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Saisonvorschau Düsseldorf: Aufstiegsträume werden realistisch

Als Bundesliga-Absteiger gab es vor der abgelaufenen Spielzeit für Fortuna Düsseldorf das Ziel direkten Wiederaufstieg. Dieser Anspruch wurde klar verpasst. Stattdessen musste man unter dem neuen Hoffnungsträger Michael Büskens sogar lange Zeit im Abstiegskampf ausharren. Im Dezember wurde der gebürtige Düsseldorfer entlassen. Auch unter seinem Nachfolger Lorenz-Günter Köstner gelang keine spürbare Verbesserung. Erst unter Interimstrainer Oliver Reck, der den erkrankten Köstner ersetzt hat, konnte man die ambitionierten Ziele untermauern und war in der Saisonendphase hinter Zweitliga-Meister 1. FC Köln das stärkste Team der gesamten Spielklasse. Mit 50 Punkten sind die Rheinländer letztlich auf dem sechsten Tabellenplatz eingelaufen und haben den Relegationsplatz um satte zehn Punkte verpasst. In den letzten sechs Saisonspielen gab es fünf Siege und nur eine Punkteteilung beim Karlsruher SC. Deshalb ist es auch nur allzu verständlich, dass Reck zum neuen Chefcoach bei der Fortuna ernannt worden ist.

Vorbereitung, Testspiele und Neuzugänge

Seit Mitte Juni befindet sich die Fortuna in der Saisonvorbereitung auf die neue Zweitliga-Spielzeit, an deren Ende sicherlich der Aufstieg in die Erstklassigkeit stehen soll. Einige Testspiele sind schon absolviert worden. Zunächst gab es gegen den unterklassigen SV Concoria Suurhusen einen klaren 12:1-Auswärtssieg. Beim FC Wegberg-Beeck haben sich die Kicker ähnlich torgefährlich zeigen können und für einen 8:1-Erfolg gesorgt. Deutlich anspruchsvoller war da schon der Oberligist 1. FC Bocholt, der nur mit 5:2 geschlagen werden konnte. Dort wurden erste Nachlässigkeiten in der Defensive deutlich. Zuletzt ist gegen internationale Gegner getestet worden. Zunächst gegen das russische Spitzenteam Lokomotive Moskau, wo es eine Punkteteilung gegeben hat. Ein 5:1-Kantersieg konnte bei Austria Salzburg eingefahren werden. Am nächsten Samstag ist als Highlight der Vorbereitung die Partie gegen den englischen Erstligisten Wigan Athletic geplant. Die letzte Woche vor dem Saisonstart ist mit etwas leichteren Aufgaben gegen TuRU Düsseldorf und den VfB Hilden geplant.

Die Qualität der Mannschaft ist zweifelsfrei deutlich erhöht worden. Als Nachfolger für den zum FC Schalke wechselnden Stammkeeper Giefer kam Lars Unnerstall vom gleichen Verein. Allerdings ist der 24-jährige Blondschopf zuletzt an den FC Aarau ausgeliehen worden. Vom Bundesligisten Werder Bremen kam mit Lukas Schmitz ein neuer Linksverteidiger. Für die Innenverteidigung wechselte Christopher Avevor von Hannover 96 an den Rhein. Als neuer Rechtsverteidiger wird Julian Schauerte (SV Sandhausen) eine Option sein. Sergio Pinto kommt als zentraler Mittelfeldspieler vom spanischen Erstligisten UD Levante. Die Offensivspieler Charlison Benschop (Stade Brest) und Timm Golley (Reserve) gehörten schon im letzten Jahr dem Kader an und wurden nun fest für das Profiteam verpflichtet. Dazu ist der junge Finne Joel Pohjanpalo von Bayer 04 Leverkusen für zwei Jahre ausgeliehen worden.

So könnten die Fortunen spielen:

In den bisherigen Vorbereitungsspielen ist immer mehr deutlich geworden, dass Fortuna Düsseldorf auf eine Achse von drei Spielern setzen möchte, um das Ziel Bundesliga-Aufstieg angehen zu können. In der Defensive ist Adam Bodzek der absolute Chef und konnte zudem schon seit mehreren Jahren mit konstant starken Vorstellungen im Düsseldorfer-Abwehrbereich glänzen. Der Deutsch-Pole wird den Platz in der Innenverteidigung besetzen. Der portugiesische Neuzugang Sergio da Silva Pinto gilt als aggressiver Spieler, der mit seinem sicheren Passspiel für die notwendige Stabilität sorgen kann. Dazu kommt für den kreativen Part noch Michael Liendl dazu, der sich in seinem ersten Halbjahr im deutschen Fußball mit seiner fußballerischen Klasse extrem gut behaupten konnte. Er ist als Spielmacher vorgesehen. Es wird wahrscheinlich auf ein 4-2-3-1-System gegen offensive Kontrahenten hinauslaufen. Gegen defensivere Gegner könnte auf ein 4-3-3-System gewechselt werden. Im Tor scheint Neuzugang Unnerstall das Rennen gemacht zu haben. In der Innenverteidigung könnte sich Avevor den Platz neben „Urgestein“ Bodzek gesichert haben. Schauerte hat aktuell die besten Karten auf der rechten Seite, während links Heinrich Schmidtgal glänzende Perspektiven für ein Mandat in der Startformation besitzt. Neben dem gesetzten Pinto vor der Abwehr könnte Andreas „Lumpi“ Lambertz aufgrund seiner größeren Erfahrung im Vergleich zum jungen Gartner gegen Eintracht Braunschweig anspielen. Erat besetzt nach aktuellem Stand die linke Offensivseite, während Bellinghausen auf der rechten Offensivseite wirbeln wird. Der Österreicher Hoffer könnte die einzige Spitze gegen den Bundesliga-Absteiger bilden.

Sergio da Silva Pinto – Mischung aus Kampf und Kunst

Sergio da Silva Pinto ist mittlerweile 33 Jahre alt, doch hat trotz seines Alters auch weiterhin eine enorm wichtige Funktion. Von UD Levante ist der im portugiesischen Vila Nova de Gaia geborene Pinto zum ambitionierten Zweitligisten in die Modestadt gewechselt. Dies mag vielleicht auch damit zusammenhängen, dass er mit seiner Frau und den beiden Kindern in Aachen mittlerweile einen Lebensmittelpunkt gefunden hat. Der mit einer Mischung aus Technik und Aggressivität spielende Pinto ist in der Jugend vom FC Schalke 04 ausgebildet worden und hat dort auch sein hervorragendes Passspiel entwickeln können. Seine Spielübersicht Zweikampfstärke machen ihn zu einem ganz wichtigen Faktor auf der zentralen Mittelfeldposition. Er wird ein Schlüsselspieler bei der Fortuna sein. Über ihn werden viele eigene Angriffe eingeleitet und gegnerische Angriffe gestoppt.

Was waren die Schwachstellen?

In der Defensive hat die Fortuna in der abgelaufenen Spielzeit oft zu leichte Gegentreffer kassiert. Es fehlte an der notwendigen Konzentration und oft auch Konsequenz im Spiel gegen den Ball. Abwehrspieler wie Latka und Malezas waren sicherlich wuchtig, aber im Spielaufbau oft fehlerhaft, sodass leichte Ballverluste die bittere Folge waren. Auch bei gegnerischen Standards zeigte man sich oft nur wenig stabil. Auf der Außenverteidiger-Position zeigte man sich in Person von Tobias Levels teils massiv fehlerhaft. Es ist nach internen Berechnungen herausgefunden worden, dass zu wenig Flanken geschlagen wurden und zu viele gegnerische Flanken zugelassen worden sind. Ein Manko, welches schnell behoben werden soll, wenn man dauerhaft in der Spitzengruppe mitmischen möchte. Im zentralen Mittelfeld fehlte spürbar eine ordnende Hand, weil dort zu wenig Struktur geherrscht hat. Mit der Verpflichtung von Pinto scheint dieses Problem nun gelöst worden zu sein. Das Umschaltspiel funktionierte meist nur in der Saisonendphase vernünftig.

Stärken – was haben die Spieler gut gemacht?

In den letzten Saisonspielen haben die Kicker auf eindrucksvolle Art und Weise beweisen können, welche große spielerischen Fähigkeiten im Team stecken. Als große Überraschungen taugen zweifelsfrei der Winterneuzugang Liendl, der mit seinen Pässen das Spiel schnell gemacht hat und Angreifer Benschop. Zwölf Treffer sind für den Niederländer eine ordentliche Bilanz. In der neuen Spielzeit möchte er diese Anzahl noch weiter steigern. Auch Hoffer konnte mit seinen neun Treffern überzeugen. Beachtlich, dass einige Eigengewächse wie Tugrul Erat und Timm Goley den Sprung geschafft haben und als Überraschungen zählen. Auch Abwehrchef Bodzek konnte absolut überzeugen und gilt auch in der neuen Spielzeit als echter Hoffnungsträger.

Oliver Reck

Oliver Reck hat es wahrlich schwer gehabt, bei der Fortuna aus Düsseldorf sofort Fuß fassen zu können. Immer, wenn er gebraucht worden ist, hat er funktioniert. Nach der Entlassung von Mike Büskens hat er die Düsseldorfer zu zwei Siegen in Kaiserslautern und Cottbus führen können. Im letzten Spiel des Jahres gab es eine 2:3-Heimniederlage im rheinischen-Derby gegen den 1. FC Köln. Nach der Erkrankung von Büskens-Nachfolger Köstner ist Reck erneut in die Bresche gesprungen und hat in seiner Amtszeit das beste Team in der gesamten 2. Fußball-Bundesliga hinter Primus 1. FC Köln stellen können. Deshalb ist es auch wahrlich nicht allzu verwunderlich, wenn Sportvorstand Helmut Schulte gegenüber dem „Express“ äußerst lobende Worte für ihn findet: „Olli Reck ist unumstritten der Chef, strahlt sehr viel Autorität aus. Aber das ist bei ihm nicht aufgesetzt, er ist einfach so.“ Reck hat sich als Trainer enorm gut entwickeln können und hat auch aus den Fehlern bei seinem letztlich missglückten Trainer-Gastspiel beim MSV Duisburg lernen können.

Wo landet die Fortuna im Jahr 2015?

Die Fortuna wird in der kommenden Spielzeit ganz gewiss zu den Aufstiegskandidaten in der 2. Fußball-Bundesliga zählen. Die Qualität des Kaders ist beachtlich. Trainer Oliver Reck hat einen hervorragenden Zugang zum Team und lässt seine Kicker in der bisherigen Vorbereitung taktisch flexibel agieren. Mit Pinto ist ein neuer Anführer für das Mittelfeld verpflichtet worden. Dazu gibt es enorme Qualität im Angriff, wo die erfahrenen Benschop und Hoffer ihre Trefferanzahl sicherlich noch erhöhen werden. Gezielt sind die Schwachstellen erkannt und mit gezielten Verstärkungen ausgemerzt worden. In der Abwehr ruhen große Hoffnungen auf Schauerte und Avevor. Wenn die Düsseldorfer ihre in den Testspielen gezeigte Kombinationsfreudigkeit an den Tag legen können, ist der Aufstieg sehr realistisch. Neben ihrer Spielstärke gibt es beim langjährigen Bundesligisten auch genügend kämpferische Elemente, sodass die berühmte Mischung stimmt.