Nach Abstieg: Schalke-Spieler in der Nacht von Fans attackiert
Nach der 0:1-Niederlage am Dienstagabend bei Arminia Bielefeld war es Gewissheit: Der FC Schalke 04 steigt ab, ist erstmals seit 30 Jahren wieder zweitklassig. Einige Anhänger des Klubs ließen nach der Ankunft der Mannschaft am eigenen Stadion ihrem Frust freien Lauf. Es kam zu schlimmen Szenen, Spieler sollen gejagt und mit Gegenständen beworfen worden seien. Indes verspricht Trainer Dimitrios Grammozis, sich vernünftig aus der Liga zu verabschieden.
Spieler flüchten vor Angriffen
Als wäre der erste Abstieg seit 30 Jahren nicht schon schlimm genug für den FC Schalke 04, setzten einige Chaoten in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch noch einen drauf: Nachdem die Mannschaft von der 0:1-Niederlage bei Arminia Bielefeld, die den Gang in die 2. Bundesliga besiegelt hatte, an der Veltins-Arena zurückgekehrt war, wurden die Spieler sogar von "Fans" attackiert. Nach einem zu Beginn friedlichen Empfang von 500 bis 600 Menschen kam es im Anschluss sogar zu regelrechten Jagdszenen. Auf einem Video ist zu sehen, wie Leute vor einem Mob flüchten. Dabei soll es sich um Schalke-Spieler gehandelt haben. Zu hören ist, wie Mark Uth beschimpft wird.
Hautpkommissar Matthias Büscher erklärte gegenüber der "Bild": "Nach der Rückkehr der Schalke-Spieler zur Arena sollte es eine Aussprache mit eine Gruppe Fans geben. Es gab vorher schon Hinweise darauf, deswegen waren Polizeikräfte bereitgestellt. Dann kam es aber unerwartet sofort zu massiven Aggressionen, zwei Spieler sollen getreten worden sein, es flogen Eier und Pyrotechnik. Die Spieler rannten weg, unsere Beamten der Hundertschaft haben dann eingegriffen. Es sind keine Verletzten bekannt, es gab keine Festnahmen. Es wird aber ermittelt, ob und welche Anzeigen es gegen Beteiligte des Angriffs gibt."
Verein bestätigt Vorkommnisse
Der Klub hat die Vorfälle mittlerweile bestätigt, schrieb auf der Homepage, dass "aus der Menge einzelne, bislang nicht zuzuordnende Personen Grenzen überschritten" hätten, "die für den FC Schalke 04 nicht verhandelbar sind". Der Verein werde "es niemals akzeptieren, wenn die körperliche Unversehrtheit seiner Spieler und Mitarbeiter gefährdet wird. Genau das ist in der vergangenen Nacht aber durch die Handlungen von Einzelpersonen geschehen. Der Klub verurteilt dieses Verhalten aufs Schärfste und stellt sich selbstverständlich vor seine Mitarbeiter". Wie die "Königsblauen" mitteilten, hat die Aufarbeitung der Geschehnisse begonnen.
Es ist der traurige und zutiefst verstörende Tiefpunkt einer Horror-Saison für den Klub. Nach nur zwei Siegen aus 30 Partien und lediglich 13 geholten Punkten kann S04 nicht einmal mehr den Relegationsplatz erreichen. Schon seit Monaten wurde immer deutlicher, dass die Mannschaft nicht in der Lage sein wird, die Klasse zu halten. Seit dem 20. April herrscht Gewissheit. Ein Neuaufbau in der zweiten Liga muss nun geplant werden.
"Werden kein Spiel abschenken"
Trainer Dimitrios Grammozis kündigte nach der Pleite in Bielefeld an, sich "vernünftig" mit seinen Profis aus der ersten Liga verabschieden zu wollen. "Wir werden kein Spiel abschenken", wird der 42-Jährige von der Deutschen Presse-Agentur zitiert. Der Deutsch-Grieche hatte Anfang März das Traineramt beim Ruhrpott-Klub übernommen, aber auch nicht mehr die Wende herbeiführen können. In sieben Duellen holte die Mannschaft unter seiner Leitung vier Punkte. "Wir werden uns so gut wie möglich auf die Spiele vorbereiten und nochmal alles geben, damit wir den Verein würdig in diesen letzten Spielen vertreten", sagte er mit Blick auf die Partien gegen Hertha BSC, die TSG Hoffenheim, Eintracht Frankfurt und den 1. FC Köln.
Doch parallel muss der Fokus auf die kommende Saison gerichtet werden. Ziel sei es, eine "schlagkräftige Truppe" aufzustellen, "auf die die Fans wieder stolz sein können". Konkret sollen Spieler verpflichtet werden, "die auch das Emblem würdig tragen. Dass sie wissen, was Schalke ist. Worauf sie sich hier einlassen", so Grammozis. Denn Team-Koordinator und Ex-Profi Gerald Asamoah bezweifelte bei "Sky", "ob alle verstanden haben, für was für einen Verein sie spielen".