Rückschlag für St. Pauli: "Wir haben zu viele Gegentore bekommen"
Der FC St. Pauli lieferte dem Hamburger SV im Stadtderby einen guten Kampf, steht aber am Ende mit leeren Händen da. Damit hat der Verfolger die große Chance verpasst, näher an die Aufstiegsplätze heranzurücken. Das sorgte für mächtig Frust bei allen Beteiligten.
Zoff an der Seitenlinie nach dem Abpfiff
Nach dem Abpfiff einer ereignisreichen und emotional aufwühlenden Partie kochten die Gemüter hoch. St. Paulis Fabian Hürzeler geriet an der Seitenlinie mit den HSV-Verantwortlichen aneinander. Nach Informationen der "Bild" soll ein Co-Trainer des HSV direkt nach dem Spielende zum Abklatschen zur Gästebank gelaufen sein. Dies erzürnte den Pauli-Trainer: "Es war während des Spiels noch respektvoll. Manche müssen sich hinterfragen, wie man dann danach mit einem Sieg umgeht. Ich bin so erzogen worden, dass ich auch im Moment des Sieges Größe zeige und ich finde, dass das auch im Fußball dazu gehört. Das haben einige nicht gemacht".
In der Analyse des Spielgeschehens war der 30-jährige hingegen wieder sachlich und nüchtern: "Ich mache es kurz. Wir haben zu viele Gegentore bekommen. Ich werde auch nicht die Niederlage schönreden, vier Gegentore sind beim HSV zu viel, um etwas zu holen". Dabei war die gute Defensivarbeit bislang die große Stärke seines Teams, das in den vorherigen elf Spielen gerade einmal fünf Tore kassierte. Doch gestern konnten die Gäste dem gegnerischen Druck nicht standhalten. "Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht, wir haben es nicht geschafft, die Dynamik nach dem zweiten Gegentreffer zu stoppen", stellte Hürzeler enttäuscht fest.
Erstmals drei erzielte Tore in der Rückrunde reichen nicht
Der Wendepunkt im Spiel war zweifellos der Treffer zum 1:1 in der 44. Minute. "Der Ausgleich für die Hamburger kam für sie natürlich zur richtigen Zeit. Sie kamen mit sehr viel Wucht aus der Halbzeit raus und bestrafen uns eiskalt", konstatierte Leart Paqarada. Er und seine Teamkollegen bäumten sich gegen den Rückstand auf, verkürzten auf 2:3 und 3:4. Doch die meisten Tore, die St. Pauli in einem Rückrundenspiel erzielt hat, waren am Ende nichts wert. Paqarada: "Wenn du drei Tore beim HSV erzielst, sollte das eigentlich in den meisten Fällen reichen, heute hat es das leider nicht, weil der HSV extrem effizient war".
Ein besonderer Abend war es für Elias Saad, der bei seinem zweiten Einsatz zum ersten Mal im Pauli-Trikot traf. Er kam in der Winterpause vom Regionalligisten Eintracht Norderstedt zu den Kiezkickern. "Es ist auch etwas Besonderes, hier zu treffen und überhaupt hier spielen zu dürfen, aber ich bin traurig und enttäuscht über das Ergebnis", sagte der 23-jährige. Für den FC St. Pauli stellt die Niederlage einen Rückschlag dar, nachdem der unglaubliche Zehn-Siege-Lauf sogar die Aufstiegsplätze in greifbare Nähe brachten. Doch nun sind es neun Punkte Rückstand auf den zweiten Platz, der Relegationsplatz ist sieben Punkte entfernt. "Es sind jetzt noch fünf Spiele, 15 Punkte zu vergeben und auf die Partien wollen wir uns jetzt fokussieren", blickt Kapitän Jackson Irvine nach vorne.