Kritik an Ex-Trainer Kauczinski: "Als ob wir auf einem Abstiegsplatz stünden"

Selbst im näheren Umfeld des FC St. Pauli war so mancher überrascht: Sowohl Cheftrainer Markus Kauczinski als auch Sportchef Uwe Stöver wurden am gestrigen Mittwoch von ihren Aufgaben entbunden. An der Seitenlinie soll es nun Jos Luhukay richten. Die Vorstellung des Niederländers nutzte Präsident Oke Göttlich indes für die Erläuterung grundsätzlicher Ansichten - und ließ dabei eine eindeutige Meinung über den geschassten Trainer durchblicken.
"Wenn Ambitionslosigkeit zur Gefahr wird"
Anlass der Medienrunde am Donnerstag war eigentlich die Vorstellung des neuen St. Pauli-Trainers Jos Luhukay. Bevor dieser zu Wort kam, verlas Präsident Oke Göttlich laut "Kicker"-Bericht jedoch eine bemerkenswerte Stellungnahme. So kritisierte der Verantwortliche die "lethargische Stimmung in und um den Verein. Als ob wir auf einem Abstiegsplatz stünden." Die Verantwortung dafür, so viel wurde deutlich, schreibt Göttlich dem am Mittwoch entlassenen Cheftrainer Markus Kauczinski zu. Zur Erinnerung: Trotz zuletzt unbefriedigender Ergebnisse spielen die Hamburger eine ordentliche Runde, stehen derzeit auf dem sechsten Tabellenrang.
Ungeachtet dessen, so der Präsident, seien am Millerntor in den vergangenen Wochen Entwicklungen sichtbar geworden, die den grundsätzlichen Ideen der St. Pauli-Führung widersprächen. Es solle immerhin darum gehen, "Spiele zu gewinnen und nicht zu versuchen, Spiele nicht mehr zu verlieren." Letzteres war offenbar gerade nach der 0:4-Derby-Klatsche gegen den Hamburger SV zu häufig der Fall. Und so seien personelle Konsequenzen unumgänglich, "wenn Ambitionslosigkeit zur Gefahr wird."
Luhukay unterschreibt bis 2021
Mit Kritik in Richtung des ebenfalls freigestellten Sportdirektors Uwe Stöver hielt sich St. Paulis Präsident derweil zurück. Diesem wurde am Ende die ungebrochene Unterstützung des umstrittenen Ex-Trainers zum Verhängnis. Richten soll es am Millertor nun ein äußerst erfahrener Mann - Jos Luhukay. Laut Geschäftsführer Andreas Rettig zeichnet den 55-Jährigen eine ganze Reihe an positiven Eigenschaften aus. "Ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein, fleißig, steht für klare Spielregeln, auch in Stresssituationen immer loyal und ein Fußballfachmann", so Rettig voll des Lobes. Der Niederländer selbst setzt hingegen auf Bescheidenheit: "Ich möchte von Spiel zu Spiel schauen."