als auch neben dem Platz. Von diesen gab es bisher einfach zu viele – viel zu viele.