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SC Paderborn: Lage wird immer bedrohlicher – Fans flüchten sich in Häme

© imago/Revierfoto

"Mit Leidenschaft und Kampf zurück zu altem Glanz", forderten die Fans des SC Paderborn am Freitag vor dem Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern von ihrer Mannschaft. Während Leidenschaft und Kampf über weite Strecke durchaus zu erkennen waren, ist vom Glanz alter Tage, als man sensationell in die Bundesliga aufstieg, schon lange nichts mehr übrig. Noch kann die Saison zwar gerettet werden, doch es bedarf einer schnellen Kehrtwende. Auch, damit die Fans zurückgewonnen werden. Ein Kommentar.

"Heimsieg ist nur einmal im Jahr"

Nach der herben 0:4-Klatsche gegen den FCK taumelt der SCP immer mehr dem Abstieg entgegen. Da mit Fortuna Düsseldorf am Sonntag ein direkter Konkurrent drei Punkte einfahren konnte, beträgt der Abstand zum rettenden Ufer nun bereits sechs Zähler. Aufgrund der überaus schwachen Tordifferenz benötigen die Ostwestfalen aber wohl schon sieben Punkte, um die Fortuna zu überholen. So richtig groß scheint der Glaube an die direkte Rettung daher nicht mehr zu sein. 13 Spiele stehen zwar noch aus, doch die Leistung, die Paderborn seit vielen Wochen zeigt, lässt selbst die größten Optimisten am gesicherten Klassenerhalt zweifeln. Nicht anders ist es zu verstehen, dass sich viele Fans schon während des Heimspiels gegen Kaiserslautern in Häme und Spott flüchteten: "Aber scheiß drauf, Heimsieg ist nur einmal im Jahr" oder "Wir fahren weit, wir zahlen viel und verlieren jedes Spiel" war ab Mitte der zweiten Halbzeit aus dem Fanblock zu hören.

Hämischer Applaus

Allein die Tatsache, dass in Fankreisen vereinzelt Torsten Legat als neuer Trainer ins Gespräch gebracht wurde, zeigt, wie verzweifelt die Fans sind. Rufe, die die Entlassung von Trainer Stefan Effenberg forderten, blieben – anders als in einigen Medien fälschlicherweise berichtet wurde – übrigens aus. Diese kamen ausschließlich aus dem Block der FCK-Fans. Auf Seiten der Paderborner war man viel zu sehr damit beschäftigt, die Leistung der eigenen Mannschaft zu kritisieren: In der Schlussphase wurde jeder gewonnene Zweikampf und jeder Torschuss mit einem hämischen Klatschen gefeiert. Kein gutes Signal an die Mannschaft, die selbst nach dem 0:4 noch nicht aufsteckte und verzweifelt versuchte, den Anschlusstreffer herbeizuführen. Doch wie schon gegen Sandhausen gelang dies nicht. Knapp 10 Minuten vor dem Ende verließen die Fans das Stadion daher bereits in Scharen, eine Gruppe von 100 Anhängern stellte Kapitän Marvin Bakalorz und Manager Michael Born vor dem Stadion zu Rede.

Ein mentales Problem

Es war nicht so, dass sich die Mannschaft keine Chancen herausspielte. Als Süleyman Koc bereits nach 3 Minuten frei vor dem gegnerischen Tor auftauchte, hatten einige Fans schon den Tor-Schrei auf den Lippen. Doch wenn man gegen den Abstieg kämpft, hat man in solchen Szenen kein Glück. Allein Winter-Neuzugang Nicklas Helenius hatte im Verlauf der 90 Minuten mehrere Riesenchancen, vergab jedoch jeweils freistehend aus kurzer Distanz. Auch wenn es seltsam klingt: Eine gewisse Handschrift von Trainer Stefan Effenberg ist dennoch zu erkennen: Oftmals wurde versucht, die Offensive mit langen Bällen über die Außen anzukurbeln. Auch die körperliche Fitness, die unter Vorgänger Markus Gellhaus abhanden gekommen war, ist nun wieder zweitligareif. Doch all dies nützt am Ende nichts, wenn die Chancen nicht genutzt und in der Hintermannschaft zu viele Fehler gemacht werden.

Es wird die Aufgabe von Effenberg sein, das mentale Problem – als solches kann man die Unzulänglichkeiten beim Verwerten der Chancen durchaus bezeichnen – aus den Köpfen der Spieler zu bekommen. Immer wieder, das hat die Vergangenheit gezeigt, kann ein Tor einer Mannschaft längst abhanden gekommenes Selbstvertrauen zurückbringen. Geht der SCP erstmal in Führung, rollt der Ball erst recht. Doch da der Bundesliga-Absteiger mittlerweile seit vier Partien ohne Torerfolg ist, wird der Weg dorthin immer weiter.

Endspiel gegen Bielefeld

Klar ist aber: Beim Spiel gegen Arminia Bielefeld muss der Knoten auf jeden Fall platzen, wenn man doch noch in Richtung direkter Klassenerhalt schauen möchte. Geht auch diese Partie verloren, wird Effenberg seinen Hut nehmen müssen. Allein die Tatsache, dass nach der Partie gegen den DSC Tabellenführer RB Leipzig auf Paderborn wartet, unterstreicht die Bedeutung der Partie. Mit einem Sieg kann die Mannschaft zudem auch einen kleinen Teil des verlorenen Kredits seitens der Fans zurückgewinnen. Diese wünschen sich nichts lieber, als endlich mal wieder einen Sieg ihrer Mannschaft bejubeln zu dürfen. Dies war seit Januar 2015 nur in 7 (!) von 38 Liga-Partien möglich (ligaüberrgreifend). Ein weiterer Grund, warum sich viele Anhänger in Häme flüchten (müssen). Anders ist die aktuelle Lage – auch aufgrund des zweiten drohenden Abstiegs – nicht mehr zu ertragen. Es liegt an der Mannschaft, wieder für bessere Stimmung in Paderborn zu sorgen. Und den Abstieg in die 3. Liga "mit Leidenschaft und Kampf" zu verhindern. Dann kommt vielleicht auch der "alte Glanz" zurück. Zumindest irgendwann.