Marco Sailer: "Das zaubert mir ein Lächeln auf das Gesicht“

Marco „Toni“ Sailer spielt seit der Saison 2013/14 für den SV Darmstadt 98 (42 Ligaspiele, zwei Tore, acht Vorlagen). Der Offensiv-Allrounder ist einer der Publikumslieblinge der „Lilien“ und zeichnet sich durch seinen unermüdlichen Einsatz für das Team aus. Im Interview mit liga2-online.de spricht er über wahrgewordene Träume, sein nächstes Tor und seine etwas andere Teilnahme am „Movember“.
liga2-online: Hallo Marco, fangen wir mit einer etwas kryptischen Frage an: Was sagt Ihnen die Zahlenkombination 5,5,2 ?
Marco „Toni“ Sailer: ...helfen Sie mir auf die Sprünge (lacht).
Das ist Ihre derzeitige Statistik: Nach zwölf Spieltagen steht Ihre Mannschaft bei fünf Siegen, fünf Unentschieden und zwei Niederlagen – und sind damit Vierter. Hätten Sie das geglaubt, wenn Ihnen das vor der Saison jemand gesagt hätte?
Ich hätte Ihn nicht völlig für verrückt gehalten, aber geglaubt hätte ich es nicht.
Wie ist diese bisherige Saison zu erklären?
Das ist nicht einfach, aber wenn ich auf die bisherigen Spiele zurückblicke, denke ich, dass wir es wahnsinnig gut machen. Wir stören den Gegner früh, setzen unser aggressives Spiel durch. Die Punkte, die wir bislang geholt haben, haben wir uns verdient. Teilweise hatten wir sogar noch Pech, wir hätten eigentlich vier Punkte mehr haben können.
Es ist schwer gegen uns zu spielen, schwer gegen uns ein Tor zu schießen. Deshalb ist die Leistung an sich nicht schwer zu erklären, aber dass wir momentan auf dem vierten Platz stehen, ist schon verrückt und fühlt sich oftmals wie ein Traum an.
Alle drei Aufsteiger sind oben dabei. Sind die Neuen so gut oder die Liga so schlecht?
Ich denke, dass alle drei Mannschaften sehr gut sind. Ich weiß nicht, ob es das in der Vergangenheit schon mal gegeben hat, dass zu diesem Zeitpunkt der Saison alle Aufsteiger oben mitmischen. Heidenheim zeichnet ebenfalls der Teamgeist aus, das ist mit uns fast identisch. Leipzig hat einfach eine Hammer-Truppe. Ich glaube aber, dass wir alle zurecht dort oben stehen. In dieser Saison ist die Liga ausgeglichener als sonst, spielerisch ist das alles im Vergleich nicht allzu weit auseinander.
Welches Ihrer zwölf Spiele war bislang das Beste?
Das 3:0 gegen Nürnberg war sehr stark (am elften Spieltag, Anm. d. Red.). Aber auch das Spiel in Bochum (zehnterr Spieltag, Anm. d. Red.) fand ich gut. In beiden Spielen haben wir jeweils kaum Chancen zugelassen. Nürnberg hatte am Anfang zwar ein paar Gelegenheiten, aber ich hatte in beiden Partien nicht das Gefühl, dass der Gegner gegen uns ein Tor schießen kann, auch wenn es Bochum in letzter Minute doch geschafft hat. Das ist aber generell ein Zeichen unserer Qualität. Und wenn dann wie gegen Nürnberg die Tore zum richtigen Zeitpunkt fallen, ist das perfekt.
Die Heimstatistik ist beeindruckend: Fünf Siege in sechs Spielen. Gibt Ihnen die Unterstützung der Fans so viel oder wieso ist Ihr Team am Böllenfalltor so stark?
Das Stadion ist derzeit fast immer voll, es kommen mehr Leute. Das macht sehr viel aus. Für uns ist das ein gigantisches Gefühl, zuhause in unserem alten Stadion vor diesen vielen Leuten aufzulaufen. Wobei ich diese Verbindung zu den Fans nicht allein an den Heimsiegen festmachen möchte. Auch auswärts, wo wir zwar noch nicht gewonnen haben, ist die Unterstützung fabelhaft. Gerade am letzten Wochenende in Heidenheim haben die Fans eine herausragende Choreographie auf die Beine gestellt. Das ist der Wahnsinn, wenn man da einläuft. Die Fans schenken uns durch ihre Leistung sehr viel Kraft.

Sie sind einer der Favoriten der Fans. Wie fühlt es sich an, trotz größerer Konkurrenz und weniger Spielzeit bereits beim Warmlaufen gefeiert zu werden?
Ich muss ehrlich sagen, dass es am Anfang der Saison hart war, mich daran zu gewöhnen, nicht mehr alle Spiele von Anfang an und über neunzig Minuten zu bestreiten. Aber gerade in dieser Situation hat es mich unheimlich gefreut, dass ich meinen Status bei den Fans und im Umfeld, den ich mir letzte Saison erarbeitet habe, nicht verloren habe. Dass sie trotzdem an mich denken, zaubert mir jedes Mal ein Lachen aufs Gesicht.
Wann fällt „Toni“ Sailers erstes Saisontor?
Ich gebe mir die größte Mühe! Ich gebe alles dafür, dass es bald soweit ist (lacht). Es ist für mich aber generell ein tolles Gefühl, dass ich trotz meiner Position als Stürmer oder Hängende Spitze nicht allein an Toren gemessen werde. Ich mache mir den Druck selbst, aber ich spüre ihn was das Tore schießen angeht, nicht so sehr von außen. Ich kann mein Spiel in Ruhe durchziehen. Natürlich will ich dieses Vertrauen mit Toren zurückzahlen! Hierfür strenge ich mich an, dass es bald fällt.
Mit Dominik Stroh-Engel, Jerôme Gondorf und Marcel Heller haben bereits drei Stützen des Teams verlängert. Sie haben noch einen Vertrag bis 2015. Ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass sich viele Teamkollegen an Darmstadt 98 binden und Sie auf diese Weise höchstwahrscheinlich zusammenbleiben werden?
Im Fußball wird es immer Veränderungen geben, das ist klar. Aber mir bedeutet es viel, wenn die Jungs hierbleiben. Je länger man zusammenspielt, desto besser wächst man zusammen. Von daher macht der Verein alles richtig.
Wie bewerten Sie die Polemik rund um RB Leipzig, Ihren nächsten Gegner?
Mir geht es zunächst um den Fußball an sich. Ich finde es jedoch nicht in Ordnung, wenn Spieler hin und her geschoben werden sollten, wie es nun in den Medien spekuliert wird. Dennoch sind manche Vereine einfach besser aufgestellt. Wenn Darmstadt einen Gönner hätte, wären auch hier ganz andere Möglichkeiten vorhanden. Ich glaube, dass man diese Vereine nicht immer pro forma an den Pranger stellen sollte. Dennoch sollten sich die Verantwortlichen hinterfragen, ob das alles so richtig ist, was sie entscheiden. Aber generell kann und will ich mir ein tieferes Urteil nicht erlauben.
Haben Sie mit Leipzig noch eine Rechnung offen?
Definitiv. Letzte Saison haben wir zweimal 0:1 verloren, das war sehr bitter. Wir wissen aber, was auf uns zukommt: Sie haben eine sehr starke Mannschaft, und wir müssen sie ärgern, sie bearbeiten. Wir wollen die Punkte hierbehalten.
Wie bewerten Sie als Stürmer Ihre Leipziger Kollegen Daniel Frahn, Yussuf Poulsen und Terrence Boyd?
Das ist schon eine sehr hohe Qualität. Poulsen ist für mich von den Anlagen her der beste Stürmer der Zweiten Liga. Er hat sicher das Potenzial, um in der Bundesliga eine gute Rolle zu spielen. Auch Daniel Frahn hat über Jahre hinweg bewiesen, dass er weiß, wo das Tor steht. Leipzig hat ohne Zweifel sehr viel Offensiv-Power.
Sie machen mit einigen Teamkollegen beim „Movember“ mit, einer Aktion welche mit dem Tragen eines Schnauzers, Aufmerksamkeit auf Prostatakrebs lenken soll. Während die sich anderen komplett rasiert ließen, um sich den Schnauzer wachsen zu lassen, haben Sie sich nur an den Wangen rasieren lassen. Unter der Nase und am Kinn steht der Bart noch. Wieso?
Ich hatte letztes Jahr meine eigene Aktion und habe meinen Bart von Oktober bis Weihnachten wachsen lassen. Das wollte ich dieses Jahr eigentlich wieder machen, aber da kam mir nun der Verein in die Quere (lacht). Deshalb habe ich mich bereit erklärt, die Hälfte meines Bartes zu opfern. Also haben wir an den Wangen alles abrasiert, so bin ich schon mit Schnauzer in den „Movember“ gegangen – und lass ihn natürlich den gesamten Monat stehen (lacht).
FOTOS: FU Sportfotografie