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MSV Duisburg: Hilft nur noch ein moralischer Appell?

Nach der 0:1-Niederlage gegen die SpVgg Greuther Fürth hatte der MSV Duisburg mehr verloren als nur die Partie, Abwehrmann Enis Hajri (Rote Karte in der Nachspielzeit) und Trainer Torsten Lieberknecht (auf die Tribüne verbannt). Mit der Pleite bei den Kleeblättern wurde der kleine Funke an Hoffnung, den sich die Zebras zuletzt aufgebaut hatte, wieder jäh erstickt. Ein Kommentar.

Rückschlag im Auftritt

3:0-Führung, Jubel auf den Rängen, drei wichtige Punkte – das war das Momentum im letzten Heimspiel bei der zwischenzeitlich deutlichen Führung des MSV Duisburg gegen den SV Darmstadt 98. Auch die Pleite im Pokal gegen den SC Paderborn konnte einigermaßen gelassen hingenommen werden, weil das Team auf dem Platz ein akzeptables Spiel lieferte. Bei der SpVgg Greuther Fürth ließen die Duisburger – bis auf ganz wenige Lichtblicke – wieder alle Tugenden vergessen.

"Wir haben es selbst verpasst, das Tor zu machen. Es tut einfach weh gerade und ist richtig enttäuschend. Aber wir machen weiter", präsentierte Neu-Kapitän Gerrit Nauber auf der Vereinshomepage mit einer Erklärung für das Spiel, die der Marke "Copy and Paste" aus zahlreichen vorherigen Versuchen entspricht. Gerne möchte man fragen: Mit welcher Torchance wurde das Tor denn verpasst? Womit macht ihr weiter? Es soll gewiss nicht Naubers Schuld sein, dass ihm nur diese Worte in den Sinn kamen. Jeder andere hätte wohl dasselbe gesagt.

Wenige Lichtblicke, aber sie sind da

Glücklicherweise, will man da fast schon behaupten, hatte sich der MSV nicht an den Diskussionen um den strittigen Elfmeter beteiligt. Mag sein, dass der Ball vor dem vermeintlichen Foulspiel im Aus gewesen war. Mag auch sein, dass das Foul nicht elfmeterwürdig war. Selbst wenn das alles zuträfe, hätten die Zebras vorher 85 Minuten Zeit gehabt, alles in die Waagschale zu werfen, um ein solches Thema überhaupt nicht aufkommen zu lassen. "Wir waren überhaupt nicht präsent", lautete ein Satz aus Torsten Lieberknechts Bewertung des Spiels – die Gründe bleiben unbegreiflich.

Lag es daran, dass Fürth nach fünf torlosen Spielen und 18 Gegentreffern den Trainer gewechselt hatte und die Zebras erst einmal abwarten wollten, wie sich der neue Mann bei den Kleeblättern einlebt? Wohl kaum. Zumal es tatsächlich Lichtblicke gab. Wenige, aber es gab sie: Beispielsweise Ahmet Engin. Der Kicker aus dem eigenen Zebrastall erspielt sich Chancen, arbeitet und läuft viel in seinem Spiel. Einzig die Präzision im Abschluss fehlt dem 22-Jährigen. Oder Moritz Stoppelkamp, der zwar aus jeder erdenklichen Position lieber selbst den Torschuss sucht, aber dafür wenigstens gegen Fürth das Spiel belebte.

Moralischer Appell an die Spieler

Die Liste der Spieler mit Verfehlungen ist bei einem Tabellenletzten deutlich länger. Dennoch nützt es weder der Mannschaft, noch dem Trainer, noch dem Verein oder sonst irgendwem, wenn nun einzelne Spieler an den Pranger gestellt werden. Mit Regäsel, Davari und Blomeyer wurden in der Winterpause bereits drei Spieler aussortiert, der Effekt sollte genügen. Andererseits helfen dem MSV nur noch Spieler, die bereit dafür sind, sich mit Leib und Seele in die nächsten 13 Spiele zu werfen.

Natürlich stellt sich die Frage, ob der eine oder andere mit einhundert Prozent im Kopf bei der Sache ist. Natürlich wird infrage gestellt, ob Torsten Lieberknecht die Mannschaft wirklich erreicht. Natürlich steht Sportdirektor Ivica Grlic angesichts der Verpflichtungen in der Kritik. Das alles sind aber Punkte, die erst nach der Saison eine Rolle spielen und bewertet werden müssen. Zerreißen müssen sich die Spieler, die auf dem Platz stehen. Und da hilft dem MSV nur ein moralischer Appell an seine Jungs. Man möchte eigentlich nur noch sagen: "Liebe Zebras, bitte …" – denn ohne die Elf auf dem Spielfeld steigen die Zebras am Saisonende ab. Die Abrechnung mit allem anderen folgt danach so oder so.