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Kommentar: Das war ganz groß, 1. FC Heidenheim!

© imago

Als der FC Bayern München in der Viertelfinal-Auslosung den 1. FC Heidenheim zog, noch dazu in der heimischen Allianz Arena, sprachen die meisten von Losglück. Doch der Zweitligist lieferte einen grandiosen Kampf und demonstrierte, wie dem Rekordmeister beizukommen ist. Ein Kommentar.

Rückschlage? Wegstecken!

Drei Tage vor dem womöglich vorentscheidenden Spiel im Meisterschaftskampf gegen Borussia Dortmund hatte der FC Bayern München vermutlich anderes im Sinn, als einen hochspannenden, geradezu sensationellen Pokalfight gegen den 1. FC Heidenheim bestreiten zu müssen. Doch der Underdog wollte sich dem haushohen Favoriten in echter Rocky-Balboa-Manier einfach nicht geschlagen geben – egal, wie oft die Mannschaft zu Boden ging.

Anstatt direkt das Handtuch zu werfen oder sich in reflexartigen, kopflosen Offensivaktionen drei weitere Gegentreffer zu fangen, spielte der FCH nach dem frühen Rückschlag durch Leon Goretzka zwar mutig, aber doch mit Bedacht nach vorne. Eine weitere Schlüsselszene gab den Gästen natürlich den entscheidenden Vorteil: Niklas Süle wurde nach einer Notbremse erst mit Gelb verwarnt, aber dann durch Eingreifen des Videoschiedsrichters zum frühzeitigen Duschen geschickt. Der Matchplan der Bayern bekam dadurch ein paar ordentliche Kratzer – und Heidenheim konnte die technische Überlegenheit des Gegners plötzlich über das Kollektiv aushebeln. Die größte Willensleistung erbrachte der FCH aber nicht mit der Führung vor der Pause, sondern mit dem Ausgleich eine knappe Viertelstunde vor dem Ende.

Angezählter FCH steht einfach wieder auf

Nach drei brutalen Gegenschlägen war Heidenheim mehr als angezählt – normalerweise steht man nach einem 2:4 in der Allianz Arena nicht mehr auf. Doch der FCH weigerte sich schlicht, K.O. zu gehen: Cheftrainer Frank Schmidt wechselte offensiv, brachte Multhaup und Thomalla für Schnatterer und Theuerkauf. Was folgte, war Anschauungsunterricht für so manchen Bundesligisten, der sich gegen die Bayern gerne mal hinten reinstellt und sich in sein Schicksal ergibt: Die Mannschaft um Angreifer Robert Glatzel bäumte sich erneut auf und schlug doppelt zurück. Vier Auswärtstore in München – ein selten gesehener Schlag ins Gesicht des Rekordmeisters, der nun seinerseits taumelte. Der eingewechselte Thomalla verpasste es in der 82. Minute sogar nur knapp, den entscheidenden Hieb zu setzen – stattdessen gab es einen Lucky Punch für die Bayern durch den Elfmeter in der Schlussphase.

Am Ende reichte es für die aufopferungsvoll kämpfenden Heidenheimer nur zum "Halbfinalisten der Herzen" – ein Titel, den Cheftrainer Frank Schmidt wohl nur allzu gerne für ein weiteres Tor eingetauscht hätte. Doch der FCH zeigte, dass auch der FC Bayern nicht gegen eine Mannschaft gefeit ist, die an einem wahnsinnigen Pokalabend über sich hinauswächst – und dürfte sich mit etwas Abstand gerne an das irre Spiel in München zurückerinnern.