• Facebook
  • Twitter

SSV Jahn: Plötzlich ohne Trainer, aber mit neuem Investor

Es war ein ereignisreicher Tag für den frischgebackenen Zweitligisten Jahn Regensburg! Zunächst wurde der überraschende Abgang von Erfolgstrainer Heiko Herrlichbekannt, dann der Verkauf der Mehrheitsanteile der KG an den Münchner Investor Philipp Schober.

Jahn seit Donnerstag auf Trainersuche

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Heiko Herrlich, der mit dem SSV Jahn zweimal in Folge von der vierten in die zweite Liga aufgestiegen war, verlässt die Oberpfalz und trainiert ab sofort den Erstligisten Bayer Leverkusen. Und das obwohl er eigentlich in der kommenden Saison mit den Regensburgern den Klassenerhalt im Fußball-Unterhaus schaffen sollte. Das überraschte alle – sogar Jahns Sportchef Dr. Christian Keller.

Der hatte am Donnerstagnachmittag von Herrlichs Kontakt mit Leverkusen erfahren und wenige Stunden später vom feststehenden Wechsel. Dabei war für ihn und die Fans die Zusammenarbeit in Regensburg eigentlich beschlossene Sache: Der Vertrag bis 2018 von Herrlich war zwar nur für die 3. Liga gültig, man hatte sich aber im Laufe der Rückrunde darauf geeinigt, nach einem eventuellen Aufstieg über einen Vertrag für die zweite Bundesliga zu sprechen. Gespräche hatte es gegeben, grundsätzlich war man sich auch einig. Herrlich selbst hatte immer wieder verkündet, dass er auf alle Fälle in Regensburg bleiben möchte. Doch noch bevor es eine Unterschrift gab, kam das Angebot aus der Bundesliga.

Keller, der mit Herrlich mitten in der Kaderplanung war, äußerte neben der Überraschung seine Enttäuschung – gab ihm aber auch seinen Segen: Eine solche Chance sollte man ergreifen. Nun muss die Kaderplanung ruhen, die Suche nach einem neuen Trainer steht seit gestern Nacht ganz plötzlich auf der To-Do-Liste. Bis zum Trainingsauftakt am 26. Juni werden die Oberpfälzer einen Nachfolger präsentieren, Keller wollte aber noch keinen Namen nennen. Einem Wechsel von Regensburgs Ex-Trainer Markus Weinzierl, mit dem der Jahn vor fünf Jahren in die Zweite Bundesliga aufgestiegen war und heute in Gelsenkirchen entlassen wurde, gab er wenig Chancen: Weinzierl spiele mittlerweile in einer anderen Liga, glaubt Keller.

Keller sieht Verkauf der Anteile entspannt

Die zweite Nachricht des Tages sah der 38-Jährige deutlich entspannter: Heute wurde bekannt, dass der bisherige Hauptanteilseigner der Kommanditgesellschaft, das „BauteamTretzel“ um den langjährigen Mäzen Volker Tretzel, seine Anteile verkauft hat. Neuer Investor in Regensburg ist die „Global Sports Invest AG“ vom Münchner Unternehmer Philipp Schober. Tretzel rettete den Jahn 2005 vor der Insolvenz und hatte seit dem viel Geld in den Verein gesteckt, ihm gehörtenbis heute 90 % der Anteile der SSV Jahn Regensburg GmbH & Co. KGaA. Im Zuge der Regensburger „Spendenaffäre“ musste Tretzel für einige Zeit in Untersuchungshaft, seit der Entlassung war er um den Verkauf seiner Anteile bemüht.

Der SSV Jahn Regensburg e. V. selbst hatte auch ein Angebot abgegeben, um die Anteile zurückkaufen zu können, das Immobilienunternehmen hatte sich aber für das deutlich höhere Angebot der „Global Sports Invest AG“ entschieden. Laut Keller droht dem Jahn aber keine Abhängigkeit: Selbst wenn Schober Geld in den Verein stecken sollte, würde er keine Befugnisse erhalten. Alle Entscheidungsbefugnisse liegen weiter beim Jahn. Selbst wenn Schober den Verein finanziell unterstützen möchte (unter anderem spricht er auf der Homepage seiner AG davon, im infrastrukturellen Bereich investieren zu wollen), erhält er keinen Einfluss auf das operative Geschäft. Angewiesen auf finanzielle Unterstützung ist Regensburg nicht mehr. Der SSV war zwar jahrelang von Tretzel abhängig, sei seit dieser Saison aber autark. Die ersten Gespräche mit Schober verliefen gut, gab Keller an.