Letztes Heimspiel gegen Bochum: Folgt St. Paulis dritter Streich?
Nicht Heimlich, still und leise, sondern mit tosenden Fanfaren hat sich der FC St. Pauli aus der Abstiegszone befördert. Erst wurde der Ligakrösus aus Leipzig geschlagen. Es folgte ein fulminanter Sieg auf dem Betzenberg. Über ein Jahr blieb der Aufstiegsaspirant aus Kaiserslautern zu Hause ungeschlagen. Mit dem Rücken zur Wand scheint es sich für die Hamburger am besten zu spielen. Zu dumm, dass es für den VfL Bochum in den letzten zwei Spielen um nichts mehr geht.
„Wir haben keine Chance, aber die werden wir versuchen zu nutzen“, gab St.-Pauli-Trainer Ewald Lienen die Marschrute gegen den 1. FC Kaiserslautern vor. Mit 2:0 besiegten die Hamburger am Ende den haushohen Favoriten aus der Pfalz, der durch die Niederlage seine Pole-Position im Rennen um Rang zwei verlor. Einen Spieltag zuvor rechnete sich auch RB Leipzig vor dem Spiel gegen die Braun-Weißen noch Chancen auf einen Aufstiegsplatz aus. Nach dem 0:1 am Millerntor war es damit vorbei. Es folgte eine 0:4-Heimschlappe gegen den SV Sandhausen.
St. Pauli selbst steht mit 34 Punkten derzeit auf Rang 15, einen Platz über dem Strich. Lediglich ein mageres Törchen trennt den Kiezklub von Relegationsrang 16. Tatsächlich waren die zwei Siege zuletzt bitter nötig, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der Verein sein Schicksal überhaupt noch selbst in der Hand hält.
Garant für die sechs Punkte, sowie unter Lienens Leitung allgemein, war die Standhaftigkeit der Abwehr. Der eigene Strafraum wurde zu einer undurchdringbaren Festung. Immer stand ein Bein oder ein Fuß zwischen Ball und Tor. Gelang der Gegner über einen Belagerungsturm doch einmal der Durchbruch, war in letzter Not immer noch Schlussmann Robin Himmelmann zur Stelle.
Auf der anderen Seite hat St. Pauli seine besten Torchancen vor allem der eigenen Vehemenz zu verdanken. Die Spieler lassen sich kaum abschütteln und zwingen den Gegner damit zu Fehlern. Diese werden allerdings, wie in der gesamten Saison, zu selten ausgenutzt. Für die mangelnde Zielstrebigkeit in der Offensive muss sich das Team Kritik gefallen lassen. Stattdessen fallen die Treffer viel eher nach einem unerwartetem Geniestreich - wie zuletzt das Tor von Jan-Philipp Kalla oder dem, fantastischen einleitenden Pass von Außenverteidiger Sebastian Schachten über das halbe Spielfeld. Ansonsten wirkt das Spiel vor dem Tor oft unnötig kompliziert. Das führt regelmäßig dann dazu, dass die Hamburger am Ende noch einmal bangen müssen.
Die Partie gegen den VfL Bochum ist das letzte Heimspiel der Saison. Fünf Spiele ist die Lienen-Elf am Millerntor ungeschlagen. Die Atmosphäre ist ohnehin Trumpf. Aufgrund der guten Leistungen zuletzt und der Ausgangsposition von Platz 15, haben viele Fans zusätzlich neue Hoffnung geschöpft.
Die Mannschaft muss jedoch ohne Mittelfeld-Akteur Enis Alushi auskommen, der gegen Kaiserlautern seine fünfte Gelbe sah. Der Rest muss sich auf eine gänzlich andere Dynamik als in den Spielen zuvor einstellen. Bochum ist weder der große Favorit, noch ein Team, das den Ball vom eigenen bis zum gegnerischen Strafraum zirkulieren lässt. Dafür haben sie in Simon Terrodde den torgefährlichsten Angreifer der Liga. St. Pauli muss wohl oder übel, insbesondere vor heimischer Kulisse, mehr auf Ballbesitz zu spielen. Doch genau daran haperte es in dieser Saison so häufig. Andererseits bewies das 4:0 gegen Fortuna Düsseldorf, dass St. Pauli durchaus in der Lage ist, schnellen Offensiv-Fußball zu spielen. Ein frühes Tor wäre sicherlich Gold wert.
Beim aktuellen Aufstand der Kellerkinder ist ein Sieg der Braun-Weißen gegen Bochum nahezu Pflicht. Am vergangenen Spieltag hatten fast alle abstiegsgefährdeten Teams gepunktet. Sollte der VfR Aalen am Sonntag jedoch verlieren und St. Pauli gewinnen, wäre ein direkter Abstieg der Hamburger bereits einen Spieltag vor Saisonende vom Tisch. Lienen’s Fokus liegt jedoch nach wie vor ausschließlich auf der eigenen Mannschaft: „Ich schaue nicht, was die Konkurrenz macht“, ließ er verlauten. Genügend Druck lastet auf jeden Fall auf seinem Team, gegen Bochum alle Punkte einzufahren. Das (vorerst) letzte Spiel der Saison steigt nämlich in Darmstadt, wo die Lilien den direkten Durchmarsch von der Dritten Liga in die Bundesliga besiegeln wollen. Doch St. Pauli hat bekanntlich etwas gegen Aufstiegsaspiranten.