St. Pauli bereit für den Wildpark?

Die neue Saison läuft, der Umbau des Millerntor-Stadions ist abgeschlossen. Dennoch bedrückt den FC St. Pauli vor der Partie beim Karlsruher SC (Sonntag, 15:30 Uhr) vor allem eine Altlast: Die Offensiv-Abteilung. Das wurde beim Auftaktspiel gegen Arminia Bielefeld deutlich. Doch gegen den KSC wird auch die Defensive gefragt sein. Das weiß die Mannschaft von Ewald Lienen aus leidiger Erfahrung.

 

Hinten ordentlich, vorne zu langsam

Der Zweitliga-Neuling aus Ostwestfalen hat zwar eine beeindruckende Testspiel-Bilanz von 35:0 Toren, doch er verteilte auch fleißig Geschenke an die Hamburger – wie bei einem Missverständnis zwischen Julian Börner und Schlussmann Wolfgang Hesl. Doch St. Pauli nutzte seine Chancen nicht.  Schlussendlich sprang ein mageres 0:0-Unentschieden heraus. Fast wäre das Spiel in den letzten Minuten sogar noch verloren gegangen. Für den ergatterten Punkt darf sich das Team bei Schlussmann Robin Himmelmann bedanken, der zweimal in letzter Not rettete.

Insgesamt wirkte der Auftritt der Kiezkicker gegen den DSC zu behäbig und berechenbar. Insbesondere das Kombinationsspiel bleibt ausbaufähig. Umso schwerer wiegt daher der Verlust von Neuzugang Ryo Miyaichi, der mit einem Kreuzbandriss langfristig ausfällt. Ein Ersatz für den Japaner wurde bislang noch nicht präsentiert, auch wenn die Chefetage durchaus Handlungsbedarf auf den Außen sieht.

Im Sturmzentrum gaben weder Lennart Thy noch John Verhoek eine sonderliche glückliche Figur ab. Vor allem die oft langsame Ballverarbeitung der beiden nimmt den Angriffen der Braun-Weißen bisweilen den Schwung. Verhoeks Probleme bei der Ballannahme ließen eine äußerst gute Möglichkeit sogar ganz versiegen. Eine weitere Alternative im Sturm, Ante Budimir, wurde ein Wechsel nahegelegt. Eine Leihe zu Energie Cottbus steht im Raum. Immerhin bekannte sich Enis Alushi kürzlich zum Verein. Der Mittelfeldspieler wurde zuletzt immer wieder mit einem Wechsel in Verbindung gebracht.

Schlechte Erinnerungen an den Wildpark

Die mangelnde Torausbeute der Angreifer war bereits in der Vorsaison eines der größten Probleme der Mannschaft. Die Abwehrreihe bleibt ganz klar das Prunkstück der Hamburger, auch wenn ihr in der Schlussviertelstunde gegen Bielefeld ein wenig die Puste ausging. Trainer Ewald Lienen erklärte sich die mangelnde Fitness mit der frühen Phase der Saison. Doch sein Team ist gefordert.

Trotz des verpatzten Auftakts des kommenden Gegners (0:1 gegen Greuther Fürth) ist die Partie im Wildpark ein echter Gradmesser für die Hamburger Defensive. Letzte Saison ging die „Boys in Brown“ nämlich 0:3 in Baden Baden. Das gesamte Team wirkte vom quirligen Spielstil des KSC überfordert. Lienen steht nun also vor einem Drahtseilakt, die Offensive beleben zu müssen und gleichzeitig die defensive Stabilität nicht zu gefährden. Hoffnung macht, dass Karlsruhe ebenfalls eine strapaziöse Saison hinter sich hat und nach dem verpassten Aufstieg der Vorsaison gegen Fürth noch nicht ganz auf der Höhe wirkte.

 

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