"Scheiße momentan": HSV-Coach Walter hadert mit der Defensive
Seit vier Pflichtspielen ist der Hamburger SV ohne Sieg. Bei der 2:3-Heimpleite gegen Aufsteiger Magdeburg musste der HSV dabei die dritte Pleite in Folge einstecken. Vor allem die Defensive bereitete Hamburgs Übungsleiter Tim Walter nach dem Spiel Kopfschmerzen.
Torchancen en masse
65% Ballbesitz gegen einen Gegner, der gerne selbst den Ball hat sowie 30 Torschüsse und dennoch eine 2:3-Pleite: Die Statistiken lesen sich zwar kurios, aber spiegeln kaum das wider, was sich vorher auf dem Platz zeigte. Über weite Strecken agierte der HSV gegen clever spielende Magdeburger zu pomadig und verlor am Ende gar nicht unverdient. "So viele Torchancen wie heute hatten wir in den letzten 20 Spielen nicht", musste auch HSV-Coach Tim Walter auf der Pressekonferenz nach dem Spiel feststellen. Dass seine Mannschaft trotzdem als Verlierer vom Feld ging, sei "einfach schlecht".
Ein Grund lag dabei sicherlich in der Verletzungsmisere der Hanseaten. So konnte Top-Stürmer Robert Glatzel lediglich von der Bank kommen. Noch immer laboriere der Angreifer an Problemen im Rücken und bei einer Nominierung für die Startelf herrsche die Angst "so wie gegen Pauli, dass er nicht alles abrufen kann." Auch Routinier Heyer fehlte hinten. "Dennoch jammern wir nicht, sondern spielen dann mit einem 18-Jährigen hinten", hielt Walter zum Start-Debüt von Neuzugang von Wiliam Mikelbrencis fest. Auch Tom Sanne sprang in die Bresche und erzielte kurz vor Schluss den 2:3-Anschluss (90.+3.). Doch auch das konnte die Laune von Walter kaum verbessern. "Freut mich für ihn. Trotzdem haben wir verloren", kommentierte er schmallippig.
"Vorne Druck"
Dass der HSV die Chancen in der Schlussphase dann kaum nutzte, hatte für den Übungsleiter indes nichts mit fehlender Kaltschnäuzigkeit zu tun. Viel mehr sah er das hauptsächliche Problem zwei Stationen weiter hinten. "Wenn du hinten so viel Tore zulässt wie wir in letzter Zeit, dann hast du vorne Druck", ärgerte sich der 46-Jährige. Zehn Gegentore in den letzten drei Pflichtspielen mussten die Hamburger hinnehmen. Die letzte "weiße Weste" liegt schon über einen Monat zurück (2:0 gegen Düsseldorf). Der HSV mache "hinten die Fehler", sodass vorne Druck entsteht, unbedingt treffen zu wollen. Nach einer erfolgreiechen Serie zum Saisonstart befinden sich die Hanseaten, so Walter, nun " in der Serie B, weil sie negativ ist." Doch "in der nächsten Woche versuchen wir es wieder zu drehen", blieb er kämpferisch.
Vor allem in Anbetracht der 0:3-Derbyklatsche gegen St. Pauli und dem (zu) deutlichen 0:4 im Pokal gegen Leipzig war vom HSV eine Antwort erwartet worden. Diese blieb nun aus. Die Situation sei "scheiße momentan, wenn man es so sagen darf", ordnete Walter ein. Nach drei sieglosen Ligaspielen in Folge gerieten die Hanseaten nun im Vergleich zu Darmstadt und Paderborn ins Hintertreffen und bleiben auf dem 3. Platz, was sich aber auch alsbald wieder ändern kann. Die Devise war für Walter nun völlig klar: "Das müssen wir in Zukunft besser machen: Dass wir wissen, dass wir gut sind, aber das müssen wir von Anfang zeigen." Am besten schon am kommenden Sonntag, wenn es zum Topspiel nach Paderborn geht.