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Kommentar: Warum der Saisonstart des SC Paderborn Respekt verdient

IMAGO / Picture Point LE

Erfolgstrainer verloren, Topscorer verloren, Kapitän verloren – und nach fünf Spieltagen dennoch auf Platz zwei. Der Saisonstart des SC Paderborn verdient Respekt. Ein Kommentar.

Bester Zweitliga-Start der Vereinsgeschichte

Als der SC Paderborn nach zwei Unentschieden zum Auftakt gegen Heidenheim und Nürnberg bei Dynamo Dresden aus dem Pokal ausschied, sahen sich viele Skeptiker bestätigt: Dem SC Paderborn steht nach dem Abgang von Trainer Steffen Baumgart und dem Verlust von Leistungsträgern wie Topscorer Chris Führich und Kapitän Sebastian Schonlau eine schwierige Saison bevor.

Nach dem Wiedersehen mit Dynamo Dresden in der Liga, nur drei Wochen nach dem Pokal-Aus, ergibt sich nun aber ein ganz anderes Bild: Mit elf Punkten aus fünf Spielen und zwölf Toren grüßen die Ostwestfalen vom zweiten Tabellenplatz, sind als einziges Team neben Nürnberg noch ungeschlagen – und blicken auf den besten Saisonstart ihrer Zweitliga-Historie zurück. Selbst in den beiden Aufstiegsspielzeiten 2013/14 und 2018/19 hatte Paderborn nach fünf Spieltagen nicht derart viele Zähler vor dem Konto. Dabei hat der SCP nicht gegen irgendwen gepunktet: Sieben der elf Zähler holten die Ostwestfalen gegen die Teams auf den Plätzen 3 bis 5.

Gnadenlos effektiv

Am Sonntag setzte sich Paderborn mit 3:0 bei Dynamo Dresden durch und revanchierte sich damit für das Aus im Pokal. Für den Aufsteiger war es im zwölften Liga-Spiel die erste Niederlage unter Trainer Alexander Schmidt, der immerhin schon seit Ende April im Amt ist. Dabei war der SCP gar nicht mal die dominantere Mannschaft und hatte gerade mal 43 Prozent Ballbesitz, zeigte sich vor dem Tor aber gnadenlos effektiv und nutzte die ersten drei Chancen, um binnen 18 mit drei Toren davon zuziehen.

Vor allem der Führungstreffer durch Sven Michel nach acht Minuten, dem eine starke Vorlage von Julian Justvan vorausging, war sehenswert herausgespielt. Auch unter Baumgart-Nachfolger Kwasniok spielt der SCP mit viel Power nach vorne, überzeugt mit starkem Pressing und ist taktisch sogar noch flexibler – was sich unter anderem daran zeigt, dass Paderborn mittlerweile auch mal auf lange Bälle aus der eigenen Hälfte setzt.

Starke Neuzugänge, starke Offensive

Sport-Geschäftsführer Fabian Wohlgemuth ist es trotz zahlreicher Abgänge gelungen, einen Kader zusammenzustellen, der sich auf Anhieb gefunden hat. Marcel Mehlem etwa, der gegen Dresden zum zweiten Mal von Anfang an spielte, war am Wochenende mit 12,7 Kilometern der laufstärkste Spieler der Liga. Und in der Abwehr gehört Jasper van der Werff zu den ballsichersten Verteidigern im Bundesliga-Unterhaus. Kurzum: Die bislang zwölf externen Neuzugänge haben den SCP sowohl in der Breite als auch in der Spitze verstärkt.

Apropos Spitze: Wie unter Baumgart ist der Angriff nach wie vor das Prunkstück der Ostwestfalen: Mit zwölf Toren stellt Paderborn zusammen mit Tabellenführer Jahn Regensburg und dem SV Darmstadt 98 den besten Angriff. Allein Sven Michel hat nach fünf Einsätzen bereits vier Tore und zwei Vorlagen auf seinem Konto, Dresden-Doppelpacker Pröger bringt es auf fünf Scorerpunkte. Auch Felix Platte hinterließ mit seinem Doppelpack in Bremen Eindruck. Es ist schon ein wenig überraschend, dass ausgerechnet Dennis Srbeny – in der vergangenen Saison mit 16 Treffern bester SCP-Torjäger – noch ohne Torbeteiligung ist. Auch das zeigt, wie ausgeglichen der Kader ist. Unter dem Strich können sich elf Punkte nach fünf Spielen absolut sehen lassen – gerade vor dem Hintergrund der Umstände, mit denen die Blau-Schwarzen nach der vergangenen Saison zu kämpfen hatten.