Verweigert Dynamo Dresden den Abstiegskampf?
Das Abstiegsgespenst klopft laut an den Toren des Dresdner ''glücksgas stadion'': Die SG Dynamo Dresden verlor ihr Heimspiel am 22. Spieltag gegen den FC St. Pauli mit 1:2 (1:1). Florian Kringe traf in der 35. Minute per Kopf zur Führung der Gäste. Kurz vor dem Halbzeitpfiff erzielte Marco Hartmann den Ausgleich für die Sachsen (44.). Auf die erneute Führung für St. Pauli, welche Marcel Halstenberg mit einem sehenswerten Freistoß besorgte (48.), fand die SGD keine Antwort mehr. Dynamo konnte über weite Strecken der Partie nicht die spielerische Qualität nachweisen, welche für den Klassenerhalt nötig ist. Da die Konkurrenz mehrheitlich punkten konnte, ist der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz auf fünf Zähler angewachsen.
In der Offensive harmlos und uninspiriert
Dynamo Dresden präsentierte sich vor allem im Angriff erschreckend schwach. Vincenzo Grifo, der wegen einer Bauchmuskelzerrung nicht spielen konnte, fehlte an allen Ecken und Enden. Tobias Kempe rückte für Grifo auf den rechten Flügel und übernahm auch dessen Aufgaben als Standardschütze. Kempe offenbarte dabei, warum Grifo mittlerweile für die ruhenden Bälle bei den Sachsen zuständig ist. Auch Idir Ouali, der mit Dynamo um einen besser dotierten Vertrag feilscht, blieb zum wiederholten Mal blass. Die linke Angriffsseite war mit ihm nahezu nicht existent. Sollte ''Unsichtbarmachen'' olympisch werden, so hätte sich heute Ouali mit Mickaël Poté um eine Medaille gerangelt. Die auffälligste Aktion des Stürmers vor dem Halbzeitpfiff bestand in einem Fehlpass, der beinahe zum zweiten Tor des Gegners führte. Mitte der zweiten Halbzeit wurde Poté aktiver – ohne jedoch für zwingende Aktionen zu sorgen. Ähnlich erging es seinem Sturmpartner Zlatko Dedič, der immerhin die meisten Bemühungen des Quartetts zeigte. In den entscheidenden Zweikämpfen konnte er sich jedoch nicht entschlossen genug durchsetzen, um das gegnerische Tor in Gefahr zu bringen. In seiner letzten nennenswerten Aktion stolperte Dedič zunächst planlos mit dem Ball durch den Strafraum, um schließlich doch noch auf den Kollegen abzulegen: Romain Brégerie schießt weit über das Tor. Aus. Vorbei. Die Hoffnungen ruhen nun auf Mohamed Aoudia, der gegen Ingolstadt nach seiner Sperre wieder ins Geschehen eingreifen kann.
Kein Platzhirsch in Sicht
Auch wenn man der Mannschaft den Willen nach dem heutigen Spiel nicht absprechen kann, so fehlte es doch an der letzten Überzeugung, einen Treffer zu erzwingen. Cristian Fiél und Robert Koch - Leitwölfe und Identifikationsfiguren von Dynamo - mussten die Niederlage über die kompletten 90 Minuten auf der Ersatzbank verfolgen. Stattdessen gab Dynamo-Trainer Olaf Janßen seinen Nachwuchsspielern die Chance, sich zu zeigen. Eine zweifelhafte Entscheidung des Trainers, der sich nun der Kritik stellen muss. Nach den letzten beiden enttäuschenden Auftritten seiner Mannschaft dürfte für Janßen die Schonfrist abgelaufen sein. Trotz aller guter Ideen und harter Trainingsarbeit verfällt Dynamo Dresden in alte Muster. Torwart Markus Scholz fand im TV-Interview mit ''Sky'' deutliche Worte: ''Wir haben die Kaltschnäuzigkeit vermissen lassen. Das rächt sich jede Woche.'' Dynamo Dresden findet sich nun in der harten Wirklichkeit wieder und muss auf altbewährte Tugenden zurückgreifen: Teamgeist und Leidenschaft. Vom Trainer oft beschworen, doch zuletzt vermisst. Noch bleiben Dynamo zwölf Spiele, um das Abstiegsgespenst aus Dresden zu vertreiben.
FOTO: Olaf Beger